/ Wort zum Tag

Epheser 4,28

Bibelvers

Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.

Epheser 4,28

Nanu, was war denn bei den Ephesern los, dass Paulus diesen Satz sagt: „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.“?

Nun ja, vermutlich war das so. Aber wohl nicht in dem Sinne, dass die Epheser alten Damen die Handtasche klauten, sondern vermutlich eher auf die sogenannte „feinere“ Art. Besonders die vornehmen Griechen in Ephesus, von denen es in der Gemeinde sicher einige gab, hatten damals so ihre eigenen Wege, an Geld zu kommen. Finanzbetrug, Steuerhinterziehung, Ausbeutung von Arbeitskräften – das ganze Programm, das ich auch heute bei uns kenne. Das war auch bei den alten Griechen schon gang und gäbe. Und Paulus hat keine Hemmungen, das als das zu bezeichnen, was es ist: nämlich als Diebstahl.

Dieser ganze Vers muss für die vornehmen Griechen ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Wir sollen Diebe sein! Aber es kommt noch schlimmer: Wir sollen mit unseren eigenen Händen arbeiten! Ein vornehmer Grieche ließ damals alle körperliche Arbeit von Sklaven verrichten. Es galt als unschicklich, sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Und nun sollten sie also selbst mit anpacken. Sie dachten sicher: Was sollen bloß die Nachbarn denken, wenn sie mich sehen, wie ich meine Einkäufe selbst vom Karren ablade?  Wieso können wir die Dinge nicht so lassen, wie sie sind? So machen es doch alle anderen auch ...

Mir scheint, es geht hier nicht nur um eine reine Änderung im Verhalten. Sondern der Kern, um den es Paulus geht, ist die innere Einstellung, die aus dem Christsein entsteht. Wie handhabe ich es mit meinen Geld und wie handhabe ich meine Arbeitskraft im Blick auf meine Mitmenschen? Versuche ich, möglichst viel für mich selbst herauszuschlagen, nach dem Motto: „Wenn jeder nur an sich denkt, dann ist an alle gedacht“ – oder behalte ich die Menschen um mich herum im Blick, besonders die, die mir gegenüber benachteiligt sind?

Das ist eine Haltung, um die ich mich selbst bemühen kann. Ich bin weder Griechin noch vornehm noch wohlhabend, noch klaue ich Handtaschen. Aber ich trage die Verantwortung für den kleinen Bereich, in dem ich arbeite, und für das Geld und die materiellen Dinge in meinem Besitz. Wie verhalte ich mich denn staatlichen Regelungen gegenüber? Nutze ich alle legalen Steuertricks aus, bis es dunkelgrau wird, oder überlege ich auch mal, wofür ich eigentlich Steuern zahle und was mit diesem Geld passiert? Was würde passieren, wenn alle so handeln wie ich? Und habe ich denn die Menschen um mich herum im Blick, die tatsächlich bedürftig sind? Was habe ich, was ich denen freiwillig abgeben könnte? Woran könnte ich sie teilhaben lassen?

Da geht es auch nicht nur um Geld, denke ich. Davon habe ich selbst ja nun auch nicht immer allzu viel zur Verfügung. Aber ich habe ja zum Beispiel auch Zeit, Aufmerksamkeit, Ideen, praktisches Wissen zur Verfügung. Alles Dinge, die man stehlen kann, die man aber auch geben kann. Wie ist es denn damit? Wer um mich herum könnte davon etwas gebrauchen?

Und dann stelle ich mir vor, was passieren würde, wenn viele Menschen mit dieser Haltung leben würden. Wenn alle nicht nur an sich, sondern an alle denken, haben doch plötzlich alle mehr von allem. Das ist dann wohl auch der ganze Sinn der Sache. Ich kann nur gewinnen, wenn ich aufhöre zu klauen und anfange, meinen Besitz zu teilen. Worauf warte ich dann noch?

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