/ Wort zum Tag

1. Mose 3,19

Bibelvers

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

1. Mose 3,19

„War das alles?“ Enttäuscht hatte ich das Kino verlassen. Da war der Film großartig angekündigt worden, gar als Film des Jahres, hervorragende Schauspieler, eine tiefgreifende Story – und hatte ich gesehen? Eine überdrehte Klamotte mit einer mehr als schwachen Handlung. War das alles?
Bei einem Kinofilm ist das zwar ärgerlich, aber noch zu verkraften. Anders im Leben. So manches Mal saß ich am Krankenbett eines älteren Menschen, oft genug kurz vor dem Sterben. Wir haben versucht, miteinander die Spuren des Lebens nachzuzeichnen. Was war gut, was weniger? Es ging darum, Dinge zu ordnen, um Vergebung zu bitten, aber auch von Herzen zu danken für das geschenkte Leben. Ganz neu bedrückt mich jedoch immer wieder, wenn, für mein Gefühl viel zu häufig, dann die Frage auftaucht: „War das alles..?“
Ich habe das besonders bei Menschen erlebt, die in ihrem Leben viel „geschafft“ haben, wie man im Schwäbischen sagt. Mühe und Arbeit. Aber ist das nicht biblisch? Heißt es da nicht in 1. Mose 3 „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“? Ist hier nicht vorprogrammiert, was Friedrich Nietzsche resigniert-spöttisch umschrieben hat mit: „Von der Wiege bis zur Bahre ist das Leben eine Plage…“?
Ich glaube, wir haben da etwas gründlich missverstanden. Im genannten Textwort in 1. Buch Mose wird zwar der Rahmen einer Welt umschrieben, die sich durch Sünde und Schuld von Gott abgemeldet hat. Dieser Rahmen ist seit Jahrtausenden derselbe: geboren werden, das Mühen um die Existenz, sterben. Aber der Rahmen ist noch nicht das Bild.
In einem neueren Kirchenlied heißt es: „Gott male mich, ich will dein Bild sein..“ – Ich gebe zu, ich konnte mit diesem Lied lange Zeit nicht viel anfangen. Was soll das: „Gott male mich..“? Aber je länger ich darüber nachdenke, je deutlicher wird mir: Genau darauf kommt es an. Dass Gott den Rahmen meines Lebens, der auf den ersten Blick gar nicht so verlockend aussieht, in sinnvoller und guter Weise füllt. Wenn uns Jesus zum Beispiel in Matthäus 11 sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, dann ist hier zuerst einmal wieder der Rahmen angesprochen: mühselig und beladen. „Erquicken“ jedoch bedeutet bei Jesus: Ich will euch das geben, was ihr braucht, damit das Leben wieder Spaß macht.
Ja, sie haben richtig gehört: „Spaß macht“! In kirchlichen Kreisen ist der Begriff „Spaß“ leider ein wenig in Verruf geraten. Man denkt dabei an oberflächlich leben, nichts wirklich ernst nehmen. Ich denke, dieses Misstrauen ist unberechtigt. Wenn man an einer Sache Spaß hat, bedeutet dies, sie mit Freude zu tun. Und Gott hat nichts lieber, als wenn wir unser Leben freudig leben. Freude ist eng mit der Dankbarkeit verbunden. Wenn ich immer wieder neu entdecke, wie viel ich Gott zu verdanken habe, vielleicht manchmal trotz allem, dann kommt Freude auf. Und die bringt Farbe in mein Leben. 
Der bekannte Pfarrer Wilhelm Busch hat es einmal in seiner deftig-deutlichen Sprache so ausgedrückt: „Wenn ich über einen Friedhof gehe und auf einem Grabstein die Worte lese: ‚Sein Leben war Mühe und Arbeit‘, kann ich nur eines sagen: Dies ist kein Nachruf für einen Menschen, sondern für einen Ackergaul.“ Nur Mühe und Arbeit ist zu wenig. Leben ist mehr. Gott will nicht, dass wir uns nur mit dem Rahmen begnügen. Er will, dass wir am Schluss, trotz allen Höhen und Tiefen bekennen können: „Du hast mein Leben so reich gemacht.“
Wer so Gott erlebt, kann auch gelassen auf die letzte Wegstrecke des Lebens blicken. Weil er darauf vertrauen darf, dass der Gott, der lebenswertes Leben geschenkt hat, es auch im Sterben richtig macht. Gott will uns gewiss machen: Leben mit ihm, hier und heute ist schön. Aber das Schönste kommt noch.
 

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