/ Wort zum Tag

1. Mose 31,42

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Wenn nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der Schrecken Isaaks1, auf meiner Seite gewesen wäre, du hättest mich leer ziehen lassen. Aber Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen und hat diese Nacht rechtes Urteil gesprochen.

1. Mose 31,42

Gott sieht an.  Gott sieht hin. So redet die Bibel von Gott. Was Menschen gerne übersehen, wo sie gerne wegschauen, da sieht er hin.
„Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen“, heißt die Losung aus 1.Mose  31, 42.
Ja ! Gott hat mich in meinem Elend und meiner Mühe gesehen.
Wenn ich denke: Vergeblich. Gescheitert. Betrogen, aber nicht abgeschrieben, sondern gesehen, gewürdigt. Das ist eine grundlegende Erfahrung mit Gott. Geradezu typisch für Gott.

Eher untypisch für unseren Alltag ist, was die Geschichte um unseren Bibelvers herum erzählt. Da schaut einer zurück und wähnt sich schon mit leeren Händen, in der Liebe und um den Ertrag jahrelanger Arbeit betrogen.
Und er erfährt, dass Gott zu seinen Gunsten eingreift und er bekommt, was ihm zusteht.
Gott hat mein Elend gesehen und… es beendet! Eine wunderbare Erfahrung, wenn man sie macht, aber nicht typisch für unzählige Lebensläufe. 
Es ist wichtig, solche Erfahrungen mit Gott zu berichten, wo am Ende alles gut wird.
Hoffnungsgeschichten der Bibel. Sie zu erzählen, erneuert den Lebensmut auf mehr zu hoffen als auf das, was man sich gerade noch so ausrechnen kann.
Das Aussichtslose zeigt sich schon selber.
Nur: der Glaube an Gott fängt nicht erst da an, wo die Hoffnung am Ziel ist. Was bleibt, wenn die Hände mit Mühe und Elend gefüllt sind ?

Es bleibt: Du, mein Gott,  hast mich gesehen! Mich - in meinem Elend und meiner Mühe.
Und was hilft das, gesehen zu sein,  wenn man das eigene Elend nicht mehr  ansehen kann?

Ich habe ein Foto vor Augen. Man sieht in große Hände hinein, die sich wie eine Schale geöffnet haben. In diese großen Hände haben sich zwei kleine Kinderhände hineingelegt. Man sieht in die kleinen Hände hinein und kann es gar nicht anders als zugleich die großen wahrzunehmen.

Ich stelle mir die kleinen Hände vor, wie sie, kurz bevor sie sich in die großen legten, etwas abgewogen haben.
In der einen Hand das, was wir Erfolg nennen würden. Wo das Leben aufgegangen ist und glücklich machte. Wo der Glaube sogar mit außergewöhnlicher göttlicher Hilfe beschenkt wurde.
Und in der anderen Hand findet sich die Schwäche. Erfahrungen, die viele nicht gerne machen. Die einem das Leben schwer machen und auch den Glauben.

Und dann stelle ich mir vor, wie für einen Moment der starke Wunsch, es möge alles anders sein, aus der Hand gegeben wird.
Und nur das Schwache, nicht Attraktive, nicht Erfolg Versprechende, nicht hoch Angesehene in der Hand behalten wird. Und dann in die großen Hände geschoben und gehalten wird.

Das wäre erstaunlich. Ein Glaube, der mit Schwäche, mit Elend und Mühe etwas  anfangen will. Man schaut es sich an und sagt: Meins!
Ja, es ist meins! Und ich will, dass Gott mit dem, was zu mir gehört, etwas anfängt.
„Gott hat mein Elend und meine Mühe angesehen“. Was Gott ansieht, das will ich mit ihm sehen. Was Gott ansehen will, will ich nicht übersehen. Was bei ihm Ansehen hat, will ich nicht verachten.
Was zu mir gehört, ist wertgeschätzt. Mein Erfolg ist Gott nahe. Was nach meinem Wunsch im Leben aufgeht, ist Gott nahe. Was scheitert, ist Gott nahe. Was schwach bleibt, ist Gott gleich nahe. Wo das Leben nicht glatt verläuft, bin ich niemals aus der Nähe meines Gottes gefallen.

Gott berührt es. Vielleicht beginnt das, was zu mir gehört, plötzlich zu mir zu reden. Und sei es nur für einen Moment. Für eine Ahnung, mein Leben sei reicher als ich je geahnt. Von Gott angesehen.


Kommentare

Von maite am .

einfach schön und ermutigend, ihr beitrag. und kommt völlig ohne oft bemühte bilder und floskeln aus. dadurch entsteht eine wunderbare tiefe. vielen dank dafür!

Von silke am .

Danke für diese Auslegung. ich stecke beruflich grade in der totalen Krise. Ihre Worte machen mir Mut, die "Schuld" nicht mehr zu suchen. Nicht bei den anderen, nicht bei mir. Sondern gemeinsam mit JESUS mir meine Schwächen, Ängste, mein Versagen, anschauen und mit seiner Hilfe zu sagen: "Meins" und mich meiner Verfehlungen nicht zu schämen, sondern sie anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass GOTT auch damit was zum Guten für mich und die anderen anfangen kann. Gott segne sie, Silke

Von Jutta am .

Danke, das ist eine Antwort auf mein heutiges Gebet und ein Zuspruch, der mir Hoffnung gibt.


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