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1. Korinther 10,13

Bibelvers

Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt.

1. Korinther 10,13

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Diese Worte sind nun etwas mehr als 70 Jahre alt. Niedergeschrieben wurden sie von einem Mann, der sich damals schon seit zehn Jahren in einer Notsituation befand. Er wusste also, wovon er da sprach. Er hatte in diesen zehn Jahren viele Kämpfe gegen ein unmenschliches Regime ausgefochten, das ihm seine Arbeit als Pfarrer schwer machte. Er hatte innerhalb seiner Kirche um die richtigen Standpunkte und Verhaltensweisen gerungen. Er hatte trotz Verbot ein Priesterseminar aufgebaut, und er hatte sich gerade zum aktiven Widerstand gegen den Staat durchgerungen. Er war immer noch ein junger Mann, gerade 37 und frisch verlobt, und er ahnte, dass das Schlimmste wohl erst noch kommen würde.

Und so kam es auch. Gut drei Monate, nachdem Dietrich Bonhoeffer diese Worte von der Widerstandskraft, die Gott uns geben will, aufgeschrieben hatte, klingelte bei ihm die Gestapo. Er wurde ins Gefängnis gesteckt und zwei Jahre später ermordet.

Dietrich Bonhoeffer ist für mich ein großes Vorbild, wie er so unerschrocken gegen alle Umstände das lebte, was er glaubte. Obwohl auch er oft schwache Momente und schwere Anfechtungen erlebte, wie er selbst zugab. Er ist für mich ein großes Beispiel für einen Menschen, der weiß, dass das Leben, und besonders das Leben als Christ, nicht ohne Versuchungen verläuft. Und der sich gerade deshalb auf Gottes Treue zurückgeworfen weiß. Auf die Gewissheit, dass Gott größer ist als selbst die größte Bedrohung, die ein Mensch im Leben erfahren kann: dass ihm nämlich das Leben selbst geraubt werden könnte.

Hier hat Bonhoeffer etwas gemeinsam mit dem Menschen, der einst diesen Lehrtext zur heutigen Losung niedergeschrieben hat. „Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt“, schreibt Paulus an die Korinther.

Auch Paulus wusste, wovon er da schrieb. Er war auf seinen Reisen schon oft in Gegenwind geraten. Er war immer wieder beleidigt, manchmal verprügelt und sogar inhaftiert worden. Und auch er sollte schließlich für seinen Glauben umgebracht werden. Mag sein, dass auch er das schon ahnte, als er diese Worte schrieb. Er war ja damals nicht der erste Christ, der um seines Glaubens willen getötet wurde.

Zugegeben, mich selbst fröstelt es bei dem Gedanken und ich bin sehr, sehr froh, dass ich heute in einem Land lebe, in dem ich nicht befürchten muss, um meines Glaubens willen ermordet zu werden. Die Versuchungen, die mir begegnen, sind vergleichsweise einfach. Da geht es eher um Dinge wie die Art und Weise, wie ich meine Zeit, mein Geld und meine Beziehungen handhabe. Aber das sind dennoch Versuchungen, und die treffen mich bisweilen ganz schön hart. Doch hier kann mich wirklich der Gedanke trösten, dass es nicht meine eigene Kraft ist, die entscheidend ist. Darüber bin ich wirklich froh. Es ist Gott, der treu ist und stärker als alle Anfechtungen, und dessen Kraft letztlich entscheidend ist.

Die Versuchungen werden ein Ende nehmen. Das Leben nicht. Von Dietrich Bonhoffer heißt es, dass er auf dem Weg zum Galgen sagte: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“

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