/ Wort zum Tag

Psalm 141,4

Bibelvers

Neige mein Herz nicht zum Bösen.

Psalm 141,4

Ich musste unsere Tageslosung zweimal lesen: „Neige mein Herz nicht zum Bösen.“ Steht da nicht ein Druckfehler? Müsste es nicht heißen: „Neige dein Herz nicht zum Bösen“? Der eine Buchstabe macht einen eminenten Unterschied: Mit „dein“ wäre es eine moralische Aufforderung: Nimm dich zusammen, sieh zu, dass du nicht dem Bösen zuneigst. Mit „mein“ ist es eine vertrauensvolle Bitte an Gott: Du, mein Gott, bist der Wächter über mein Innerstes. Ich lege mein Herz in deine Hand und bitte dich: „Schenke es mir, dass sich mein Herz nicht dem Bösen zuneigt“.

David bittet Gott, ihn davor zu bewahren, Böses zu tun. „Herz“ steht für die Mitte der Person, für die Instanz, wo unsere Entscheide fallen. Bewahre mich davor, dass in meinem Innersten Böses zu keinem anfängt. Denn diese üblen Keimlinge führen zwangsläufig irgendwann zu bösen Taten. Der Tageslehrtext ist die Unser-Vater-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Im Vers gleich vor unserer Tageslosung formuliert David die Bitte: „Setze, o Herr, eine Wache meinem Munde und eine Hut der Türe meiner Lippen.“ Er bittet Gott um die Reinheit der Sprache: Er will nicht fluchen, nicht lügen, nicht mit Worten verletzen. Alles, was von tief innen aus uns heraus dringt, ist ein Anzeichen für unseren inneren Zustand. Aus einem reinen Herzen kommen reine Worte. Diese Bitte verallgemeinert David dann zu dem, was unsere heutige Tageslosung sagt: „Lass mein Herz sich nicht neigen zum Bösen, dass ich gottlose Taten beginge.

Liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer, ich darf davon ausgehen, dass wir alle diesen Wunsch haben. Wir möchten, dass unser Innerstes bei Gott bleibt und dass wir uns so verhalten, wie es ihm gefällt. Es ist eines der Geheimnisse des Evangeliums, dass Gottes Gnade unseren Persönlichkeitskern umwandeln kann. Gott schuf uns nach seinem Bild. Dieses gute Bild kann – aus was für Gründen auch immer – entstellt sein. Wenn wir uns dem Licht Gottes aussetzen, dann wird er uns in sein Bild zurückverwandeln. Er wird uns befähigen, in seinem Willen zu leben.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Moral und Evangelium: Die Moral fordert uns auf, aus eigener Kraft etwas zu unternehmen. Das muss nicht schlecht sein, denn wir haben ja Kräfte in uns. Auf diesem Weg stossen wir allerdings bald an unsere Grenzen. Deshalb schenkt uns Gott den Weg der Gnade. Das Licht seiner Liebe ist für uns da vor jeder Anstrengung. Durch das „Mein“ statt einem „Dein“ wird unsere Tageslosung zu einem evangeliumsgemäßen Vers: Nicht „Neige dein Herz“, sondern „Neige mein Herz nicht zum Bösen.
Das wünsche ich uns allen für den heutigen Tag: Ein Herz, das immer auf die richtige Seite gekippt bleibt, auf die Seite des Lichtes und der Liebe Gottes.

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