/ Wort zum Tag

Psalm 12,2

Bibelvers

Hilf, HERR! Die Heiligen haben abgenommen, und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.

Psalm 12,2

Im Psalm 12, Vers 2 steht: „Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und Gläubige sind wenige unter den Menschenkindern.“
Das stimmt, denke ich, die „Heiligen“, die „Christen“ werden immer weniger – zumindest in Westeuropa, so sagen es Untersuchungen. Die meisten Gemeinden und Kirchen in Europa werden zahlenmäßig kleiner. Der Einfluss von Christen und Kirchen auf Politik und Gesellschaft wird geringer. Der Esoterikmarkt boomt. Der Beter des 12. Psalms scheint unsere Situation vor Augen zu haben, wenn er betet: „Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und Gläubige sind wenige unter den Menschenkindern.“

Beim Nachdenken über dieses Gebet fallen mir dann allerdings auch Menschen ein, die einmal ganz engagiert waren für das Reich Gottes und für die  Gemeinde Jesu Christ. Wunderbare Leute, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe. Heute wollen sie mit Glauben und Gemeinde nichts mehr zu tun haben. Die Gründe, die sie angeben, sind in der Regel einsichtig und nachvollziehbar: erfahrene Verletzungen, Beschämungen, Heuchelei und Machtmissbrauch. All das und vieles mehr, was Gemeinschaft mit Gott und den Menschen zerbrechen lässt, findet sich in unseren christlichen Kirchen und Gemeinden. Irgendjemand hat diese Erfahrungen in einem Satz auf den Punkt gebracht: „Gegen Gott habe ich nichts, aber vieles gegen sein Bodenpersonal“.
Ich frage mich: Ist das auch ein wesentlicher Grund, weshalb Menschen aus den Gemeinden und aus dem Glauben an Jesus Christus aussteigen und es immer weniger „Heilige“ und „Christen“ unter uns gibt?

Ich schlage den Psalm 12 auf und lese den Zusammenhang. „Klage über die Macht der Bösen“ steht als Überschrift in der Lutherbibel über diesem Psalm. Ab Vers drei des Psalms lese ich, woran der Beter es festmacht, dass es nur noch wenige Heilige und Glaubende gibt: „Einer redet mit den anderen Lug und Trug, sie heucheln und reden aus zwiespältigem Herzen “ heißt es im Vers 3. Auch im weiteren Verlauf des Psalms geht es darum, was wir Menschen mit unserer Zunge bzw. mit unseren Worten anrichten können. Worte können verletzen, kränken, ins Gefängnis bringen und im Extremfall sogar töten. „Lügen zerstören Freundschaft.“ Das weiß der Volksmund. Lügen zerstören jede Beziehung.
Noch einmal zurück zur Klage des Psalmbeters: Kann es sein, dass Menschen dem Glauben und der Gemeinde den Rücken kehren, weil sie zu viel Heuchelei erlebt haben?
Am Sonntag ein frommer Christ und im Alltag ein rücksichtsloser Egozentriker. Ins Gesicht hinein wird geschmeichelt und hinter dem Rücken getratscht, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Wie viele Menschen haben christliche Gemeinden verlassen, weil sie mit Worten verletzt, beschämt, gedemütigt und ins Unrecht gesetzt wurden. Keiner war da, der für sie Partei ergriffen hat.
Auf diesem Hintergrund gelesen fordert der Psalmvers heraus, achtsamer mit unseren Worten umzugehen. Vertrauen und Gemeinschaft wachsen dort, wo auf mein Wort Verlass ist.
So wie Worte Böses anrichten können, so können sie auch Gutes bewirken. Worte können heilen, trösten und ermutigen.
Ich verstehe Psalm 12 als Aufgabe, achtsam mit meinen Worten umzugehen, damit ich mich durch mein Reden als jemand erweise, der zu Christus und damit zu den Heiligen gehört. Mein Gebet für heute lautet: Herr, hilf mir, richtige Worte für jeden zu finden, der mir heute begegnet.
 

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