/ Wort zum Tag

Psalm 94,9

Bibelvers

„Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“

Psalm 94,9

Vor etwa 25 Jahren sah ich zum ersten Mal an einem Kongress zum Thema „Kirche und Behinderung“ in den USA eine Gehörlosen-Dolmetscherin. Vor ihr saß eine große Gruppe gehörloser Zuhörer. Die Dolmetscherin übersetzte eine ganze Predigt in die Gebärdensprache und brauchte dazu ihre Hände und ihre Mimik. Für mich war das äußerst faszinierend. Mit meinen Augen schaute ich gebannt auf die flinken Hände der Dolmetscherin und mit meinen Ohren hörte ich auf die Predigt. Seither sind viele Jahre vergangen. Heute können wir täglich am Fernsehen bei bestimmten Nachrichten-Sendungen solche Dolmetscherinnen sehen. Die Gebärdensprache fasziniert mich immer noch sehr.
Inzwischen habe ich gute Freunde, die gehörlos sind. Ohne spezielle Dolmetscher ist es für diese Menschen sehr anstrengend, einer Predigt oder einem Vortrag zu folgen. Mit höchster Konzentration versuchen sie, der Spur nach zu erfassen, was da gesagt wird. Im persönlichen Gespräch muss ich mich ihnen ganz konkret zuwenden und dann sehr deutlich sprechen, damit sie die Worte von meinen Lippen ablesen können. Ich habe gelernt, dass gehörlose Menschen mit den Augen hören.
Einem blinden Menschen würde diese Art von Übersetzung gar nichts nützen, weil er nichts sehen kann. Aber blinde Menschen hören ja mit den Ohren. Das scheint irgendwie verkehrt zu sein.
Ist es nicht auch oft in unserem praktischen und geistlichen Leben so? Wenn Dinge geschehen, die wir nicht einordnen können, dann fragen wir uns sehr schnell, ob Gott unsere Gebete nicht hört oder ob er unsere momentane Situation nicht sieht.

In unserer heutigen Bibellese spricht der Psalmist dieses Thema auch an. Er sagt in Psalm 94, 9: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“
Auch wenn ein Mensch mit Gehörlosigkeit oder Blindheit leben muss, wenn unser Leben wegen einer schlimmen Diagnose oder sonst einem Schicksalsschlag aus den Fugen zu geraten droht, ist Gott immer noch da – und zwar mitten drin. Denn: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“  Er hört jedes Gebet und er sieht uns in unseren Fragen und in unserer Schwachheit. Er meint es gut mit uns, auch wenn wir ihn nicht verstehen. Gott findet Wege, um uns zu zeigen, dass er uns sieht und hört und er hilft uns, dass wir ihm auch in schwierigen Situationen vertrauen können. Er findet die richtige Sprache auch dort, wo wir schwerhörig oder blind sind. Deshalb spricht er Ihnen diesen Vers heute ganz persönlich zu. Diese Zusage soll Sie anspornen, ihm neu zu vertrauen, egal wie Ihre Lebenssituation aussieht: „Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?“

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