/ Wort zum Tag

Markus 12,17

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

"Jesus sprach: Gebt Gott, was Gottes ist!"

Markus 12,17

„My country - Right or wrong!“ - „Recht oder Unrecht – es ist mein Vaterland!“ So lautet ein geflügeltes Wort amerikanischer Patrioten – unbedingte Loyalität gegenüber dem Vaterland! Meine Generation hat in Deutschland hingegen Schwierigkeiten, das Wort „Vaterland“ überhaupt nur zu benutzen. Ich würde mich bestenfalls einen Verfassungspatrioten nennen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, „die Geschlechter sind gleichberechtigt“. Presse- Meinungs- und Religionsfreiheit – diesen Grundsätzen bin ich verpflichtet.
Wem gehört meine letzte Loyalität? Aus dieser Frage basteln die Gegner von Jesus eine geniale Fangfrage! – „Sollen wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen oder nicht?“ Hätte Jesus damals gesagt: „Ja, zahlt ihm Steuern!“ – Dann hätte er die Herrschaft des heidnischen, römischen Kaisers über Israel akzeptiert. Aber war Jesus nicht gerade angetreten, die Herrschaft Gottes durchzusetzen? Wie konnte er da die römische Gewaltherrschaft akzeptieren? Jesus konnte nicht zur Loyalität gegenüber dem römischen Kaiser aufrufen - hätte er es getan, wäre er erledigt gewesen.
Hätte Jesus nun aber gesagt: „Nein! Zahlt dem Kaiser keine Steuern“ – dann hätte er zwar das Volk auf seiner Seite gehabt, hätte zur Loyalität allein dem Gesetz Gottes gegenüber aufgerufen – und hätte die Revolution ausgerufen. Und dann hätte man ihn erfolgreich vor den römischen Behörden anzeigen können. Und Jesus wäre erledigt gewesen.

Eine geniale Fangfrage. Eine zehnmal genialere Antwort. „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“. Damit spielt Jesus an den Kampfruf der Makkabäer an, der jüdischen Freiheitskämpfer, die zu seinen Lebzeiten bereits Legenden geworden waren: „zahlt den Heiden heim, was sie verdient haben; und haltet fest am Gesetz!“ – nachzulesen in 1. Makk 2,68. Jesus nimmt den Spruch auf, und gibt beiden Teilen eine neue Bedeutung: Wenn der römische Kaiser, der sich als Gott verehren lässt, sein Abbild auf diese Münzen prägen lässt – dann zahlt sie ihm heim! Belastet euch nicht damit! Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – aber auch nicht mehr.
Das heißt für mich: Ich will mich nicht mit Dingen belasten, die die Stelle Gottes einnehmen wollen. Und da stehen heute Geld, Karriere und Auto ziemlich hoch im Kurs.

Es gab mal eine Zeit, da hat in Deutschland der Staat die Stelle Gottes einnehmen wollen. Die NS Zeit. Deswegen hat die Bekennende Kirche 1934 in der Barmer Theologischen Erklärung dem „totalen Staat“ eine klare Absage erteilt: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat … die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden“. Kann ich dasselbe nicht nur vom Staat, sondern von allem sagen, was die Stelle Gottes einnehmen will? „Die Arbeit darf nicht die einzige und totale Ordnung meines Lebens werden!“? – „Die Familie darf nicht die einzige und totale Ordnung meines Lebens werden!“?
„Und gebt Gott, was Gottes ist.“ – Auf der Münze ist das Ebenbild des römischen Kaisers. Jesus sagt: „Genauso seid ihr das Ebenbild Gottes. Gebt dem Kaiser sein Geld – und Gott euer Leben.“ Als Gottes Ebenbild soll ich seine Herrschaft zur Geltung bringen. Dem soll mein ganzes Leben gewidmet sein! Gebt Gott, was Gottes ist! Wow!
Das heißt übrigens gerade nicht, dass ich sauber trenne: auf der einen Seite diese Welt und die Politik - und damit sollten Christen nichts zu tun haben,  und auf der anderen Seite das Reich Gottes – also die Kirche oder Gemeinde, und irgendwann den Himmel. Dieser Bibelvers wurde oft so verstanden, als hätten beide Bereiche nichts miteinander zu tun.
Nein! Wenn ich als Ebenbild Gottes Gott geben soll, „was Gottes ist“ – dann ist diese ganze Welt sein Eigentum! Und Jesus ist gekommen, Gottes Herrschaft über die ganze Welt auszurufen. Ihm gehört meine letzte Loyalität! Und keinem anderen! Und wem haben Sie sich verpflichtet?
 


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