/ Wort zum Tag

Lukas 11,9

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan."

Lukas 11,9

Das ist ja einfach. Jede Bitte wird erhört, jede Suche hat Erfolg, jede Tür geht auf. Wie schön. Ich kenne diesen Vers: "Christus spricht: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan."(Lukas 11,9) schon aus dem Kindergottesdienst, und damals habe ich ihn so verstanden. Ich weiß noch, wie ich dachte: Oh, das wird ein schönes Leben, wenn alles so einfach ist!
Aber es ist zu schön, um wahr zu sein. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es nicht so ist. Ich habe schon vieles nicht bekommen, um das ich gebeten habe. Ich habe schon oft gesucht und das Gesuchte nirgends gefunden. Und so manche Tür ist schon verschlossen geblieben, so sehr ich auch dagegen angerannt bin. So einfach kann das alles nicht gemeint sein. Aber wie denn dann? Was will Jesus mit diesem Vers sagen?
Nun, dieser Vers ist ja Teil einer längeren Rede von Jesus, und vor und nach diesem Vers spricht Jesus darüber, wie die Beziehung zwischen einem Glaubenden und Gott aussieht. Da heißt es, dass Gott wie ein guter Freund ist, der auch mitten in der Nacht aufsteht, wenn ich bei ihm Sturm klingle. Und dass er wie ein Vater ist, der mit mir keine üblen Scherze macht, wenn ich Hunger habe. Sondern er gibt mir, was ich brauche.
Ich glaube, so komme ich der Sache näher. Ich muss diesen Vers in dem Zusammenhang sehen, wie ich zu Gott stehe. Da ist nichts Mechanisches – kein „Gebet rein, Erhörung raus“ - darum geht es hier gar nicht. Das Wesentliche in diesem Vers ist gar nicht das Erhalten, das Finden und das Auftun, sondern das Bitten, das Suchen und das Anklopfen. Es geht in erster Linie darum, wie ich mich zu Gott verhalte. Traue ich mich überhaupt, ihn zu bitten, bei ihm zu suchen und bei ihm anzuklopfen? Glaube ich überhaupt, dass das einen Sinn hat und dass ich damit etwas bewirken kann? Das ist die entscheidende Frage, um die es in diesem Vers geht. Nicht, was am Ende herauskommt, sondern ob ich überhaupt erst anfange zu bitten, zu suchen und anzuklopfen.
Dabei fällt mir noch etwas anderes auf. Hier steht ja gar nicht, dass ich genau das bekomme, worum ich bitte, dass ich genau das finde, was ich suche, und dass genau die Türen aufgehen, an die ich anklopfe. Das muss ja gar nicht sein. Dann kann es ja auch sein, dass sich meine Bitten ganz anders erfüllen als gedacht. Nun ja, das ist manchmal enttäuschend, das schon, aber – ist das wirklich schlimm? Wenn Gott wirklich so viel größer ist als ich, wenn er einen so viel weiteren Horizont hat als ich, wenn er so viel mehr Möglichkeiten hat zu handeln, als mir je einfallen würden, und vor allem: wenn er mich so viel mehr liebt, als ich es je erfahren habe – ist es dann wirklich ein Problem, wenn er meine Gebete anders erhört, als ich dachte? Kann ich dann nicht einfach nur gewinnen, wenn ich mich mit meinen Bitten an ihn wende und ihm vertraue, dass er mir das Beste gibt, was er für mich im Sinn hat?

Und hat es nicht auch oft schon sein Gutes gehabt, dass ich das, was ich mir wünschte, nicht bekommen habe? Wo wäre ich denn heute, wenn immer alles so eingetroffen wäre, wie ich es mir gewünscht hatte? Ich mag es mir gar nicht ausmalen … Im besten Fall wäre ich jedenfalls nicht weiter gekommen als bis zu meinem eigenen begrenzten Horizont.
Und genau da möchte ich nicht steckenbleiben. Wirklich nicht. Ich habe die Möglichkeit, mich an den zu wenden, der über allem Leben, über allen Plänen und über der ganzen Welt steht. Ich darf ihn bitten, ich darf suchen, ich darf bei ihm Sturm klingeln. Und er wird darauf antworten und handeln. Irgendwie.

 


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