/ Wort zum Tag

Hesekiel 11,19-20

Bibelvers

Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Hesekiel 11,19-20

In einem alten Märchen von Wilhelm Hauff wird die Geschichte des armen Köhlers
Peter Munk berichtet. Der aufrichtige und gradlinige Mann hatte wegen seiner Armut
und auch Ehrlichkeit ein trostloses, elendes Leben durchzustehen. Eines Tages
kommt der Holländer - Michel, der ihm vom Reichtum und den Herrlichkeiten der
großen, weiten Welt erzählt, von all dem, was - wie er meint — ein Herz erfreuen
kann. Und so fällt sein Vorschlag, sein lebendiges Herz gegen eins aus Stein und
100.000 Gulden noch dazu umzuwechseln, bei dem treuherzigen Peter Munk auf
fruchtbaren Boden. „Weder Angst noch Schrecken, weder törichtes Mitleiden noch
anderer Jammer pocht solch ein Herz”, ist das heillose Versprechen, das ihm mit auf
den Weg gegeben wird. Der arme Köhler willigt in den Tausch ein, wird schon nach
kurzer Zeit reich, doch gleichzeitig hart und gewissenlos. Nur manchmal noch spürt
er die Öde, den Überdruss. Aber zunehmend mehr begreift der Köhler, was ihm
verlorengegangen ist. Ein Glasmännlein erfüllt ihm schließlich die tiefe, stets
wachsende Sehnsucht seines Lebens — Munk erhält sein altes Herz zurück und
begreift, dass aller Reichtum dieser Welt nichts ist gegen die innere Zufriedenheit,
gegenüber einem vor Gott reinem Herzen.
Heute geht es um ein altes Prophetenwort, das der Prophet Hesekiel den Verbannten in Babylon im Namen des lebendigen Gottes ausrichten darf. Gott lässt den Israeliten im selbstverschuldeten Exil die Botschaft überbringen „Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid. Ich will euch ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in euch geben. Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Leib und euch ein fleischernes Herz geben”. Etwas grundlegend Neues verspricht Gott den desillusionierten und hoffnungsarmen Menschen. Tief drinnen in ihrem Innern soll sich ein Wandel vollziehen.
In der Bibel ist das Herz das Zentrum des Willens und der Wünsche, der Gefühle und
Wahrnehmungen. Und da war bei den Israeliten nur Zweifel statt Hoffnung,
Mutlosigkeit statt Entschlossenheit, schärfer noch Eigensein statt Nächstenliebe,
Gefühlskälte, wo Dankbarkeit angesagt wäre, Unempfindlichkeit, wo das Leid
anderer auf das Mitleid des Menschen wartet, Kälte und Abgebrühtheit, wo Gottes
Wort ans Gewissen klopfte. Klar, dass sich solche Herzen wie schwere Steine
anfühlen. Steine, die hart sind, unempfänglich für Gottes werbende Stimme, von sich
aus unfähig zu einer wie auch immer sich vollziehenden Umkehr. Doch Gott selbst
stellt völlig Neues in Aussicht. Frieden und Freiheit, substantielle Erneuerung will
Gott seinem Volk schenken, für eine innere Heilung will er sorgen. Er will Totes
lebendig machen. Gott will, dass das Herz wieder am rechten Fleck sitzt. „lch will
das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leib und ihnen ein fleischernes Herz
schenken”. Das fleischerne Herz ist empfindsam und feinfühlig, verletzlich und
verwundbar, vor allem aber offen für Gottes Reden, empfänglich für seine Liebe und
Barmherzigkeit, fähig zu wollen, was Gott will. Doch dieses Herz kann nicht durch
einen Entschluss des Menschen gewonnen werden, es ist allein Geschenk Gottes.
„Mit unserer Macht ist nichts getan”, sagt uns unser Reformator Martin Luther mit
letzter Deutlichkeit. „Wir sind gar bald verloren”. Gott selbst aber verheißt den
Neuanfang, der von Ihm kommt: „Ich will einen neuen Geist in sie geben”, verkündigt
er durch den Mund des Propheten. Wozu wir von uns aus niemals fähig wären, das
schenkt Gott denen, die sich Ihm öffnen. Der schwedische Bischof Bo Giertz hat es
einmal in sehr drastischen Worten zum Ausdruck gebracht: „Einen Versöhner erwählt
man sich nicht, man schenkt ihm auch nicht sein Herz. Das Herz ist eine rostige
Blechbüchse auf einem Müllhaufen. Aber da kommt ein seltsamer Herr gegangen
und erbarmt sich der elenden Blechbüchse und liest sie aus dem Dreck auf und
nimmt sie mit nach Hause. So geht das zu”.
Das neue Herz - allein durch Gottes Gnade. Unter dem Kreuz Jesu darf ich es mir
schenken lassen, und es verändert, total. Gott sei’s gedankt.
 

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