/ Wort zum Tag

Jesaja 58,1

Bibelvers

Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit.

Jesaja 58,1

Ein Mann stürzte von einer Klippe in eine tiefe Schlucht. Beim Absturz konnte er sich gerade noch an einem Zweig festhalten. Dort hing er über der dreihundert Meter tiefen Schlucht. Voller Angst sah er den winzigen Zweig, den riesigen Abgrund und spürte, wie seine Kräfte nachließen. In seiner Todesangst schrie er zu Gott. „Gott, wenn es dich gibt, rette mich, und ich will an dich glauben!“ Nach einer Weile hörte er eine mächtige Stimme durch die Schlucht dröhnen: „Das sagen alle Menschen, wenn sie in großer Not sind.“ „Nein, Gott“, rief der Mann. „Ich bin nicht wie die anderen, ich will wirklich an dich glauben; hilf mir doch bitte!“ „Gut, ich werde dich retten“, ertönte die Stimme. „Lass den Zweig los, ich werde dich auffangen und bewahren!“ „Den Zweig loslassen? Bin ich verrückt?“, schrie der verzweifelte Mann.

Bin ich verrückt? Jesaja bekommt von Gott den Auftrag seinem Volk Israel auch die Gefahr aufzuzeigen. Im Kapitel 58 des Buches Jesaja steht: „Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit.“ Soweit dieses Bibelwort. Um Euch steht es schlecht, sehr schlecht. Doch sie wiegen sich noch in Sicherheit. Dieser Vers beginnt mit der Ermutigung an Jesaja: „Rufe getrost, halte nicht an dich!“ Gott weiß um den schockierenden Auftrag. Es kommt nie gut an, dem anderen seine Verfehlungen aufzuzeigen.

Hier soll nicht vorsichtig, in Watte gewickelt, auf ein paar Ungereimtheiten hingewiesen werden. Die ganze Wucht der Dinglichkeit kommt auf den Punkt. Worin die ganze Schuld besteht, wird in den weiteren Versen ausgeführt. Doch schon dieser eine Satz gibt eine Menge Zündstoff. Damals war es die Zwiespältigkeit, wie die großen Gottesdienste gefeiert und dann im Alltag die Armen unterdrückt wurden. Wir sagen dazu heute „soziale Ungerechtigkeit“. Diese Schwierigkeiten sind wohl ein Dauerbrenner.

Die kleine Episode am Anfang beschönigt nichts. Der Mann hängt über dem Abgrund an einem dünnen Ast. Ihm wird es heiß und kalt in seiner misslichen Lage. Unsere Situation scheint noch nicht so dramatisch zu sein. Nur, trügt da nicht der Schein? Ist der vermeintliche Halt, den wir haben, nicht auch nur ein kleiner Ast, der schnell abzubrechen droht? Damals wie heute gibt es ja auch Menschen mit einer aufrichtigen Einstellung. Oft lassen sich genau die ansprechen, die sich schon um Gerechtigkeit bemühen. Nur, wer solche Worte wie die von Jesaja nicht hören will, wird in seinem Leben auch nichts verändern.

Jesaja bekommt den Auftrag dem Volk Gottes seine Abtrünnigkeit und Schuld bewusst zu machen. Jeder einzelne soll sich seiner Schuld bewusst werden und umkehren. Direkt und persönlich gegenüberstehend geht es wahrscheinlich viel mehr unter die Haut als unpersönlich über die Medien. Es gibt Entschuldigungen, sich selbst nicht verändern zu müssen. Doch das bringt uns nicht weiter, wenn wir, wenn ich mit meiner verkehrten Haltung nicht abstürzen möchte. Bei aller kollektiven Verantwortung, die es zu bedenken gilt, wird Schuld  individuell aufgeklärt, benannt und vergeben.

Mir hat einmal ein guter Freund einige Dinge gesagt, die ihm an mir aufgefallen sind. Das waren Verhaltensweisen, die nicht so gut waren. Ich danke ihm noch heute, dass er mir das gesagt hat. Als ich diese Zusammenhänge erkannte, konnte ich um Vergebung bitten und mein Verhalten ändern. Hätte er aus freundschaftlicher Nähe darauf verzichten sollen, mir auch unliebsame Dinge zu sagen?

Ich verstehe die Mahnungen Gottes aus dieser freundschaftlichen Haltung. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er will uns helfen, dass wir zu einer aufrichtigen und echten Lebenseinstellung kommen. Ich muss es nur zulassen, meine Schuld als solche auch einzugestehen. Gott will uns nicht über dem Abgrund hängen sehen. Viel lieber ist ihm, dass wir mit beiden Füßen auf dem Boden der Realität stehen.

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