/ Wort zum Tag

Psalm 136,23

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Er dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewig!“

Psalm 136,23

Wie oft muss man einen Satz hören, bis man ihn nicht nur kennt, sondern auch behält? Wie oft muss man etwas gesagt bekommen, bis man es nicht nur weiß, sondern auch glaubt? Wie oft muss man eine Wahrheit zugesprochen bekommen, bis sie nicht nur im Gedächtnis haften bleibt, sondern das Herz erfüllt? Wie oft muss sich in unserem Leben etwas wiederholen, bis wir unsere Lektion gelernt haben?

„…denn seine Güte währet ewig!“ Der Dichter des 136. Psalms geht in seinem Lied für den Gottesdienst fast die ganze Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung und mit seinem Volk durch. Und nach jeder Aussage antwortet die gottesdienstliche Gemeinde mit dieser Bekräftigung: „…denn seine Güte währet ewig!“ Das ist der Kehrvers. 26 Verse hat der Psalm. Und 26 Mal heißt es: „…denn seine Güte währet ewig!“

Lernen durch Wiederholung nennt man das. Doch der Lernerfolg ist nicht garantiert. Mancher steigt bei der dritten Wiederholung schon aus. Ein anderer könnte es 50 Mal mit singen, ohne dass es sein Herz bewegt. Doch wer sich bewusst macht, um wen es hier geht – „um Gott und um mich!“ – der merkt vielleicht, wie ihm die Botschaft von der Güte Gottes langsam näher kommt. Ihm stehen plötzlich Höhen seines Lebens vor Augen und er merkt: Es war die Güte Gottes, die mich so beschenkt und gesegnet hat! Ihm werden plötzlich Tiefen seines Lebens bewusst und er merkt: Es war die Güte Gottes, die mich auffing, als ich fiel, und die mir half, wieder aufzustehen. „…denn seine Güte währet ewig!“ Ja, mit jeder Erinnerung verknüpft sich nun das Staunen darüber, dass Gott treu ist. „…denn seine Güte währet ewig!“ Das Bekenntnis wird kräftiger. Die Bitterkeit schwindet. Das Herz wird weich. Dankbarkeit bleibt. „…denn seine Güte währet ewig!“

Der Vers, der heute dem „Wort zum Tag“ zugrunde liegt, greift eine Situation aus der Geschichte Israels heraus. Auch in dieser Situation wurde die Güte Gottes für das Volk Israel erkennbar: „Er dachte an uns, als wir unterdrückt waren…“ Dem Psalmisten steht vor Augen, wie Israel in Ägypten versklavt war und fürchterlich litt. Die Juden fühlten sich von Gott und Menschen vergessen und im Stich gelassen.

Doch der Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob hatte sie nicht vergessen. Er hatte längst begonnen, eine Rettungsaktion zu starten. Er erwählt sich mitten in der Wüste einen 80-jährigen Flüchtling mit dunkler Vergangenheit und beauftragt ihn, Israel aus Ägypten herauszuholen. Im 2. Buch Mose Kapitel 3 wird uns die Geschichte von der Berufung des Mose erzählt.

Mittendrin heißt es dort:

„Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin niedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt…“ (2. Mose 3, 7 + 8)

 „Er dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewig!“ Der Psalmbeter erinnert die gottesdienstfeiernde Gemeinde an Gottes Eingreifen in der Geschichte.

Wenn Leid und Unrecht zum Himmel schreien, dann berührt das Gottes Herz. Und wenn er eine Rettungsaktion startet, dann beruft er sich Menschen, die sich von ihm gebrauchen lassen.

In unserer Gemeinde in Lübeck sammeln sich seit ca. 2 Jahren immer mehr Flüchtlinge vor allem aus  dem Iran und aus Afghanistan. Zum Teil waren sie schon in ihrer Heimat Christen und mussten darum fliehen. Zum Teil sind sie auf der Flucht oder hier bei uns Jesus Christus begegnet und begannen, ihm zu glauben. Alle haben sie Unterdrückung und Verfolgung erlebt. Und nun erkennen sie mehr und mehr, dass Gott ihr Elend gesehen und an sie gedacht und ihnen Hilfe gesandt hat. Für uns als Gemeinde ist es ein großer Segen mitzuerleben, wie wir Teil des Rettungsplans Gottes sein dürfen für diese Flüchtlinge. So viel Liebe ist frei geworden, ein Unterstützer-Netzwerk ist entstanden. Einige von uns bieten Deutschunterricht an, einige einen Bibelkurs, andere organisieren Fahrräder oder second-hand-Sachen, wieder andere gehen mit zum Anwalt oder zur Gerichtsverhandlung. Und alles, was wir für sie tun, mit Worten oder mit Taten, soll das Erbarmen Gottes widerspiegeln. Das ist uns wichtig, weil wir es selbst erfahren haben. Und wir möchten, dass unsere ausländischen Geschwister mit uns gemeinsam Gott ehren können mit dem Bekenntnis: „Er dachte an uns, als wir unterdrückt waren, denn seine Güte währet ewig!“


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