/ Wort zum Tag

1. Mose 35,15

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Und Jakob nannte die Stätte, da Gott mit ihm geredet hatte, Bethel.

1. Mose 35,15

Was ein Haus zu einem Haus Gottes macht
Der biblische Patriarch Jakob hat einen Albtraum hinter sich: Seine Tochter Dina ist im neuen Ort, an den die Familie gezogen ist, im Ausgang vergewaltigt worden. Ihre Brüder wollen das nicht auf der Familie sitzen lassen. Sie metzeln die Bevölkerung der Stadt, in der das passiert ist, gnadenlos nieder. Jakob ist entsetzt. Ist dies das Ende der Verheißung Gottes, ihm und seinen Nachkommen dieses Land zu geben? Werden sich die Bewohner des Landes jetzt zusammentun und ihn und seine Familie auslöschen? Jakob steht mit dem Rücken zur Wand.
Was machen wir in einer Situation, in der alles auf dem Spiel steht? Wenn die Ehe bedroht ist oder zerbricht, das Band zu den Kindern zerreißt, die Arbeitsstelle verloren geht oder die befürchtete Diagnose eintrifft. Was tun wir, wenn es um alles oder nichts geht?
Was geschieht mit Jakob? An dieser Stelle meldet sich Gott. Er spricht zu Jakob. Das ist der Wendepunkt. Gott sieht, in welch verzweifelter Lage sich Jakob befindet. Er sieht auch uns an unseren Tiefpunkten und will mit uns reden. Und das kann die ganze Geschichte wenden!
Für Jakob ist das Reden Gottes ein Signal zu einer Klärung und Erneuerung seiner Beziehung zu Gott. Er räumt auf mit den fremden Göttern, die sich nach und nach in sein Haus eingeschlichen haben. Zusammen mit seiner Familie wechselt er die Kleider und setzt damit ein Zeichen der Umkehr und Reinigung. Er errichtet Gott einen Altar und sucht ihn wieder von ganzem Herzen. Jakob hat gemerkt: Das, was ihm das Ende schien, ist es für Gott noch lange nicht!
Ich erinnere mich an Zeiten, in denen mir alle Felle wegzuschwimmen drohten. Da habe ich auf ein Wort von Gott gewartet wie ein Verdurstender auf eine Quelle. Und wenn dann ein Wort kam – sei es beim Bibellesen, beim Hören von ERF-Sendungen, durch eine Liedzeile, einen Traum oder durch einen Mitchristen – dann war das die entscheidende Hilfe, die bei mir neues Vertrauen und neue Hoffnung hervorrief.
Bethel nannte Jakob den Ort, an dem Gott mit ihm geredet hatte. Bethel heißt ja: Haus Gottes. Ein Haus Gottes zeichnet sich nicht aus durch eine bestimmte Architektur oder eine sakrale Stimmung; auch nicht dadurch, dass darin eine korrekte oder perfekte Performance stattfindet oder ein bestimmter Stil gepflegt wird. Unsere Kirchen und Gemeindezentren werden zu Häusern Gottes, wenn Menschen hier die Stimme Gottes hören, die in ihre Lebenssituation hineinspricht.
Das Gebäude, in dem ich z.Zt. als Pastor arbeite, ist kein sakraler Bau. Es ist ein umgebautes Gewerbegebäude, mit mehreren Stockwerken, viel Platz für Kinder und Jugendliche und mit vielen Nebenräumen. Als sich ein Verwandter unser Gemeindehaus näher angesehen hatte, sagte er mit leicht ironischem Unterton: „Ich habe übrigens die Fabrik gesehen, in der du arbeitest.“ Er hatte wohl das Sakrale vermisst. Das war in seinen Augen keine Kirche. Aber ich empfand seine Reaktion als Kompliment: Die Kirche soll ein Haus sein, in dem mit und für Menschen gearbeitet wird. Vor allem aber soll die Kirche ein Haus sein, in dem Menschen hören, wie Gott zu ihnen redet, mitten in ihre Lebenssituation hinein. So wie es Jakob erfahren hat:
„Und Jakob nannte die Stätte, da Gott mit ihm geredet hatte, Haus Gottes.“


 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Cookies helfen uns, Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie unseren Datenschutz und Cookie Richtlinien sowie der Speicherung von Daten im Rahmen des EU-US Privacy Shield zu. Mehr erfahren