/ Wort zum Tag

1. Korinther 10,22

Bibelvers

Wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er?

1. Korinther 10,22

Vor der Eingangstür zu einer kleinen Methodistenkirche in New York stehen im Jahre 1900 junge Leute und laden zu einer Evangelisation in den Gemeinderäumen ein. Zwei junge russische Juden, eben in der Weltstadt angekommen, gehen an der Kirche vorüber und hören die Einladung. Der eine nimmt die Einladung an: Abraham Silberstein, er tritt ein. Im Laufe des Abends erfasst ihn das Wort Gottes. Er sucht und findet das Heil in Christus. Dieser Mann wurde später der große Judenmissionar Amerikas, der viele Juden zu Jesus führte.

Der andere der beiden war Leo Trotzki. Er folgte der Einladung nicht. Später, wie ja viele wissen, lenkte er jahrelang als kommunistischer Revolutionär und Funktionär die Geschicke Russlands. Dann fiel er in Ungnade, musste flüchten und wurde schließlich von Stalin im Exil ermordet.

Was hat Trotzki alles verpasst? Und dann auch noch das ewige Leben. Ich hätte ihm gewünscht, er hätte noch eine zweite Chance gehabt. Ganz anders Abraham Silberstein. Die Begegnung mit den Christen, besser: die Begegnung mit Christus, führte zum Bruch mit seinem alten Leben. Seine Bekehrung war keine Eintagsfliege. Sie wurde zur Grundlage für ein neues Leben. Es gibt keine Bekehrung ohne Bewährung. Auch bei ihm nicht. Aber Bewährung bedeutet auch Kampf! Als Christen stehen wir auf der Siegerseite und Jesus kämpft für uns. Und das ist gut so. Denn es passt dem Teufel überhaupt nicht, einen Menschen an Jesus verloren zu haben. Deshalb bemühen sich die alten Mächte, Verführungen, Dämonen uns zu Fall zu bringen und uns Jesus zu entreißen. Gut, dass wir Jesus auf unserer Seite haben.

Nun haben wir in unserer Eingangsgeschichte ja zwei Personen, bei denen das Evangelium ziemlich eindeutig gewirkt hat. Der eine will davon nichts wissen, bei dem anderen führt es zu einer Lebensänderung. Ich möchte Sie bitten, sich mit mir noch eine dritte Person vorzustellen. Nur vorzustellen! Die geht auch zur Evangelisation. Die hört auch das Evangelium. Die bekehrt sich auch! Was für eine Freude! Aber – und nun kommt das große „Aber“ – die Bewährung fehlt. Diese Bekehrung hat keine Auswirkungen.

Irgendwie glaubt diese dritte Person an Jesus. Aber nur irgendwie. Die Eindeutigkeit fehlt. Und dabei wird klar: Jesus hat nicht das letzte Sagen im Leben. „Was ich tue, bestimme immer noch ich.“ Diese Haltung zeigt: Jesus ist der Herr – dem Namen nach. In Wirklichkeit bin ich der Herr und handele entsprechend. Da redet mir keiner rein.

Nun kann man ja sagen: Diese dritte Person ist nur fiktiv, ausgedacht. Wenn es man so wäre! Unser Bibelvers zur Losung spricht eine andere Sprache. Eine Ermahnung an eine ganze Gemeinde: „Wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er?“

Nein, wir sind es nicht! Das wäre ja auch lachhaft. Wir stärker als Jesus? Unmöglich! Wir wollen hoffentlich auch nicht am Tisch des Herrn sitzen und zugleich am Tisch des Teufels, wie es einen Vers vorher in der Bibel heißt.

Aber das ist die große Versuchung der Christenheit: Kompromissbereit, bloß keinen Anstoß geben, nur nicht auffallen, alles mitmachen – und dabei den Herrn Jesus verleugnen. Eine Tragödie. Welche Auswirkungen hätte ein klares Christsein. Auch heute auf Europa.

Ich zumindest möchte ganz dem Herrn Jesus gehören. Ich möchte nicht dem Herrn trotzen. Ich möchte auch ein Herr Silberstein sein, aber bestimmt nicht Trotzki oder die gar nicht fiktive dritte Person.

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