/ Wort zum Tag

Jeremia 1,12

Bibelvers

Ich will wachen über meinem Wort, dass ich’s tue.

Jeremia 1,12

Es ist so eine Sache mit unseren Worten. Wir erleben eine regelrechte Inflation davon. Pausenlos schicken Sender Worte durch den Äther. Die schiere Menge der gesendeten, gedruckten und gesprochenen Worte verringert den Wert und das Gewicht des einzelnen Wortes. Das ist ja wie beim Geld: Wenn zu viel davon im Umlauf ist und wenn es nicht durch einen realen Gegenwert gedeckt ist, verliert es an Wert.

Wie ist das eigentlich bei Gott? Das heutige „Wort zum Tag“ aus Jeremia 1,12 lautet im Zusammenhang: „Und es geschah des HERRN Wort zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: ich sehe einen Mandelzweig. Und der HERR sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich’s tue.

Dieser Vers enthält ein Wortspiel. Im Wort „Mandelzweig“ steckt im Hebräischen das Wort „wachen“ – wie im Deutschen etwa im Wort „Wacholder“. Der Mandelbaum war der erste Baum, der im Frühling erwachte und blühte. „So“, sagt Gott, „will ich wachen über meinem Wort, dass ich’s tue.“

Mir fällt die Einzahl auf. Es heißt: „Über meinem Wort“, nicht: „über meinen Worten“. Gott geht es nicht um viele Worte, sondern um sein Wort. Sein Wort in der Bibel ist eine Einheit, etwas Zusammengehörendes; ein organisches Ganzes. Wie Jesus das Wort Gottes in Menschengestalt ist, so ist auch das Wort der Bibel ein organisches Ganzes. Es geht nicht nur um einzelne Worte, aus denen wir uns wie im Supermarkt die Worte aussuchen, die uns gefallen und zusagen. Es geht um das Wort als Ganzes. Bei allen Einzelstellen in der Bibel gilt es immer wieder, auf die Gesamtaussage zu hören. Wir sollen nicht so mit dem Wort umgehen, wie es der Versucher meisterhaft verstand und versteht. Er konnte ohne Weiteres sagen: „Es steht geschrieben!“ Aber Jesus ließ sich davon nicht beeindrucken. Er antwortete ihm darauf: „Es steht wiederum geschrieben…“ Um so reagieren zu können, braucht es den Heiligen Geist. Er hilft uns, das Ganze zu sehen. Wir können das Wort Gottes letztlich nur ganz oder gar nicht haben. Aus der isolierten Betonung einzelner Stellen sind schon viele Sonderlehren und Sekten entstanden.

Doch halt! Stimmt das überhaupt, dass Gott über seinem Wort wacht, um es zu erfüllen? Meine leibliche Schwester ist mit 34 Jahren an Krebs erkrankt. Ich rang mit Gott um ihr Leben. Und ich empfand in meiner Bibellese das folgende Wort als eine Zusage an mich: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht wird.“ Ich vertraute diesem Wort bis zuletzt. Und dann starb meine Schwester doch. Sie ließ ihren Mann und zwei kleine Kindern zurück! Ich konnte das nicht verstehen. Ich war mir der Zusage Gottes so gewiss gewesen. Als ich mich auf die Predigt für die Beerdigung vorbereitete, ging mir plötzlich auf, wie sich das Wort erst recht erfüllt hatte! Durch die schwere Krankheit hatte meine Schwester nämlich zu Jesus zurückgefunden. Die Krankheit hatte sie somit in einem noch tieferen Sinn nicht zum Tod geführt, sondern zum Leben gebracht: zu einem Leben ohne Schmerzen und Krankheit bei Gott, für immer in seiner liebenden Nähe.

Gott hält sein Wort. Paul Gerhard hat im 30-jährigen Krieg Frau und Kinder verloren. Dennoch schrieb er in einem Lied: „Gott hält sein Wort mit Freuden.“ Gott hält sein Wort. Zwar nicht immer so, wie wir es erwarten; dafür aber so, wie Dietrich Bonhoeffer es ausgedrückt hat: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.

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