/ Wort zum Tag

Psalm 38,23

Bibelvers

Eile, mir beizustehen, HERR, du meine Hilfe!

Psalm 38,23

Das stelle ich mir ganz schrecklich vor: Da durchschreitet einer die dunkelsten Abgründe des Leidens. Nicht nur das. Er fühlt sich auch noch schuldig. Er ist der Überzeugung, dass seine Krankheit eine Strafe Gottes ist. Er weiß sich unter dem Zorn Gottes. Unauflösbar war für die Menschen zur Zeit des Alten Testaments der Zusammenhang von Schuld und Krankheit. Heute wissen wir Christen das seit dem Kommen Jesu besser, denn Jesus hat ganz klar deutlich gemacht: Nicht jeder, der krank ist, hat sich Gott oder Menschen gegenüber schuldig gemacht. Allerdings kann auch heute zu einer Krankheitsgeschichte eine vorausgehende Schuldgeschichte gehören. Doch die ist für den Kranken noch nicht alles. Hinzukommt, dass seine Freunde ihn verlassen haben und seine Nachbarn der Überzeugung sind, dass es ihm zu recht so schlecht geht.

 

Schlimmer kann es einen kaum treffen. Nicht nur krank, sondern auch noch schuldig. Nicht nur angefeindet, sondern in dieser Situation auch noch einsam. Dabei finde ich es erstaunlich, wie der Mann mit seiner Schuld umgeht. Er verdrängt sie nicht. Er macht nicht andere Menschen oder widrige Umstände dafür verantwortlich. Er nimmt die Schuld als seine eigene an. Schuld trennt. Schuld trennt von Gott und manchmal auch von Menschen. Sie lässt Menschen einsam werden. Das weiß dieser Mann.

Er ist erschöpft. Er kann nur noch stöhnen und schreien. Doch gerade das ist das Gute. Er verschweigt seine Not nicht. Er schreit sie hinaus, Gott entgegen. Er redet noch mit Gott. Doch er hadert nicht mit ihm. Er beugt sich unter ihn und erwartet alles von ihm.

Das ist sein Hoffnungsschimmer. Der Mann sagt: „Eile, mir beizustehen, Herr, du meine Hilfe“ (Ps 38,23). Er bittet, Gott möge ihn nicht verlassen. Ja, um schnelles Eingreifen bittet der Todkranke. Mitten in seiner Krise hofft er, dass Gott sein Flehen hört.

 

Wer schon einmal tief drin gesteckt hat in einer Krise (es muss gar nicht so schlimm gewesen sein wie bei diesem Mann) oder wer gerade im Moment nicht weiter weiß und kein Licht in der Zukunft sieht, der versteht oder erahnt zumindest, dass das, was hier nur wie ein kleiner Hoffnungsschimmer aussieht, schon sehr viel ist, nämlich zu wissen, da ist einer, der sieht mich. Nicht nur das. Er hört sogar mein Stöhnen und Schreien. Und dieser Eine ist nicht irgendwer. Es ist Gott. Dieser Mann erahnt, wenn einer mir Kraft geben kann in meiner Krise, Kraft, die mir wirklich weiterhilft, dann kann das kein Mensch sein. Dann muss diese Kraft von Gott selbst kommen.

Wer sich das in einer Krise bewusst macht und glauben kann, dass der allmächtige Gott ihn höchstpersönlich hört, der ist schon ein ganzes Stück weiter. Wohlverstanden, noch nicht am Ziel, noch nicht durch die Krise hindurch, aber nicht mehr so allein wie vorher. Er kann dann vielleicht im Bewusstsein dieses Gottes Schritt für Schritt in die nächsten Tage gehen und jeden Tag dieses alte Gebet sprechen:

 

„Gott, gib mir Kraft für einen Tag.

Herr, ich bitte nur für diesen,

dass mir werde zugewiesen,

was ich heute brauchen mag.

Amen.“

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