/ Wort zum Tag

Lukas 10,2

Bibelvers

Und als er das Volk sah, da jammerte ihn.

Lukas 10,2

Jesus ist mit seinen Jüngern im Gespräch. Die Not der Menschen ist groß. Es gibt viel zu tun. Darum bittet er sie, dass sie beten, dass sie sich an Gott wenden, damit er Mitarbeiter beruft und zu den Menschen sendet. Der Evangelist Matthäus ist an dieser Stelle etwas ausführlicher als Lukas und schildert, wie die Not der Menschen Jesus auf den Magen schlägt. So die wörtliche Übersetzung dessen, was Luther so beschreibt: „Und als er das Volk sah, da jammerte ihn.

Jesus empfindet starkes Mitgefühl und Erbarmen für die Menschen, die ihm wie Schafe ohne Hirten vorkommen, also orientierungslos, allein sich selbst überlassen, ohne Schutz und Hilfe. Mich hat an diesem Bericht die Frage beschäftigt, warum Jesus seine Jünger auffordert, bei Gott um Mitarbeiter zu bitten. Schließlich sendet er sie ja kurz darauf aus, schickt die Beter selbst zu den Menschen, hinein in ihre Not. Warum diese – man könnte sagen – Zeitverzögerung? Wenn es ja doch die Jünger selbst sind, die Jesus aussendet, wozu dann der Zwischenschritt, diese Unterbrechung, um Gott zu bitten, dass er Mitarbeiter schenkt?

Ich denke, hier geht es um ein ganz wesentliches Element. Das Gebet an dieser Stelle ist entscheidend wichtig. Es macht zum einen deutlich, dass nur Gott Menschen in Aufgaben berufen und senden kann. Wir können zwar auch Leute an die Arbeit stellen, Aufgaben übertragen, manchmal vielleicht sogar in Mitarbeit hinen drängen, aber das ist eben was anderes. Das ist menschlich gemacht, ist allenfalls organisiert, gleichsam wie von Managern geregelt. Jesus möchte Mitarbeiter Gottes, von Gott berufen und gesandt - und das geht über das Gebet. Darum seine Bitte, mit Gott zu reden, damit er Menschen anspricht und bewegt.

Zum anderen wird an dieser Bitte Jesu noch etwas deutlich: Gebet verändert. Das Gebet bereitet die Jünger auf ihren weiteren Weg vor. Das Gebet verbindet sie mit den Menschen und ihrer Not. Der Beter und das Gebetsanliegen werden miteinander verknüpft. An den Jüngern wird deutlich: Wo ich für etwas bitte, bin ich zugleich mitbetroffen, dass Gott vielleicht so darauf antwortet, in dem er mich selbst für die Erfüllung der Bitte gebraucht. So werden die Jünger, die Gott bitten, zu Mitarbeitern, die Gott beruft und sendet. Das Gebet verändert sie und bereitet sie auf ihre Aufgabe vor. Darum ist das Gebet vor der Aussendung so wichtig. Es zeigt mir, wie ich mein Gebet verstehen und erleben kann. Eben nicht als distanzierter Beter, der darum bittet, dass Gott andere gebraucht, sondern als einer, der sich berühren lässt und offen wird, dass Gott ihn selbst als Helfer sendet.

Vielleicht ahnen viele etwas davon, dass sie nämlich nicht unberührt und unbeteiligt bleiben, wenn sie im Blick auf die Not der Menschen Gott um Hilfe bitten. Vielleicht scheuen sich viele konkret zu beten, weil sie damit rechnen müssen, dass Gott gerade so antwortet, dass er sie anspricht und für die Hilfe gebrauchen möchte. Vielleicht fällt es vielen leichter, für Menschen zu beten, die weit weg in anderen Ländern leben und unter bestimmten Nöten leiden. Doch wenn ich für die Menschen in meiner direkten Umgebung bete, dann kann ich nicht nur außen vor bleiben und davon ausgehen, dass Gott andere beruft und sendet. Das Gebet dient mir zur Vorbereitung, verändert mich und macht mich bereit, mich in die Aufgabe senden zu lassen.

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