/ Wort zum Tag

Jesaja 1,3

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht.

Jesaja 1,3

Im Oktober war es soweit: das Denkmal für Knut wurde enthüllt. Der kleine Eisbär war nach seiner Geburt der Star des Berliner Zoos. Ich gebe es zu: auch ich schmolz jedes Mal dahin, wenn ich ein neues Bild von diesem kleinen, weißen Wollknäuel sah. Und was mich auch faszinierte: in den ersten Lebenswochen folgte Knut seinem Pfleger auf Schritt und Tritt. Egal, womit der kleine Kerl gerade beschäftigt war: wenn sein Pfleger aufstand, um den Raum zu verlassen, war Knut sofort zur Stelle und lief hinterher. Das war für den kleinen Burschen gar keine Frage. Warum war das so? Ich denke, er wusste: wenn ich dem Pfleger folge, geht es mir gut. Er gibt mir zu essen. Bei ihm bin ich sicher.

Glauben Sie mir: manchmal habe ich diesen Pfleger beneidet. Bei mir und meinen Kindern war es ganz anders. Mitnichten ließen sie alles stehen und liegen, wenn ich weg wollte. Mitnichten aßen sie alles, was ich gekocht hatte, nur weil es gesund war. Mitnichten ließen sie die Spritzen beim Kinderarzt klaglos über sich ergehen, nur weil ich sagte, wie wichtig das sei. Manchmal war es zum Haare raufen: Warum verstanden sie nicht, dass ich es einfach nur gut mit ihnen meinte?

So ein bisschen mehr „wir machen das jetzt einfach, weil Mama es sagt“, das hätte ich mir schon gewünscht.

Der Prophet Jesaja klagt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn. Aber mein Volk versteht's nicht.“ Und Jesaja will damit sagen: 'Selbst ein Rindvieh und ein Esel wissen, von wem ihnen das Gute kommt und halten sich an diesen Herrn. Sollten Menschen nicht um vieles klüger sein? Warum halten sie sich nicht an Gott? Warum tun sie nicht, was er ihnen sagt? Es würde ihnen so viel besser gehen! Sie haben es doch schon erlebt!'

Ja, das Volk Israel hatte schon viel Gutes mit Gott erlebt: Woche für Woche, an jedem Shabat, erinnerte es sich daran, dass Gott es aus Ägypten geführt hatte. Und trotzdem wandte es sich von Gott ab. Nicht äußerlich: die Feiertage wurden eingehalten. Man ging zum Tempel und opferte, wie es vorgeschrieben war – aber: im Herzen sah es anders aus. Außerhalb des Tempels vertraute man anstatt auf Gott lieber auf sich selbst.

Das kommt mir sehr bekannt vor. Ob man glaubt und wie man glaubt, das gehört heute für mich in den privaten Bereich. Das ist etwas für das stille Kämmerlein und, wenn es hoch kommt, noch etwas für den Sonntag oder Weihnachten oder Ostern. Aber im Lebensalltag, da verlassen sich die meisten lieber auf ihren Verstand.

Wenn ich mir vorstelle, ein Politiker stellt sich hin und sagt: „Ich habe mich entschieden, in allen Dingen so zu handeln, wie Gott es in der Bibel vorgibt. Und ich vertraue darauf, dass es diesem Land dann gut gehen wird.“– die Titelseite in den Boulevardblättern wäre ihm sicher.

Oder wenn ich mir vorstelle, ein Unternehmer denkt so. Bei einem ganz kleinen Familienbetrieb mag das noch gehen. Aber kann man mit solch einer Grundhaltung wirklich einen Konzern führen?

„Lernt Gutes zu tun. Schafft Gerechtigkeit. Kümmert euch um die sozial Schwachen“, das wünscht sich Gott von den Menschen. Das lässt er ihnen durch Jesaja ausrichten. Nein, das ist keine zu hohe Forderung. Im Gegenteil, es sollte uns eine Selbstverständlichkeit sein, so zu handeln, privat, in der Politik und im Berufsleben.

Wie gut, Gott zu haben, der einem sagt, wo es lang geht.
Und gut, wenn man dann einfach nur vertraut und mitgeht. So wie Knut.
Manchmal kann auch ein kleiner Eisbär ein großes Vorbild sein.


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