/ Wort zum Tag

Lukas 23,33-34

Bibelvers

Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes.

Lukas 23,33-34

Ein paar Folterknechte schleppen einen Mann zum Galgen und besorgen alle nötigen Handgriffe, damit der Mensch anschließend sicher tot ist. Sie tun das sehr wahrscheinlich mehrmals täglich. Der hier ist nicht der erste und wird auch nicht der letzte sein. Diese Leute kennen ihr Handwerk. Ausgerechnet sie sollen nicht wissen, was sie da tun?

Die römischen Soldaten, die Jesus ans Kreuz nagelten, wussten sicher so viel: Dass sie hier gerade einen Menschen töten. Und dass dieser Mensch vorher noch fürchterlich leiden wird. So viel müssen sie gewusst haben.

Das, was sie nicht wussten, ist etwas anderes: nämlich dass dieser Mensch, der hier leidet und stirbt, die wichtigste Person in dieser uralten Geschichte ist. Dass schon seit ewigen Zeiten feststeht, dass sie so und nicht anders verlaufen muss und auch verlaufen wird, und dass die Soldaten selbst schon in der Weissagung des Propheten Jesaja vorkommen. Sie wissen nicht, dass sie gerade Teil dieser ganz großen Geschichte sind, die der Schlüssel für die Erlösung der ganzen Welt sein wird. Sie wissen auch nicht, dass dieser Mann, dieser Jesus, tatsächlich der Sohn Gottes ist. Der Mensch, dessen Hinrichtung am allerwenigsten gerechtfertigt ist, weil er als einziger nie eine Sünde begangen hat.

Hätten sie denn anders gehandelt, wenn sie das gewusst hätten? Hätten sie sich dem Befehl von oben widersetzt? Auf das Risiko hin, deswegen selbst hingerichtet zu werden? Ich weiß es nicht. Ich denke, Jesus bittet auch nicht deswegen für diese Soldaten, weil ihnen das nötige theologische Wissen fehlt, sondern deswegen, weil sie einfach nur so armselige normale Menschen sind, die gerade irgendeinen Befehl von oben ausführen.

Vielen älteren Menschen unter uns kommt so eine Situation vielleicht furchtbar bekannt vor.

Ich höre oft alte Menschen die Frage stellen: hätte ich mich anders verhalten sollen, damals im Krieg? Hätte ich denn wissen können, was da gerade passierte? Hätte ich mich nicht dem Widerstand anschließen können? Oder: hätte ich damals in der DDR nicht merken müssen, wohin das Ganze steuerte? Hätte ich nein sagen sollen, als die Stasi mich angeworben hat? Hätte ich nicht anderen Menschen großes Leid erspart?

Das sind harte Fragen, und sie machen mich sprachlos. Ich selbst bin noch relativ jung  und kann mir in diesen Dingen kein Urteil erlauben. Ich bin mir aber einer Sache gewiss: nämlich dass alles dieses endlose „Hätte, könnte, würde“ an sein Ende kommt, wenn ich es mit Jesus zu tun bekomme.

Wie die Soldaten, so sieht Jesus auch mich selbst in all meiner Armseligkeit. Und ich bin sicher, ich selbst versage tagtäglich darin, zu durchschauen, was ich durch meine Taten so alles anstelle. Dass das oft nur Kleinigkeiten sind, macht die Sache ja nicht besser – und Jesus vergibt. Ich brauche mir nicht ohne Ende den Kopf darüber zu zerbrechen, was ich wieder alles falsch gemacht haben könnte, weil ich irgendetwas übersehen habe, das ich hätte sehen müssen. Das Geschehene kann ich sowieso nicht mehr ändern. Ich kann aber verhindern, dass mich diese Grübeleien fesseln und mir die Kraft zur Veränderung rauben. Gerade die Freiheit dazu will Jesus mir ja durch seine Vergebung schenken.

Es ist durchaus denkbar, dass einige dieser römischen Soldaten, die an der Kreuzigung beteiligt waren, später Christen wurden – und sich dieselben Fragen stellten: Hätte, könnte, würde … Muss es nicht schrecklich sein, am Tod des Erlösers mitgewirkt zu haben? Ja, sicher. Doch als Christ weiß ich: auch ich selbst habe daran mitgewirkt. Aber es musste so kommen. Und genau dadurch finde ich Erlösung.

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