/ Wort zum Tag

Hebräer 12,25

Bibelvers

Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden redete, wieviel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet.

Hebräer 12,25

Ich rede und werde abgewiesen. Von meiner eigenen Tochter. Die ist vier. Ich sage ihr etwas, und sie reagiert nicht. Ist das Kind schwerhörig? Meine Frau war deswegen sogar schon beim Kinderarzt. Aber der Gehörgang ist völlig in Ordnung. Wir hätten es eigentlich selber merken können. Sie hört nämlich immer alles genau, was gar nicht für ihre Ohren bestimmt ist. Sie hört eben, was sie hören will. Und nur das. Ich fühle mich ertappt und denke: Genauso gehe ich mit Gott manchmal um! „Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet“. Und wie oft weise ich Gott in meinem Alltag ab. Was der Autor des Hebräerbriefs mit diesem Satz meint, ist aber noch viel radikaler.

Wenn meine Tochter nämlich meine Worte zurückweist, dauert das nie lange. Nach wenigen Sekunden kommt sie wieder an und will gedrückt und geknudelt werden. Und so ist das bei mir und Gott ja auch. Aber stellen sie sich einmal vor, meine vierJährige würde mich wirklich zurückweisen. Würde mich nicht mehr als ihren Papa akzeptieren. Würde mich dauerhaft ignorieren. Obwohl sie natürlich weiß, dass ich ihr Vater bin. Diese Vorstellung wäre für mich völlig undenkbar. Mir würde sich der Magen umdrehen. Genau das aber ist es, was Gott immer wieder erleben musste. Durch die ganze Geschichte des Alten Testamentes hindurch.

„Seht zu, dass Ihr den nicht abweist, der da redet“ – diesen Satz könnte man als Motto über die ganze Bibel stellen. Das fängt ja schon an bei Adam und Eva. Gott redet. Und sie tun promt das Gegenteil. Besonders eindrücklich redet Gott dann zu Mose und seinen Zeitgenossen. Dazu kam er sogar selber auf den Berg Sinai zu Mose, dass die Erde nur so bebte. Und was passiert? Die Israeliten nörgeln und meutern und tanzen ums goldene Kalb. Das Ganze geht immer so weiter. Die Propheten reden sich den Mund fusslig, tun Zeichen und Wunder und was man sich noch denken kann. Und immer wieder wird Gott abgewiesen.

Bis Gott dann irgendwann einen ganz neuen Anlauf unternimmt. Er redet jetzt nicht mehr durch Boten. Er kommt noch einmal selbst. Und da wenigstens sollte man doch meinen, dass die Menschen es endlich begreifen. Sie tun es nicht. Sie bringen Gott ans Kreuz. Die Menschen sind offensichtlich resistent gegen das Reden Gottes – zumindest bis an Pfingsten der Heilige Geist kommt. Da scheint es ja endlich zu klappen! Menschen aus aller Welt hören in ihrer Sprache Gott reden. Und was noch wichtiger ist: Sie verstehen es. Und handeln entsprechend. Aber dann lange nach Kreuzigung und Auferstehung, auch lange nach Pfingsten, dieser Satz: „Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet.“ Gesagt zu Menschen, die dem Auferstandenen begegnet sind.

Als Gott zu Mose auf dem Berg Sinai sprach, bebte die Erde. Und entsprechend waren auch die Konsequenzen, als sie Gott abwiesen: Sie blieben alle in der Wüste. Mit Gottes Heiligkeit ist nicht zu spaßen. Und wenn damals schon die Erde bebte, als Gott auf der Erde redete – dann gibt es ein Himmelsbeben und ein himmlisches Donnerwetter, wenn wir das einzigartige Reden Gottes an Karfreitag und Ostern zurückweisen. Wer dem Auferstandenen begegnet ist und ihn doch zurückweist, dem kann nicht einmal Gott mehr helfen. Aber das ist eigentlich genauso unvorstellbar wie der Gedanke, dass meine vierjährige Tochter mich als Vater zurückweisen würde.

Ich möchte dieses einzigartige Reden Gottes an Karfreitag wieder hören. Ich möchte Karfreitag nicht nur als Gedenktag an eine große Persönlichkeit feiern, die zu Unrecht hingerichtet wurde. Ich möchte ganz bewusst hinhören, wenn Jesus mir sagt: „Das habe ich für dich getan!“ Und dann am Ostermorgen in den Jubel ausbrechen: „der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Und ich weiß dann: Genauso werde auch ich einmal auferstehen.

Weisen Sie den nicht zurück, der an Karfreitag und Ostern redet!

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