/ Wort zum Tag

5. Mose 15,7

Bibelvers

Wenn einer deiner Brüder arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der HERR, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.

5. Mose 15,7

Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.

Das mögen wir nicht so gern, nicht wahr? Diese Anrede mit „du sollst“ klingt so fordernd, so von oben herab. Wir werden schon genug gefordert, von allen Seiten, im Beruf, in der Familie, in verschiedensten Verpflichtungen. Und doch: Was da steht, was da hinter dem „du sollst“ kommt, das muss unsere Aufmerksamkeit finden. Vielleicht ist der Bibelvers auch so fordernd formuliert, weil das, was gefordert wird, heute dringend eingefordert werden muss.

Es ist so unglaublich wichtig, dass wir ein weiches Herz haben. Ein Herz, das noch nicht hart geworden ist. Ein Herz, das noch reagiert auf die Fernsehberichte, die jeden Tag ins Haus flattern. Auf die Nachrichten aus aller Welt, die uns zeigen, dass es unglaubliches Elend gibt, vor allem für die Kinder dieser Welt. Ein Herz, das noch reagiert auf die Meldungen, dass es auch in Deutschland Armut, dass es tiefe leibliche Not gibt. Ein Herz, das wahrnimmt, dass es eine unheimliche Schere gibt: Reiche werden immer reicher, und Arme immer ärmer. Und ein Herz, das auch bereit ist zur Kenntnis zu nehmen, dass auf wenige Reiche weltweit ungezählte Arme kommen, dass aber vom Kuchen der vorhandenen Reichtümer ein hoher Prozentsatz bei den Reichen landet, ein kleiner aber nur bei den Armen.

Und dann steht da noch etwas in dem Wort, das wir eben gehört haben. Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen einem harten Herzen und einer verschlossenen Hand, die alles behalten will, was sie erworben hat. Hartherzigkeit paart sich mit brutalem Egoismus, und auch das stellen wir in unserem Land und in der weiten Welt fest, wenn unser Herz weich geworden ist. Wir können uns freuen, dass für Notgebiete immer wieder viel Geld gesammelt wird. Aber das alles reicht nicht, um die weltweite Not wirklich zu lindern. Es ist noch so viel „hartes Herz“ in unserer Welt.

Was sollen wir tun? Was kann der reiche Norden für den armen Süden tun? Was der vermögende Eigentümer für den Habenichts von nebenan? Im fünften Buch Moses wird gesagt, was wir tun sollen. Dieses Buch ist voll von sinnvollen Ratschlägen für ein gelingendes Miteinander. Es ist voll von der Sehnsucht nach mehr Barmherzigkeit und mehr Hilfsbereitschaft. Ganz konkret wird gesagt: Wir brauchen Menschen mit warmen, weichen Herzen. Menschen, die ein Herz haben für Arme. Die noch nicht abgerutscht sind in den Tunnelblick von so vielen (Gott sei Dank nicht allen!) Reichen, die nur sich selber sehen.

Und es wird auch gesagt, was bzw. wer uns das Herz weich machen kann. Immer wieder wird in diesem großen Buch der Bibel eingeprägt: Vergesst nicht, wo ihr herkommt. Vergesst nicht, die ihr reich geworden seid, dass ihr auch einmal arm und hilflos wart. Vergesst nicht, dass der lebendige Gott euch in großen Notzeiten durchgetragen hat. Dass er euch im Sinne des Wortes herausgerettet hat, heraus aus der Gefangenschaft in Ägypten, hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Vergesst das nicht! Gott hat sich euch gegenüber so wunderbar barmherzig erwiesen; - was könnt ihr anderes tun als ihm dankbar zu sein.

Und Dankbarkeit, das ist sicher, weicht Herzen auf und führt auch dazu, dass sich Hände öffnen. So wie damals das Volk Israel viel Grund zur Dankbarkeit hatte, so gilt das auch für uns heute. Was wären wir, wenn Gott nicht über unser Leben schützend seine Hände gehalten hätte. Und aus dieser Dankbarkeit kann Hilfsbereitschaft wachsen. Da entstehen dann Initiativen wie „Brot für die Welt“, „Kindernothilfe“ oder „Weihnachten im Schuhkarton“. Da wächst in Gemeinden der Blick für die Armut in der eigenen Region, da entstehen dann Projekte wie „Laib und Seele“ in Berlin.

Die Dankbarkeit über einen ungemein gütigen Gott verändert alles: Das „du sollst“ vom Anfang des Wortes für heute wandelt sich  in ein „du kannst“ und „du wirst“. Herzen werden weich, und Hände öffnen sich. Und es wandelt sich auch die Blickrichtung; der Blick geht dahin, wo die Not am größten ist. Ich wünsche uns, dass der Blick auf den barmherzigen Gott unsere Herzen weitet und weich macht und dass sich unsere Hände dankbar und gern öffnen für die, die so viel schlechter dran sind als wir. 

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