/ Wort zum Tag

Psalm 130,3

Bibelvers

"Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst - Herr, wer wird bestehen?"

Psalm 130,3

Manche Tage gehen wir leicht und frohgemut an. An anderen fällt uns schon das Aufstehen schwer. Es gibt Zeiten, zu denen wir unbeschwert leben. Wieder zu anderen Zeiten sind wir bedrückt. Wie geht es Ihnen heute?

Der Beter des 130. Psalms ist sehr bedrückt. Seine Gottesbeziehung ist gestört. Sünden stehen trennend zwischen ihm und seinem Gott. Ein ganzer Sündenberg lastet schwer auf ihm. Sünde ist ihm kein Kavaliersdelikt, kein moralisches Defizit. Sünde geht an den Lebensnerv, rührt an die Gottesbeziehung. Seine Sünde stellt sein Leben grundsätzlich infrage. Er beginnt sein Gebet darum mit einem tiefen Seufzen: Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir.

Der Beter weiß: Gott hasst die Sünde. Dieses ist ihm bedrängend bewusst und unerträglich. Er kann seine Sünde nicht aus der Welt schaffen. Kein Mensch kann es. Allein Gott. Sünde kann allein Gott beseitigen. Er allein hat Macht, sie zu vergeben. Das Kreuz Jesu Christi macht uns deutlich, was es Gott kostete, uns unsere Sünde abzunehmen. Wer darum weiß, kann Sünde nicht bagatellisieren.

Viele sagen heute kritisch: Glaube löst Probleme, die man ohne Glauben nicht haben würde. Nicht wenige denken: Was Beter bis in die tiefste Seele hinein umtreibt, braucht den nicht umzutreiben, für den Gott keine Bedeutung hat. Ist unser Gewissen so leicht ruhig zu stellen? Ist die Seele so einfach zu befriedigen? Wenn ich höre, welchen Zulauf Psychiater haben und wie psychische Erkrankungen unter uns zunehmen, kommen mir starke Zweifel.

Der Beter kann Gott nicht leugnen. Gott ist für ihn nicht bedeutungslos. Gott ist für ihn nicht die Überhöhung eines empfindlichen Gewissens, keine überholte Moralinstanz. Im Gegenteil. Gott ist ihm letzte Instanz, vor der er sich zu verantworten hat. Gott ist sein Du, sein Leben.

In seiner Verzweiflung über seine Sünde wendet er sich an sein großes Du. Es scheint paradox: Obwohl er weiß, dass Gott die Sünde hasst, wendet sich der Beter vertrauensvoll seinem Gott zu und sucht er seine Hilfe. Gott, der die Sünde hasst, liebt den Sünder – und vergibt ihm. Unverdientermaßen, aus lauter Gnade und Liebe trennt er die Sünde vom Sünder. Würde unser Gott Sündern ihre Sünde behalten und aufrechnen – niemand könnte vor Gott hintreten und bestehen. Seine Verzweiflung über die eigene Sünde macht den Beter kühn. Er wirft sich seinem Gott in die Arme: „Denn bei dir ist die Vergebung!“

An manchen Tagen haben wir den Eindruck, mit uns und mit Gott im Reinen zu sein. Aber dann gibt es Tage, da sind wir weder mit uns noch mit unsrem Herrn im Reinen. Tage, in denen das Gewissen drückt und unruhig macht. Zeiten großer seelischer Unruhe. Dann dürfen wir aus der Tiefe Gott anrufen, ihm sagen, was uns belastet, und um seine Vergebung bitten. „Barmherziger Herr, rechne mir meine Sünden nicht zu! Schenke mir deine Vergebung.“

Sie dürfen gewiss sein: Er erhört diese Bitte. Gott ist Sündern gnädig. Jesus Christus hat unsre Sünden übernommen und dafür mit seinem Leben bezahlt.

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