/ Wort zum Tag

Kolosser 2,6

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Was ist wohl das Schwerste, wenn junge Menschen Christen werden? Und ich ergänze gleich noch: nicht nur junge Menschen, sondern auch die älteren. Das Schwerste dürfte sein, Christen zu bleiben. Sagte Luther ja auch einmal: Es ist alles leicht angefangen, aber wo sind die Bleiber und Verharrer? Wo sind diejenigen, die dann auch bei der Stange bleiben? Wo sind diejenigen, die auch noch nach Jahren zu ihrer Bibel greifen, die Entdeckungen machen, obwohl sie doch längst wissen, was da steht? Wo sind diejenigen, die beruflich nichts anderes tun, als mit dem Wort Gottes umzugehen, ihre Gemeinde zu leiten oder zu begleiten und dabei nicht müde werden, resigniert, vielleicht sogar faul oder abgestumpft? Es ist so einfach, sich ablenken zu lassen von dem Bleiben, die Wichtigkeiten im Leben neu zu setzen, die Schwestern und Brüder, also die Mitchristen, gering zu schätzen, sein eigenes Süppchen zu kochen.

Wenn ich dann den Bibelvers anschaue aus dem Kolosserbrief, dann denke ich, die kannten das auch: „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm“ (Kol 2, 6).

Nun haben auch diese bekannten Worte etwas Formelhaftes bekommen: „...den Herrn Christus Jesus angenommen...“, so dass ich dem nachgehen möchte. In den Briefen des Neuen Testaments heißt es ähnlich: „das Evangelium angenommen“ (1. Kor 15,1; Gal 1,9) oder die Anweisung zum rechten Leben (Phil 4,9; 1. Thess 4,1). Da wird etwas gegeben und etwas entgegengenommen, wie ein Geschenk. Denn das Evangelium und das Leben nach dem Evangelium ist unverdientes Geschenk, was von denen weitergegeben wird, die es selbst so erhalten haben. Christus wird weitergegeben. Aber dadurch wird das Geschenk nicht weniger, wenn es geteilt wird. Im Gegenteil, es wird vergrößert, weil Christus nun auch im Leben eines weiteren Menschen wirkt, der zur Gemeinde gehört. Und das ist der Punkt. Ab jetzt ist Jesus Christus der Herr. Im Deutschen klingt aber dieses „angenommen“ so, als hätten wir etwas Zusätzliches bekommen, so wie wir eine Aufgabe annehmen oder eine neue Gewohnheit. In christlichen Kreisen weiß man natürlich, was das bedeutet, Christus angenommen zu haben. Aber ist damit auch plötzlich alles klar?

 Wenn das so einfach wäre, dann müsste der Apostel ja nicht schreiben „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm“ (Kol 2, 6). Denn das eine ist die Folge des anderen. Er, der unter uns verkündigt wurde, von dem wir wissen, dass er der Herr ist, der Menschen vor uns getragen und beeinflusst hat, der das Leben vieler geändert hat, der lebt nun auch in uns. Und wir hören nun das deutliche „so lebt auch in ihm“. So, wie wir in unseren sonstigen Beziehungen leben. Denn da wirkt sich immer wieder aus, wie wir leben, wie wir miteinander umgehen.

Und die Aufforderung, in Christus zu leben - wörtlich: zu wandeln, herumzugehen - das habe ich neulich in einem einfachen und eindrücklichen Bild gehört. Wie ein Kind, was in den viel zu großen Hausschuhen seiner Eltern zu laufen versucht. Es sind seine Füße - klar. Aber sie hinterlassen ganz andere Abdrücke. Auch die Schrittweite ist nicht die von Erwachsenen. Aber sie fangen an, damit zu gehen, und sie wärmen die Kleinen wie die Großen. Und wenn man das Bild überstrapazieren wollte, dann könnte man auch sagen: Da wachsen sie schon hinein. Sie lernen, darin zu gehen, bis ihnen die Schuhe passen. In Christus zu leben, heißt: In dem zu leben und groß zu werden, auf den wir getauft sind. In Christus zu leben heißt: Mit dem verbunden zu sein, dem wir schon gehören und den wir nie wieder missen wollen. Christen zu bleiben. 


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