/ Wort zum Tag

Psalm 119,130

Bibelvers

Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut esund macht klug die Unverständigen.

Psalm 119,130

 

Ein junger Student kommt zu einem alten Eremiten, der am Rande der Wüste wohnt und klagt ihm, dass er sich beim Studium nicht konzentrieren kann: „Ich lese so viel in der Bibel und bin begeistert von der Wahrheit der Worte. Aber es gelingt mir nicht, sie zu behalten. Ich vergesse alles. Ist meine Mühe nicht gänzlich umsonst?“ Der Eremit hört ihm regungslos zu. Nach einer Zeit des Schweigens deutet er auf einen schmutzverkrusteten Korb. „Hole mir aus dem Brunnen dort drüben Wasser“, fordert er den jungen Mann auf. „Hm, er findet meine Frage wohl zu dumm“, denkt der Student, greift den Korb und trottet zum Brunnen. Er schöpft das Wasser und kehrt zurück zum Eremiten. Als er ankommt, ist das Wasser aus dem Korb heraus gerieselt und der Korb leer. „Geh nochmal“, befiehlt der Eremit. Der junge Mann folgt. Ein drittes, ein viertes Mal muss er gehen. „Der Alte prüft meinen Fleiß, meine Beharrlichkeit beim Arbeiten, bevor er mir antwortet“, denkt sich der Student. Immer wieder zuckelt er los mit dem Korb, füllt ihn und kommt entleert zurück. Nach zwölf sinnlosen Versuchen bleibt er stehen, während ihn der Eremit schweigend anschaut. „Schau dir den Korb an“, sagt der weise Alte. „Er ist ganz sauber“, sagt der Jüngling erstaunt. „So ergeht es dir mit den Worten, die du fleißig liest und in Gedanken wendest“, sagt der Eremit. „Du kannst sie nicht festhalten, sie fließen durch dich hindurch, und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber ohne dass du darauf achtest, klären die Worte deine Gedanken und machen dein Herz rein.“

Was für eine schöne Geschichte! Ich habe sie vor einiger  Zeit in einer Beispielsammlung gefunden und mir aufbewahrt. Manchmal ergeht es mir wie diesem Studenten in der Geschichte. Ich vergesse so vieles. Nicht, dass ich mir keine Mühe geben würde – ganz im Gegenteil! Und doch passiert es mir immer wieder, dass ich erst eine Weile nach einem Gespräch denke: „Das hättest Du auch noch sagen müssen“ – und dann fallen mir wirklich gute Gedanken ein. Im Moment aber des Gesprächs ist so manches mal Alles wie weggewischt. Ich muss meinem Gesprächsgegenüber wie töricht erschienen sein, unwissend, gar ungebildet. Auf jeden Fall aber nicht schlagfertig genug. Ich gebe zu: das ärgert mich manchmal, dass ich so bin. Und dann lese ich in der Bibel Sätze wie diesen, den ich Ihnen heute mitgebe: Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverständigen. (Psalm 119, 130).

Das bringt meine Gedanken in eine neue Richtung, lässt mich mein Bibellesen in einem neuen Licht sehen. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie viel ich von dem bis ins Letzte hinein verstehe, was ich da lese und dann auch behalte. Es gibt da diese göttliche Klugheit, die einem Menschen gegeben wird, ohne dass er es groß vermerkt. Eine Weisheit, die ganz eng verbunden ist mit den Worten der Heiligen Schrift. Wer sie liest, wird klug. Die Gedanken und das Herz rein und die Motivation lauter. So möchte ich leben. Eindeutig, klar und verbindlich. Klug in Gottes Art, nicht nur schlau. Und das ist es, was ich Ihnen heute wünsche: diese Erfahrung, dass Ihnen Gedanken Gottes offenbar werden und Sie sich so recht von Herzen darüber freuen können. Ich werde bei der nächsten Mahlzeit, bei der ein Brotkorb auf dem Tisch steht, diesen Korb in die Hand nehmen und mich an die Geschichte erinnern. Und ich werde diesen Vers auswendig lernen, als Trost für mich und als Ansporn, die wirkliche Klugheit in meinem Leben zu erlangen: Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Unverständigen.

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