/ Wort zum Tag

Jesaja 45,6-7

Bibelvers

Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.

Jesaja 45,6-7

Es wäre doch so einfach. Es wäre doch so eine schöne einfache Vorstellung, wenn die Welt aufgeteilt wäre in Gut und Böse, und wenn die guten Dinge von einer guten Macht und die bösen Dinge von einer bösen Macht kämen. Dann könnte ich ganz einfach von der guten Macht alle guten Dinge erbitten, die ich so brauche, und der bösen Macht für alles Böse, was mir geschieht, böse sein. Es wäre doch so einfach.

Genau so funktionieren viele Geschichten, die wir aus dem Kino kennen. Die Guten kämpfen gegen die Bösen, die Guten sind gewöhnlich ein paar wenige tolle Krieger, die Bösen sind eine riesige Armee von richtig fiesen Gestalten, und am Ende gewinnen doch die Guten. Und ich gehe fröhlich und zufrieden aus dem Kino nach Hause.

Und auch viele Religionen funktionieren so. Zum Beispiel die Götterwelt der antiken Babylonier, unter denen die Israeliten damals, zu Jesajas Zeiten, lebten. Da gibt es gute Götter und böse Götter, die gegeneinander kämpfen. Da muss man den guten Göttern Opfer bringen, damit sie die Menschen mit Gutem versorgen, und den bösen Göttern muss man noch mehr Opfer bringen, damit sie die Menschen mit ihrem Bösen verschonen. Wer hier am Ende gewinnt? Tja, man weiß es nicht.

Und das ist genau das Problem. Diese Art von Glauben, von Weltanschauung, mag ja einfach sein. Gut und Böse wären schön sortiert, ich wüsste genau, wem ich für das Gute dankbar sein darf und auf wen ich böse sein darf, wenn mir Böses zustößt. Bloß wäre dann mein Gott immer nur einer von mehreren. Der gute Gott hätte nicht alles im Griff. Auf das Reich der bösen Macht hätte er keinen Zugriff. Er wäre nicht allmächtig.

Der Gott der Israeliten ist aber anders. Er ist tatsächlich allmächtig, und das heißt eben, dass er nicht nur der Gott ist, der Licht macht, das Helle, das Gute und das Schöne, sondern dass er auch Finsternis schafft, Dunkles und Unheimliches. Bei Jesaja heißt es von Gott: „Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.

Der Gott der Israeliten, der ja auch mein Gott ist, wenn ich Christ bin, bringt nicht nur Frieden. Sondern er ist tatsächlich auch der Schöpfer des Unheils. Er ist der Herr von allem, was es gibt, sei es gut oder schlecht, und außer ihm gibt es keinen anderen Gott und keine andere Macht, die ihm nur annähernd ebenbürtig wäre. Das ist eine gewaltige Aussage. Und natürlich auch eine schwierige.

Denn wie kann es sein, dass mein guter Gott Unheil schafft? Wie kann ich an einen solchen Gott glauben, der es nicht nur zulässt, dass Kriege, Unfälle, Katastrophen und die ganze Palette an bösen Dingen geschehen – nein, der auch selbst da ans Werk geht? Wie soll das gehen?

An diesem Punkt hört das christliche Weltbild auf, wohlgeordnet zu sein. Die einfache Einordnung in gute und böse Mächte klappt im Christentum nicht. Der christliche Gott ist keiner, der einfach zu verstehen ist. Das hat er auch nirgends von sich behauptet. Dieser Gott tut immer wieder Dinge, die ich nicht verstehe und die mein Weltbild sprengen. Er lässt Dinge geschehen, die für mich keinen Sinn ergeben, die mir sogar weh tun. Er hat nicht nur die guten Dinge und die schönen Seiten meines Lebens unter seiner Gewalt. Sondern auch die bösen, die schlimmen Seiten.

Und ich glaube, genau hier liegt ein großes Geheimnis. Ich verstehe oft nicht, was Gott tut. Aber ich weiß, dass er es ist, der es tut. Was auch immer an Schlimmem passiert: Es ist kein Zeichen dafür, dass Gott die Kontrolle verloren hat, dass ihm irgendetwas aus der Hand geglitten ist. Und ich verstehe vielleicht nicht, was Gott tut, vielleicht bin ich wütend auf ihn und will ihn anschreien. Aber ich weiß immerhin, an wen ich meinen Zorn und alle meine Fragen richten kann. Und ich weiß, dass ich eines Tages, sehr viel später, vielleicht auch erst in dem Leben, das ich bei ihm verbringen werde, darauf auch eine Antwort bekomme.

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