/ Wort zum Tag

Matthäus 5,19

Bibelvers

Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

Matthäus 5,19

Das Bibelwort für diesen Tag ist ein Satz, den Jesus Christus gesagt hat. Er steht in der Bergpredigt, im Matthäusevangelium Kapitel 5  Vers 19:

Wer eines von den kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich.

Vielleicht zögern Sie jetzt. Was sagt Jesus da? Kein Gebot soll aufgelöst werden? Keines von den vielen Geboten und Verboten, die es im Alten Testament gibt? Selbst die kleinste Vorschrift soll weiter gelten? Mit Recht fragen wir: Widerspricht das nicht allem, was wir als Evangelium gehört haben, als befreiende frohe Botschaft: Gottes Liebe zählt. Seine Gnade gilt. Das war es ja, was Martin Luther bei Paulus wiederentdeckte: Wir werden vor Gott recht nicht durch unser Tun und durch das Befolgen von Gesetzen. Sondern Gott schenkt uns seine Güte; er will, dass wir sie annehmen, dass wir glauben. Dass wir auf Christus vertrauen, der für uns lebte und starb.

Wie passt das zusammen mit dem, was Jesus hier in der Bergpredigt lehrt: dass kein Gebot aufgelöst wird? Kommt es jetzt doch darauf an, genau den Vorschriften des Alten Testaments zu folgen und dann irgendwie moralisch besser zu sein als andere? Und in Gedanken sehe ich den ausgestreckten Zeigefinger der Kritiker vor mir: „da seht, die Kirchgänger, die Frommen, die sich ängstlich an kleinliche Bestimmungen binden und sie peinlich genau einhalten“.

Hat Jesus das so gemeint und gewollt? So fragen wir – und tappen gerade damit in eine Gedankenfalle. Die Falle lautet so: Wenn wir durch Gottes Güte vor Gott recht werden, dann könnten wir doch alle Gebote zur Seite schieben. Wenn Jesus von dem Zwang, uns durch gute Taten selbst zu erlösen, befreit, dann könnten wir ja tun und lassen, was wir wollen, oder? Genau hier lauert die Gedankenfalle. Wenn Jesus uns befreit, dann eben nicht dazu, dass wir tun und lassen, was wir wollen, sondern  tun, was er will. Dazu befreit uns Christus.

Er befreit uns – das bedeutet: Er will nicht, dass wir uns verkrampfen. Er will nicht, dass wir pingelig und ängstlich nur darauf achten, alles richtig zu machen, damit wir dann auf unsere Leistung vor Gott stolz sein können. Dann wären wir wieder im alten gesetzlichen Fahrwasser. Jesus hat in einem Gleichnis eben so einen Pharisäer geschildert: der stand vor Gott und prahlte: Ich faste regelmäßig, ich spende reichlich, sieh doch, Gott, wie gut ich bin. Daneben, so erzählt Jesus, stand ein Zöllner, der viel Dreck am Stecken seines Lebens hatte. Er hat wohl viel Geld angehäuft, aber auch viel Schuld und Versagen. Dieser Zöllner schlägt sich an die Brust und bittet: Herr, sei mir Sünder gnädig.  Und Jesus sagt: Der Zöllner ging gerechtfertigt nach Hause, gerecht gemacht durch Gottes Güte. Diese Güte ist da. Wo Jesus bei uns ist, da kommt die Güte mit. Und was folgt daraus? Was folgte für den Zöllner, der Vergebung erlebte? Ging er nach Hause und dachte: Jetzt kann ich wieder tun, was ich will? Nein, vermutlich nicht. Denn wer aus Gottes Güte lebt, wird anders denken: Jetzt lebe ich als beschenkter Mensch und will danach fragen, was Gott von mir will. Was sein Wille für mein Leben ist. Was vor ihm richtig ist und was nicht. Seinen Willen hat Gott uns in der Bibel klar gemacht. Nicht als bedrückenden Leistungsdruck. Sondern als Leitlinie zum Leben. Sie erklärt Jesus in der Bergpredigt. Er will, dass sich Gottes Herrschaft in unserem Leben ausbreitet. Und mitten in der Bergpredigt lehrt Jesus zu beten, was zusammen gehört: Dein Wille geschehe – und vergib uns unsere Schuld.

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