/ Wort zum Tag

Hiob 9,4

Bibelvers

Gott ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat?

Hiob 9,4


„Womit habe ich das verdient?“ Angesichts einer schweren Krankheit oder anderer Schicksalsschläge fragt sich das auch heute so mancher. Menschen, die bisher ein ruhiges, ordentliches Leben geführt haben, meist ohne große Aufregungen. Die sich an Regeln und Gesetze halten und nie über die Stränge geschlagen haben. Und dann erreicht sie plötzlich eine Hiobsbotschaft nach der anderen: Die Diagnose Krebs. Der Sohn wird arbeitslos. Die Enkelin ist auf die schiefe Bahn geraten. Der geliebte Bruder stirbt überraschend. Hiobsbotschaften - genau das sind sie. Auch Hiob in der Bibel fragte: „Womit habe ich das verdient?“ Von klein auf hatte er es gelernt, hatte es andere gelehrt: So, wie ich handele, so wird Gott mich auch behandeln: belohnen oder bestrafen. Und bisher hatte das auch wunderbar funktioniert: Hiob hatte ein gottgefälliges Leben geführt, sich um die Armen gekümmert, die Gebote treu eingehalten. Und er war von Gott reich gesegnet worden. Als ihn dann die Schicksalsschläge treffen, fragt er: „Womit habe ich das verdient?“ Er erforscht sein Leben, zermartert sich das Hirn und findet - nichts. Ist Gott also ungerecht? Hiob zweifelt, er ist nahe am Verzweifeln.

Seine Freunde kommen, trauern und schweigen sieben Tage lang mit ihm. Doch dann können sie nicht mehr anders, sie reden lange und legen das Altbekannte nochmal dar: Gott weiß schon, warum er Hiob dies Leid geschickt hat. Hiob hat nur noch nicht lange genug nach seiner Schuld gesucht, irgendwo wird sie schon sitzen. Hat er nicht vielleicht doch einer fremden Frau begehrlich hinterher geguckt? Hat er nicht vielleicht doch zu wenig von seinem Reichtum abgegeben, um Armen zu helfen? Hat er nicht vielleicht doch einen Geschäftspartner betrogen? Hiob sagt: „Nein, nein, nein! Am liebsten,“ meint er, „am liebsten würde ich mit Gott vor Gericht gehen! Ich möchte ihm alles nochmal klar darlegen. Ich will mich verteidigen - das Recht steht doch jedem Angeklagten zu!“ Das Dumme ist nur, erkennt Hiob: „Gegen Gott habe ich keine Chance. Er ist ja Ankläger und Richter zugleich. Er sitzt am längeren Hebel.“ Hiob erkennt an, was er zu anderen Zeiten als Lob gesungen hat: „Gott ist weise und mächtig; wem ist’s je gelungen, der sich gegen ihn gestellt hat?“ (Hiob 9,4)

Das ist die Losung für heute. Ich finde, sie klingt sehr unterschiedlich, ob ich sie einfach so lese, oder im Zusammenhang mit der Hiobgeschichte höre. Hiob übrigens gibt sich letztlich nicht geschlagen. Ich erlebe es manchmal, dass Menschen den Schluss ziehen: An so einen Gott kann und will ich nicht mehr glauben. Wie Hiob aber versuche ich dann, darauf hinzuweisen: Ich habe in all dem Leid noch einen, an den ich mich wenden kann! Ich begreife nicht, wieso. Ich verstehe Gott und seine Wege oft nicht. Aber ich bin nicht allein damit. Und zum Glück auch nicht nur mit Menschen, die mich drängen, nach meiner Schuld an meinem Unglück zu suchen. Ich darf mein Leid, meine Klagen, mein Unverständnis herausschreien. Ich darf bei mir zu Hause oder wo auch immer ich gerade bin, Gott zur Rede stellen. „Gott, warum???“

Hiob hat schließlich eine Antwort bekommen. Gott stellt wiederum seine eigene Weisheit und Macht heraus. Hiob kann ihm nichts antworten. Hiob erkennt wieder neu: Es ist wahr, kein Mensch kann sich gegen Gott stellen, kann gegen Gott bestehen. Aber auch das andere ist wahr: Gott ist ein gnädiger Gott. Er wendet sich den Menschen zu. Er hört Gebet, auch Klagen und Verzweiflungsschreie. Manchmal geschieht es dann, wie bei Hiob, dass er das Leid wieder wendet. Doch auch da, wo die äußere Not bestehen bleibt, bleibt die Verheißung: Jedem, der sich zu ihm wendet, schenkt der weise und allmächtige Gott, der liebende und gütige Herrscher, Vergebung und Frieden.

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