/ Wort zum Tag

Psalm 69,6

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen.

Psalm 69,6

„Was ist los? Was ist passiert? Warum so verzweifelt?“ Wenn es möglich wäre, würde ich das David fragen und ergänzen: „Du bist doch ein Mann Gottes, einer, den sich Gott für eine wichtige Aufgabe berufen hat! Was soll also dieses schreckliche Klagen?“ Es klingt nicht gut, was David da mitteilt (Psalm 69,6): „Gott, du kennst meine Torheit, und meine Schuld ist dir nicht verborgen!“ Überhaupt, der ganze Psalm 69 ist ein einziger Aufschrei. Da ist einer total am Ende, vollkommen verzweifelt.
Aber irgendwie stimmt das schon. Es gibt auf dieser Erde keinen Menschen, der immer nur fröhlich ist. Wie es Tag und Nacht wird, so wechseln auch in unserem Gefühlsleben Höhen und Tiefen, Freude und Traurigkeit. Das ist normal – selbst für Christen!
Aber hier bei David scheint die Traurigkeit tiefer zu sitzen. Das hier ist nicht nur eine Gefühlsschwankung, die irgendwann wieder vorübergehen wird. Das hier ist schon eine regelrechte Krise. Was immer den Anlass dafür gegeben hat, David nennt es nicht. Das muss er auch nicht gegenüber anderen Menschen. Er weiß, dass Gott das alles weiß. Betroffen macht aber, wie David bezeichnet, was ihn verzweifeln lässt: „Meine Torheit – meine Schuld!“
Torheit, das ist fehlende Einsicht und Vernunft. Sich gegenüber Gott töricht zu verhalten, dahinter steckt Auflehnung gegen Gott. Das ist ein ganz bewusstes Ablehnen von dem, was Gott will. Daraus entsteht Schuld gegenüber Gott. Und das ist Sünde.
Was immer David getan hat, er erkennt plötzlich: Es war nicht gut! Es ist töricht und dumm! Und das treibt ihn um, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Manchmal sind es auch Gedanken an früheres Fehlverhalten, die einen urplötzlich überfallen und fertig machen wollen. Das muss nicht unbedingt Sünde gegen Gott gewesen sein. Das passiert auch zwischen uns Menschen. Sich dumm oder töricht gegenüber dem Nächsten zu verhalten geht so schnell: Ein unbedachtes Wort, eine vorlaute Bemerkung. Ein ablehnender Blick, eine unschöne Geste. Das alles kann sich dann noch sehr schnell steigern: Wut kriecht in mir hoch, weil der andere so uneinsichtig ist, so stur köpfig. Und dann setzt es harte Worte, Worte die verletzen. Das kann aber auch Lüge sein, mit der ich mich aus unbequemer Fragerei zu retten versuche. Das kann schlechte Phantasie sein, die mir in bestimmten Situationen durch den Kopf schießt. Das kann so vieles sein!
Wenn die Gefühlswallungen abgeebbt sind, wenn Zeit darüber gegangen ist, wenn ich allein bin, dann greifen sie an, diese Schuldgedanken. Und es weicht die Freude und verschwindet der Friede aus meinem Leben. Am Schluss bleibt dann tatsächlich nur noch das Geständnis gegenüber Gott: „Herr, du kennst meine Torheit. Meine Schuld ist dir nicht verborgen!“
Bleibt noch zu fragen: Ist diese Erkenntnis auch schon ein Eingeständnis? Und was bringt es, wenn ich das so Gott gegenüber im Gebet nenne?
Als Christ ist Gott mein Vater und ich bin sein Kind. Es ist gut, dem himmlischen Vater alles zu klagen, was mich bedrückt. Das verschafft Luft. Das lässt mich wieder aufatmen. Das befreit, weil mein Vater im Himmel die Macht und den Willen hat, mir meine Torheit und Schuld zu vergeben. Also, nicht mehr länger warten, sondern es so wie David machen und alles bei Gott ausweinen. Er ermöglicht dann wieder einen Neustart. Er bringt die Freude ins Leben zurück und er schenkt wieder seinen Frieden ins Herz. Von Gott vergebene Torheit und Schuld hat keinen Anspruch mehr auf mich. Sie ist weg, aus und vorbei – eben vollkommen vergeben!
 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren