/ Wort zum Tag

Psalm 17,15

Bibelvers

Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.

Psalm 17,15

Bei einem theologischen Studientag im Tübinger Albrecht-Bengel-Haus hielt einst der Mainzer Professor Beißer einen Vortrag. Das Thema war: „Die Hoffnung der Christen“. In der Aussprache gab es das übliche Hin- und Her- Plätschern. Bis sich der greise Professor Michel erhob und sagte: „Herr Kollege, das war alles ganz schön und richtig. Das Wichtigste jedoch haben Sie vergessen, nämlich was in Psalm 17,15 steht: ‚Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.‘“ Sagte es und setzte sich wieder. Das ist mir geblieben; vom Vortrag selbst weiß ich nichts mehr.

Es ist so schade, wenn sogar Christen diese Sehnsucht fremd ist: „Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ Ich kann nur wünschen, dass sie herausfinden aus ihrem fast blutleeren Glauben. Denn wer wirklich glaubt, der will auch sehen! Der will aus dem Glauben an Gott endlich dahin kommen, dass er Gottes Angesicht sehen kann. „Unser Herz ist unruhig in uns, bis es Ruhe findet, o Gott, in dir!

In der Bibel wird in großer Gewissheit gesagt: „Die Frommen werden sein Angesicht schauen.“ (Psalm 11, 7) Oder es heißt: „Du aber, Herr, stellst mich vor dein Angesicht für ewig.“ (Psalm 41,13) Noch bekannter ist das Psalmwort: „Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (Psalm 42, 3)

Johann Albrecht Bengel, einer der großen Theologen der Christenheit, fasste seine gespannte Erwartung in die Strophe: „... bis ich nach ausgestand’ner Prob in vollem Licht, zu Gottes Lob, die Gottes-Schau erlange!“ Die „Schau“ Gottes!

Ähnlich hat Peter Strauch getextet, unser Zeitgenosse und Glaubensgenosse: „Noch verbirgt die Dunkelheit das Licht, und noch sehen wir den Himmel nicht. Doch die Zeit der Schmerzen wird vergeh’n, und dann werden wir den Vater seh’n! Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht!

Wir werden „große Augen machen“, wenn wir einmal wirklich zum Schauen Gottes gelangen! Professor Otto von Procksch hat lebenslang an dem dicken Wälzer einer „Theologie des Alten Testamentes“ gearbeitet. Doch als „höchsten Punkt des ganzen Alten Testamentes“ hat er dies Psalmwort bezeichnet: „Ich will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde“ - ich will mich satt sehen an dir, Gott!

Das ist kein fieberheißer Wahn, das ist keine lebensfremde Träumerei! Vielmehr ist es eine Sehnsucht, die Gott selbst wecken will. Nämlich bei solchen Menschen, denen er schon unglaublich nahe gekommen ist in diesem Leben. Der Ulmer Arzt Dr. Siegfried Ernst war ein solchen Mensch. Leider wurde er sogar von vielen Glaubensgenossen nicht recht gewürdigt. Sie begriffen nicht, weshalb er sich geradezu sich so stark einsetzte für die Reinheit des Denkens und Lebens und gegen die Vergötzung der Sexualität. Doch das Geheimnis seines Lebens und Wirkens bestand jedoch darin, dass er gepackt war von dem Jesus-Wort: „Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen!“ Gott selbst ist doch darauf aus, Glaubende vor sein Angesicht stellen zu können. Sie sollen ihn „sehen von Angesicht zu Angesicht“ (1. Korinther 13, 12).

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