/ Wort zum Tag

2. Korinther 4,18

Bibelvers

„Was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

2. Korinther 4,18

„Was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“ (2. Korinther 4,18)
Der Bibelvers stammt aus dem sogenannten Tränenbrief. Viel musste der Apostel Paulus an seiner geliebten Gemeinde in Korinth leiden. Parteiungen drohten die Gemeinschaft zu sprengen, Unsicherheiten im Sittlichen führten zu Rissen in der Gemeinde und verschiedene Frömmigkeitsformen wurden Anlass zum Streit. Dazu kamen noch Beschwerden aus der Gemeinde, dass Paulus einen versprochenen Besuch absagen musste. Das legten ihm seine Gegner als Feigheit aus.
Und wenn das nicht genug gewesen wäre, so musste er Rückschläge auch in anderen Gemeinden hinnehmen. Er spricht daher von seinen Trübsalen und Bedrängnissen, die ihm das Leben schwer machen. Wer kennt nicht auch solche Stunden, in denen Widerstände, Streit und Misserfolge das Leben belasten? Müde könnte jemand werden, resigniert und ausgebrannt. Doch nicht so der Apostel. Nein, kurz zuvor sagt er: „Wir werden nicht müde!“
Was gibt ihm solche Kraft? Eine tiefe Einsicht, die sich in unserem Gotteswort in knappen, treffenden Worten verdichtet. „Was sichtbar ist, ist zeitlich!“ – Normalerweise denken wir nicht an das Zeitliche, weil das Sichtbare mit seinen angenehmen Seiten uns so in Beschlag nimmt: Dieser schöne Urlaubstag erfüllt mich ganz. Mein neues Auto – jedes Mal, wenn ich hineinsteige, durchrieselt mich ein Glücksgefühl. Die blühende Familie – wie sehr genieße ich das Glück.
Doch schon bald ist es so, dass mir das Zeitliche bewusst wird und mich traurig macht: Viel zu schnell ist der Urlaub vorbei. Und irgendwann ist mein neues Auto auch nicht mehr neu. Die blühende Familie – auch in ihr gibt es Streit und Unglück. Ach, gäbe es doch das Zeitliche nicht, das uns alles Schöne und Beglückende nehmen wird!
So könnten wir sinnieren. Doch Paulus hat genau den gegenteiligen Gedanken. Bedrängend kann eben dasselbe Leben sein. Ich weiß beispielsweise in meinem Leiden gar nicht mehr aus noch ein und zähle die Stunden, aber nichts ändert sich. Wenn ich mich dann im Unglück an das Zeitliche erinnerte, wüsste ich, dass auch diese dunklen Erfahrungen im Sichtbaren vorübergehen. Wie schlimm auch immer es kommt, es wird vergehen. Die Erinnerung an das Zeitliche wäre dann ein erster Trost.
Doch ist es nur ein schwacher Trost, wenn nicht die andere Einsicht des Paulus dazukäme: „Das Unsichtbare ist ewig!“ – In Worten Jesu: „Himmel und Erde - als sichtbare Wirklichkeiten – werden vergehen, aber meine Worte – als unsichtbare Wirklichkeit – werden nicht vergehen“. Gottes Güte bleibt immer und alle Zeit dieselbe. Auch wenn ich sie nicht sehe und spüre, so ist sie doch als unsichtbare Wirklichkeit gegenwärtig. So auch seine Liebe, sein Erbarmen und seine freundliche Zuwendung. Wie die Sonne, die unentwegt scheint, so ist seine Liebe. Zuweilen verborgen hinter dunklen Wolken, zuweilen sogar auf der anderen Erdhälfte, während bei uns Nacht ist. Aber ihr Licht und ihre Wärme strahlen ungebrochen – ein Gleichnis des Ewigen!
Inmitten der Bedrängnis und Trübsal gilt es also sich umzudrehen, die Augen von dem bedrängend Sichtbaren loszureißen und sich der unsichtbaren Herrlichkeit Gottes zuzuwenden. Das aber ist leichter gesagt als getan. Denn das Unsichtbare des Geistes ist blass gegen das Eindrückliche des Sichtbaren. Deswegen hat sich Gott in Jesus Christus in das Sichtbare herabgelassen, um uns hier in seiner ewigen Liebe zu begegnen. Was er in ihm begann, das will er durch seinen heiligen Geist in uns fortsetzen.
Wenn ich in seinem Geist heute ein freundliches Lächeln verschenke, einem betrübten Menschen den Arm um die Schulter lege, einen lange aufgeschobenen Anruf tätige – dann könnte es doch wieder passieren, dass im Sichtbaren das Unsichtbare begegnet: die Erfahrung der Güte und Liebe Gottes durch mich! Sie bleibt über die vergängliche Geste in Ewigkeit.
 

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