/ Wort zum Tag

Markus 1,17-18

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

„Jesus sprach zu Simon und Andreas: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.“

Markus 1,17-18

„Folgt mir nach!“ Das sind nur drei Worte. Aber ungeheuer wirkungsvoll. Und mit welcher Autorität gesprochen! Da gibt es kein Überlegen, kein Zögern, kein Diskutieren. Als Jesus an diesem Tag am Ufer des Sees Genezaret steht und zu diesen beiden Fischern diese Worte spricht, da verlassen sie ihre Boote, ihren Beruf und ihre Verwandtschaft und leben fortan mit Jesus zusammen. Sie spüren, dass es zu diesem Ruf in die Nachfolge keine wirkliche Alternative gibt. Diesen Ruf zu ignorieren hieße das Leben verpassen. Dieser Ruf ändert alles. Egal, wie sie sich entscheiden würden – es würde hinterher nie mehr so sein wie vorher. Es gab nur noch die Wahl zwischen Fischer – und Menschenfischer. Das alte Leben oder das neue Leben.

Diese beiden Brüder, erfahrene jüdische Männer, kannten ihre Bibel. Das Bildwort vom Menschenfischer war keine spontane Erfindung von Jesus. Es handelt sich um eine deutliche Anspielung auf den Propheten Jeremia, Kap. 16. Jeremia hatte dem Volk Israel 600 Jahre zuvor das Gericht angekündigt, das bald danach auch gekommen war: Das Volk wurde von den Babyloniern weggefangen und gleichsam weggefischt ins Exil. Wie Fische in den Netzen, so wurden die Israeliten nach Babylon verschleppt. Aber das war nicht alles, was Jeremia zu sagen hatte: Er kündigte auch an, dass Gott selbst sein Volk wieder zurückholen würde aus der Gefangenschaft. Er würde sie dort sammeln, wie man Fische ins Netz sammelt. Er würde sie zurückbringen in ihr Land. In der Zeit nach dem Babylonischen Exil wurde das Bild vom Menschenfischen ein Heilsbild für die messianische Zukunft. Denn es waren zwar etliche Menschen tatsächlich zurückgekehrt aus der Gefangenschaft. Aber die Heilszeit war noch nicht angebrochen. Die großartigen Visionen der Gottesherrschaft hatten sich noch nicht erfüllt. Man wartete darauf. Vor allem in einer Zeit, wo die Juden von den Römern unterdrückt wurden und im eigenen Land wie Gefangene behandelt wurden. Es konnte täglich so weit sein, dass Gott sein Volk befreien würde. Dass der Messias kommt und seine Herrschaft aufrichtet.

Als Jesus zu den beiden Fischern am See kommt, spricht er zu ihnen: „Folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen.“ Das schlug ein. Alles war sofort klar. Simon und Andreas verstanden: Jetzt richtet Gott seine Herrschaft auf. Gott selbst beruft uns zu Mitarbeitern des göttlichen Retters. Wir dürfen mithelfen, die Menschen zu befreien aus ihren Bindungen, sie sammeln und hineinfischen in das Reich Gottes. Eine größere Berufung gibt es nicht. Diese Berufung zu verpassen, hieße alles zu verpassen. Das Reich Gottes brach an. Die Herrschaft Gottes wurde sichtbar – wie könnte man da auf den alten  Booten mit den alten Netzen die gleichen alten Handgriffe verrichten und das alte Leben weiterleben?

Das Wort „Menschenfischer“ hat für uns heute oft einen faden Beigeschmack: Da sollen Menschen, denen es eigentlich gut geht, sollen durch zweifelhafte Tricks eingefangen und zu Spendern und Anhängern einer Psychosekte oder Kirche gemacht werden. Das ursprüngliche Bildwort Jesu spricht eine andere Sprache: Gefangene sollen befreit werden. Menschen müssen aus ihrem tödlichen Alltagstrott herausgefischt werden. Die Menschenfischer des Messias konfrontieren die Menschen durch Wort und Tat mit der Realität des anbrechenden Reiches Gottes. Neues Leben ist möglich; neue Spielregeln gelten für das Zusammenleben; neue Kräfte werden freigesetzt; neue Vergebung wird gewährt; neue Gemeinschaft entsteht; neue Hoffnung wird lebendig.

Nachfolger von Jesus – das sind nicht die Leute mit dem Gesangbuch unter dem Arm, die sonntags in die Kirche gehen. Das vielleicht auch. Aber es geht um vielmehr: Nachfolger von Jesus verschreiben sich mit Haut und Haaren der Realität des Reiches Gottes: „Vater unser im Himmel. Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Wir wollen uns gebrauchen lassen, damit das heute und hier geschieht. Wir verlassen unsere Netze und folgen Jesus nach. Zeige uns, Herr, was das heute bedeutet.“
 


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