/ Wort zum Tag

Jesaja 54,10

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Jesaja 54,10

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Der heutige Ostersamstag ist der düsterste Tag in der Christenheit. Der gekreuzigte Jesus liegt im Grab. Seine Gegner reiben sich zufrieden die Hände. Endlich haben sie ihn dort, wo sie ihn schon immer hinhaben wollten. Der Fall ist für sie erledigt. Aus und vorbei.

Den Getreuen von Jesus dagegen ist eine Welt zusammengebrochen. Was haben sie nicht alles für Jesus drangegeben: ihren Beruf, ihre Familie, ihre Heimat. Ihr gesamtes Leben haben sie investiert. Doch gestern, an diesem entsetzlichen Karfreitag, ist ihnen alles eingestürzt. Was sie sich von Jesus erhofft haben, ist geplatzt wie eine Seifenblase. Die Hoffnungen sind verflogen. Nun hocken sie beieinander und blasen Trübsal. Um mit dem Wort des Tages zu sprechen: Berge sind gewichen und Hügel hingefallen. Was so stabil und sicher stand, worauf sie sich fest verlassen haben – es ist zusammengeklappt wie ein Kartenhaus.

So ähnlich fühlen sich auch die Gefangenen in Babylon, an die unser Wort ursprünglich gerichtet worden ist. Sie haben die Heimat Israel verloren. Um ihre Zukunft sieht’s dunkel aus. Keine Chance, aus diesem Elend wieder herauszukommen. Zu gewaltig ist die Macht der Babylonier.

Wo ist Gott? Wo ist er gewesen, als die feindlichen Heere in Israel gehaust haben wie die Berserker? Wo ist Gott, als unser Herr und Heiland Jesus Christus am Kreuz so schrecklich sterben musste? Wo ist Gott, so fragt heute mancher, als ich so viel durchmachen musste, dass mir darüber der Lebensmut schier zerbrochen ist?

Fragen damals. Fragen heute. Und keiner ist da, der sie schlüssig beantworten könnte. Es wäre zum Verzweifeln, würde nicht mitten im Bibelvers ein kräftiges „Aber“ stehen: „Aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen“. So „spricht der Herr, Ihr Erbarmer“. Mit seinem „aber“ stemmt Gott sich allem entgegen, was uns das Herz schwer macht und uns scheinbar ausweglos einkesselt. Ja, so stimmt Gott zu, ihr habt es schwer. Manchmal wisst ihr weder aus noch ein. Aber was ihr um euch herum wahrnehmt und was ihr in eurem Innern empfindet, ist nicht alles. Neben allem und vor allem ist „meine Gnade“ da, meine Güte und meine Freundlichkeit. Auch wenn ihr das nicht ständig spürt.

Was wir derzeit vielleicht schmerzvoll durchmachen, ist also nicht unsere Endstation. Nicht bei Jesus im Grab, nicht bei den Gefangenen des Volkes Israel. In allem Schweren ist dennoch Gottes Gnade da, sein Erbarmen, seine Treue. In dem, was uns widerfährt, verfolgt Gott gute Gedanken – all unseren Empfindungen zum Trotz. Er hat mit uns einen „Bund des Friedens“ geschlossen.

So spricht der Herr, „dein, unser Erbarmer“, der also, der es gut mit  uns meint, der ein Herz für uns hat. Der keinen dort stecken lässt, wo er sich gerade verfahren hat, sondern der jedem zurechthelfen will. Das kann unterschiedlich aussehen: Bei Jesus bricht der herrliche Ostermorgen an. Gott ruft ihn aus Tod und Grab. Die Gefangenen aus Israel treten bald den Rückweg in ihre Heimat an. Und auch wir sollen erleben, dass Gott sich um uns kümmert. Wie er das tun wird und wie sein weiterer Weg für Sie und mich aussieht, sollten wir ihm überlassen.

Mir persönlich geht im Nachhinein auf, dass Gott in meinem Leben Maßarbeit geleistet hat. Sein Erbarmen hat mich getragen. Viele Lebensführungen habe ich nicht durchschaut. Manches war ärgerlich und schmerzlich. Einiges habe ich mir durch eigene Torheit selber zugezogen. Doch heute darf ich beten und das, was mir auf dem Herzen liegt, Gott anvertrauen. Dazu lade ich Sie ein. Und am Ende werden wir Gott für seine Gnade danken. Die bleibt stabil. Mit ihr dürfen wir rechnen.
 


Kommentare

Von D. H. am .

danke für die Ermutigung.

Von Sabine am .

Guten Tag Herr Morgner, gerade erst habe ich Ihre Auslegung gelesen und fühle mich sehr getröstet. Danke. Sabine

Von Kurz, Werner am .

Vielen Dank für diese wunderbare und ansprechende Auslegung der heutigen Losung.

Von Renate am .

Danke für diese ermutigenden Worte! Ja, oft sehen wir nicht, warum manches Schwere in unserem Leben zugelassen ist, erkennen aber im Nachhinein, dass es gut für uns war. Gott macht keine Fehler und ER hat "Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück" mit uns, um uns "Ausgang und Hoffnung zu gewähren" (Jer. 29,11). Frohe Ostern!


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