/ Wort zum Tag

Lukas 17,21

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

...man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.* *Luther übersetzte Vers 20b.21: "Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. . . sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch".

Lukas 17,21

Wie ist das eigentlich mit dem Reich Gottes? Ist es schon da? Und falls ja, wo? Oder steht es doch noch aus? Wann wäre es in diesem Fall zu erwarten? – Um diese Fragen haben Gläubige immer wieder gestritten, ohne zu einem abschliessenden Ergebnis zu kommen. Es gab auch immer wieder solche, die das Reich Gottes zu einem bestimmten Termin erwartet haben, zuletzt am 21. Dezember 2012. Sie wurden aber alle enttäuscht.

Jesus selbst hat seine Jünger im Unser-Vater gelehrt, um das Kommen des Gottesreiches zu bitten. Demnach war es zu seiner Zeit noch nicht da. Andererseits lesen wir im Wort zum heutigen Tag aus Lukas 17,21, dass Jesus gesagt hat: „Man wird auch nicht sagen: Siehe hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ Das, worum wir im 'Unser-Vater' bitten, wäre demnach doch schon da. Das Reich Gottes ist, obwohl erst im Kommen, doch schon mitten unter uns!? Wie ist das zu verstehen?

Diese Spannung ist beabsichtigt. Streng logisch lassen sich die zwei Aussagen zwar nicht harmonisieren. Dennoch gelten beide: Das Reich Gottes steht noch aus! Und: Das Reich Gottes ist schon da! Vielleicht verstehen wir es am besten so: In Jesu Leben, Sterben und Auferstehen hat das Reich Gottes angefangen; es hat zu wachsen begonnen. Seither wächst das Reich Gottes weiter – bis heute. Doch es ist immer noch nicht voll verwirklicht.

Die Spannung zwischen "noch nicht" und "schon jetzt" kann uns helfen, unser Leben im Angesicht Gottes in der Gegenwart zu leben. Wer nämlich zu sehr das gegenwärtige Reich Gottes betont, kann gefährdet sein, dieses Reich aus eigener Kraft bauen zu wollen. Wer umgekehrt nur das kommende, das jenseitige Reich Gottes, nur die Zukunft im Blick hat, könnte dazu verleitet werden, sich aus dieser Welt zurückzuziehen. Damit würde er dem Auftrag Jesu, sein Reich zu bauen, untreu werden.

Dass das Reich Gottes schon angebrochen, schon im Wachstum ist, bindet uns an die Realität. Nach dem Vorbild Jesu sind wir in seiner Nachfolge gehalten, uns für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit einzusetzen. Es liegt auch an uns, ob das Reich Gottes weiter wachsen kann. Umgekehrt bewahrt uns die Rede vom erst kommenden, noch ausstehenden Reich Gottes vor der Überheblichkeit, Gottes Reich selbst, ohne Gott, bauen zu wollen. Er hat uns wohl in die Welt gesandt mit dem Auftrag, an seinem Reich zu bauen. Doch das Gelingen liegt in seiner Hand.

Wir leben also tatsächlich in einer Spannung. Wir leben zwischen "schon jetzt" und "noch nicht", zwischen den Zeiten, zwischen Erde und Himmel, zwischen Verheissung und Erfüllung. Und so gross die Versuchung auch sein mag, es wäre grundsätzlich falsch, die Spannung nach der einen oder anderen Seite aufzulösen. Wir können Gottes Herrschaft nicht selbst verwirklichen und doch will er uns dazu brauchen, diese Herrschaft in die Tat umzusetzen. In allem, was wir in seinem Namen und Auftrag tun, ereignet sich schon hier und jetzt Gottes Reich. Und doch ist das, was Jesus sich darunter vorstellt, viel mehr, als wir jemals hinkriegen werden. Es wird noch viel mehr kommen. Wir gehen auf die Vollendung des Reiches Gottes zu, auf die Neuschöpfung von Himmel und Erde. Die Aussicht auf dieses Ziel hilft uns, die Kraft zu finden, schon heute gemäss dem Auftrag Christi zu leben.


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