/ Wort zum Tag

1. Petrus 1,8.9-10

Bibelvers

„Jesus Christus liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt. So erreicht ihr das Ziel eures Glaubens: das Heil eurer Seele. Nach diesem Heil haben die Propheten, die von der Gnade, die euch zuteil werden sollte, kündeten, gesucht und geforscht“

1. Petrus 1,8.9-10

Der Pfarrer in einem kleinen französischen Fischerdorf beobachtet es genau: Jeden Tag um 17 Uhr geht ein Mann aus seiner Gemeinde in die Kirche. Dort bleibt er genau eine halbe Stunde. So geht das Tag für Tag.

Das macht den Pfarrer neugierig: Was tut er dort? Eines Tages geht er hinterher und versteckt sich hinter einer Säule. Er sieht, wie der Mann still vor dem Kruzifix kniet. Nach einer halben Stunde ist er wieder draußen. Der Pfarrer eilt hinter ihm her und spricht ihn an: "Was tust du da jeden Tag?" Der Mann gibt verdutzt zurück: "Er sieht mich an, und ich sehe ihn an".

Damit markiert dieser Mann die Mitte unseres Glaubens. Er bringt auf den Punkt, was Christsein ausmacht: mit Jesus persönlich verbunden sein. Er gehört zu uns und wir zu ihm. Durch Taufe und Glauben sind wir eng mit Jesus verzahnt. Inniger geht's nicht. Denn Glauben ist in seinem Kern ein Liebesverhältnis: Jesus liebt uns, und wir lieben ihn. Er schaut uns an, und wir blicken zu ihm. Er denkt an uns, und wir denken an ihn. Dieses innige Verhältnis der Liebe ist geradezu Markenzeichen des christlichen Glaubens. Wenn Jesus auf uns zukommt, beginnt eine Liebesgeschichte hinüber und herüber. Zwar sehen wir Jesus nicht, stellt Petrus im Bibelwort für den heutigen Tag fest, aber wir haben ihn lieb.

Petrus selber wurde ja eines Tages von Jesus direkt gefragt: „Hast du mich lieb?“ Es kommt Jesus auf die Liebe an, die wir zu ihm empfinden. Leider kann unser Verhältnis zu ihm auch eher distanziert und unterkühlt ausfallen. Es kann eine Art berechnende Geschäftsbeziehung sein: Wir geben Jesus unser Opfer und unseren Gehorsam. Und wir erwarten, dass dann hoffentlich die Gebete erhört werden, die wir an ihn richten.

Unser Verhältnis zu Jesus kann sich auch auf bloß geistig-moralischer Ebene abspielen: Jesus ist uns das Höchste. Wir verehren ihn. Wir achten und respektieren seine Werte und Maßstäbe. Jesus wird zu unserem Ideal.

Alles gut und schön. Doch unser Bibelwort für den heutigen Tag entfaltet, was unser Verhältnis zu Jesus im Kern sein will: eine Beziehung der Liebe, innig und herzlich. So weiß es nicht nur Petrus. So besingt es auch Johann Sebastian Bach in einer Kantate: „Ich liebe Jesus alle Stund, ach, wen sollt ich sonst lieben?“. Und Nikolaus Graf von Zinzendorf dichtet in barocker Sprache: „Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu!“

Können wir das unbefangen und schlicht sagen: „Ich liebe Jesus?“, oder bleibt uns das in der Kehle stecken, weil es uns überzogen und unpassend erscheint? 

In unserer Liebe zu Jesus werden wir aufblühen. Wir staunen über unseren Herrn und Heiland. Und wir werden selber darüber glücklich. Denn wer geliebt wird und wer liebt, der empfindet sein Leben als sinnvoll. Der freut sich über jeden neuen Tag.

So erreichen wir, wie es in unserem Bibelwort heißt, „das Ziel unseres Glaubens: der Seelen Seligkeit“. Wir werden, so heißt es wörtlich, gerettet aus unserem Leben ohne Gott. Endlich sind wir da, wo wir nach Gottes Willen hingehören: bei Jesus, im Frieden mit Gott. Im Alten Testament hat man dergleichen gesucht, aber die Propheten haben es nur geahnt. Doch bei Jesus sind wir an der richtigen Adresse. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und uns kennt keine Auszeit, kein Ende. Sie mündet dort ein, wo wir Jesus endlich sehen werden, wie er ist. Dann kommt die Liebe ans Ziel.
 

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