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1. Korinther 1,28

Bibelvers

...und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist,

1. Korinther 1,28

Der Apostel Paulus schreibt seinen Mitchristen in Korinth: „Das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichtemache , was etwas ist“ (1. Kor 1,28).

Ist das die Antwort auf die Frage: Wen hat Gott berufen? Der Briefzusammenhang macht die Aussage des Paulus noch deutlicher: „Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; … damit sich kein Mensch vor Gott rühme“ (1. Kor 1, 26-29).

Es ist geradezu erstaunlich, dass ein so hochbegabter Mann wie der Paulus so etwas schreibt. Wie kann einer mit einer so umfassenden Bildung zu solch einer Aussage kommen.

Doch ich habe mich auch sofort gefragt, ob ich nicht manches Mal ähnlich gedacht habe beim Anblick irgendeiner christlichen Gemeinde vor Ort, dass ich mir gesagt habe: An dieser Gemeinde ist aber auch gar nichts Attraktives dran. Was versammeln sich hier für seltsame Leute?

Der Philosoph und Christenverächter Friedrich Nietzsche mokierte sich über den „Armeleutegeruch“ der Christen.

Und wenn man diese Worte des Paulus liest, fragt man sich: Wie soll ich mit solchen Menschen für den christlichen Glauben werben? Ich will doch, wenn ich Leute für Jesus gewinnen will, sie in eine gute Gesellschaft einladen. Kann ich für einen Herrn werben, der die Geringen und Verachteten zu sich gerufen hat?

Doch wenn ich genauer darüber nachdenke, kann mir aufgehen, wie gut es ist, dass es in dieser Welt einen Ort der Begegnung gibt, an dem keiner zuerst gefragt wird: Was kannst du? Wie viel verdienst du? Was leistest du? Nur wenn du diese Fragen positiv beantwortest, kannst Du zu uns kommen.

Wie gut, dass es in dieser Welt einen Ort der Begegnung gibt, wo Menschen ganz andere Fragen gestellt werden. Kennst du deine Schwächen und Grenzen? Stehst du zu ihnen? Was bedeuten dir andere Menschen?

Hinter diesen Fragen steckt der Wunsch Gottes, dass er alle Menschen will, in der Gemeinschaft bei sich haben will. Darum fragt Gott nicht, was einer kann oder was er im Leben zu Tage gebracht hat, wo er wohnt, welches Auto er fährt oder wie er sich kleidet. Nein, durch Jesus Christus hat Gott deutlich gemacht, dass er weiß, was für ein armseliges Wesen der Mensch ist und wie sehr er seine Liebe braucht. Darum lädt er uns Menschen ein in die Gemeinschaft mit ihm. Alle Menschen lädt er ein. Das ist die frohe Botschaft: Gott will alle.

Also nicht nur Arme, sondern auch Reiche. Nicht nur Gebildete, sondern auch weniger Gebildete. Nicht nur Starke, sondern auch Schwache. Wobei Gott auch die Reichen und die Starken und die Klugen braucht, um sein Werk mit voranzutreiben.

Insofern muss man aufpassen, dass man nicht sagt: meine mangelnde Bildung, meine Unzulänglichkeit oder die Kleinkariertheit meiner christlichen Gemeinde vor Ort ist gerade ein Zeichen dafür, dass Gott mich bzw. uns berufen hat.

Nein, es gibt keine feste Regel, für wen es leichter ist, das Evangelium zu hören und an Jesus Christus zu glauben. Vor Gott kommt es nur darauf an, dass jeder Christ seine Möglichkeiten dazu nutzt, das Leben für andere und für sich sinnvoll zu gestalten.
Ich lebe nicht, weil ich ansehnlich bin, sondern weil ich angesehen bin vom Blick der Güte Gottes.

Wenn das geschieht, dass diese ganz unterschiedlichen Menschen zusammenkommen und zusammenbleiben und sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen, dann ist in der Gemeinde eine Atmosphäre, in der sich arbeiten lässt und in der sie für andere, für Außenstehende hochattraktiv ist. Bei alledem wird dann der geehrt, der den Ruhm wirklich verdient hat: Gott, der Vater Jesu Christi.
 

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