/ Wort zum Tag

Lukas 6,43

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute Frucht trägt.

Lukas 6,43

O weh, bin ich etwa so ein schlechter Baum? Was für Früchte bringe ich denn?
So habe ich mich in den letzten Monaten gefragt. Ich habe nämlich meine Stelle in der Gemeinde gewechselt und bin nun in einem anderen Ort Pfarrerin. Ich habe zurückgeschaut und überlegt: Sind da Früchte gewachsen? Ich habe sozusagen nach dem „Erfolg“ gefragt. Und? Nun, es gab ein paar Gemeindekreise mehr. Wir haben schöne Gottesdienste miteinander gefeiert. Vieles hat wirklich Spaß gemacht, auch der Umgang mit Jugendlichen. Beziehungen sind gewachsen. Aber an normalen Sonntagen sind nur wenige Besucher in die Kirche gekommen - Jugendliche nur selten. Dass Menschen ihr Leben ganz Gott zur Verfügung stellten - das taten nur wenige. Ein Ehepaar aus einer Freikirche hat jahrelang in der Jugendarbeit mitgearbeitet – bis sie dann wieder gingen, weil der Erfolg ausblieb.

Ja, bin ich vielleicht so ein schlechter Baum, weil ich kaum Früchte sehe? Diese Frage hat mich schon umgetrieben! 
Aber Jesus geht es gar nicht darum, dass ich nun in Depressionen verfalle. Ich kann mich ja nicht ausreißen als Baum. Ich kann mir ja nicht zureden: „Nun bring schon Früchte, los!“ Was Jesus sagt, klingt zunächst so, wie wenn es halt gute Bäume gibt und halt auch schlechte. Manche Leute sagen, es gibt halt gute Menschen und es gibt auch böse. Ich habe es anders gelernt. Es gibt nur liebe Menschen und arme Menschen. Also, wenn einer böse ist, dann fehlt ihm etwas, dann ist er arm dran, aber er ist kein hoffnungsloser Fall. Auch er kann verändert werden. Und hat nicht Jesus unglaublich viel Hoffnung für Menschen? Hat er jemals zu einem gesagt: „Du bist halt so, da kann man nichts machen!“? Niemals! Jesus hatte so viel Hoffnung für angeblich „hoffnungslose Fälle“.

Bei den Bäumen ist es ja auch so. Es gibt keine schlechten Bäume. Es gibt verschiedene Sorten! Es gibt bei den Birnen die „Geißhirtle“, das sind kleine, süße Birnen, die aßen wir als Kinder gerne. Es gibt edle, große Williamschrist-Birnen und es gibt auch Mostbirnen. Die isst man lieber nicht vom Baum, sondern die sind für Most gut. Ob eine Birne gut schmeckt oder nicht, das liegt nicht nur an der Sorte. Das liegt vor allem am Boden - ob der gut ist. Das liegt an der Pflege - ob der Baum wild wuchert und nun viele kleine saure Birnen trägt oder ob er beschnitten wurde. Das liegt auch am Dünger, am Wasser, an der Sonne. Und es gibt Schädlinge, die dem Baum zusetzen. Es gibt Krankheiten.
Natürlich kann man einen Baum nur bedingt mit einem Menschen vergleichen, denn ein Baum muss alles über sich ergehen lassen. Ein Mensch kann ausweichen oder kann auch ganz andere Absichten haben.

Jesus redet im Zusammenhang mit diesem Ausspruch von den falschen Propheten, die so tun, wie wenn sie Schafe wären – Eigentum Gottes – aber in Wirklichkeit sind sie Wölfe. Sie haben nur ein Schaffell übergelegt und wollen in Wirklichkeit die Schafe fressen. Sie haben ganz andere Ziele. Sie täuschen bewusst andere.
Worum geht es mir? Will ich beim Glauben nur etwas für mich rausholen? Ja, ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich Jesus sozusagen „benutze“ für mich. Ich bete, damit ich meine Aufgaben hinkriege, damit ich glücklich werde, damit ich Erfolg habe. Manchmal wird es bei mir so schief. O weh, dann wird Jesus sozusagen mein Werkzeug, statt dass er mein Herr ist. Nein, vor den Aufgaben kommt die Hingabe! Dass ich mich Jesus anvertraue, ihn darum bitte, mich zu „pflegen“; dass ich frage: „Herr, was willst du?“

Muss ich denn die Früchte sehen, die ich erziele? Es ist wichtiger, dass ich seinen Willen tue, also bete, dass ich das Rechte tue und dann losgehe, im Vertrauen, dass da schon das Richtige und Gute bei raus kommt. Ich will heute in Jesu Pflege bleiben.
 


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