/ Wort zum Tag

Matthäus 11,28

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28

Manchmal, in scheinbar unbeobachteten Momenten, entschlüpft mir ein tiefer Seufzer. Wenn es dann doch jemand wahrgenommen hat, dann bekomme ich zu hören: „Das kam aber von ganz tief unten“.

„Aufschnaufen“ heißt das im Schwäbischen. Dieses „Aufschnaufen“, das Aufatmen, tut richtig gut, da wird es einem leichter. Jesus lädt uns ein zu einem solchen Aufatmen. In Matthäus 11,28 heißt es: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Jörg Zink übersetzt dieses Bibelwort: „Kommt her zu mir, die ihr müde seid und ermattet von übermäßiger Last! Aufatmen sollt ihr und frei sein.“

Jesus lädt die Mühseligen und Beladenen ein, Menschen, die müde geworden sind und schwer tragen an ihren Belastungen. Der Maler Rembrandt hat diese Szene in seinem Hundertguldenblatt aus der Zeit um 1648 eindrücklich dargestellt: Im Zentrum dieses Bildes steht Jesus, mitten im Dunkel umgeben vom Licht und mit weit offenen Armen. Aus der Dunkelheit kommen die Menschen zu ihm oder werden gebracht. Zwei Frauen knien vor ihm und flehen ihn um Hilfe an. Eine Mutter trägt ihr Kind auf den Armen und bringt es zu Jesus. Ein Kranker wird auf der Schubkarre herangefahren. In den Gesichtern spiegelt sich die Not dieser Menschen. Mühsal und Lasten bringen sie mit und eine große Sehnsucht nach Hilfe. Wie gerne würden sie aufatmen und frei werden.

Und Jesus steht mit offenen Armen da und wendet sich all diesen Menschen zu. Jesu Einladung gilt. Er lädt uns ein, ihm zu bringen, was uns belastet und müde macht:

  • den Stress, der oft unseren Alltag prägt und die Verantwortung, die wir zu tragen haben,
  • die Sorge um Menschen, die uns anvertraut sind,
  • das Leiden an einer Krankheit, mit der wir leben müssen,
  • die Trauer um einen geliebten Menschen, der uns genommen wurde,
  • die Schuld, die wir auf uns geladen haben,
  • die Angst vor dem, was uns die Zukunft bringt,
  • all die Wunden, die uns das Leben im Lauf der Zeit beigebracht hat,
  • aber auch die Ansprüche, die wir an uns selber stellen und uns damit unter Druck setzen,
  • und die Routine, die sich manchmal in unser Glaubensleben eingeschlichen hat.

„Kommt und bringt diese Lasten zu mir!“ – lädt Jesus uns ein. Das Licht, die Wärme, die Güte und Liebe, die Jesus in Rembrandts Hundertguldenblatt ausstrahlt, die bekommen auch wir bei ihm zu spüren.

„Ich will euch erquicken“, sagt Jesus. Erquicken ist ein Wort, das wir in unserer Alltagssprache kaum mehr gebrauchen. Es bedeutet: stärken und wieder lebendig machen. Erquickung gibt es an der Quelle, aus der frisches, lebendiges Wasser fließt. Jesus ist diese Quelle, aus der wir neue Kraft schöpfen. Er lässt uns aufatmen und befreit in unseren Alltag gehen. Vielleicht bleiben die Lasten und Mühen dieselben, und doch lassen sie sich anders tragen, mit neuer Hoffnung und neuer Kraft. Bei Jesus kommt es zu einem „Aufschnaufen“, das uns wirklich weiterhilft.

Hedwig von Redern hat diese Erfahrung in einem Gedicht so beschrieben:

„Du weißt zu erquicken, wie kein Mensch es kann.
Du mein Hirt und Heiland, staunend bet’ ich an
und glückselig ruh’ ich in Dir allezeit,
bis ich jubelnd schaue deine Herrlichkeit.“
 


Kommentare

Von elisa5 am .

Hallo sesa,
ich meine doch nicht DICH !! Natuerlich freue ich mich mit jedem Mitmenschen, der beim Aufschnaufen sich aufrichten kann und die Welt um ihn herum angenehmer wahrnehmen kann!! Nur ICH kann das nicht!Ich lebe trotz Glauben an Jesus Christus und alles was sonst noch so in der Bibel steht, immer noch mit diesem Tunnelblick und verkruemt durch meine eigenen ( von aussen betracht sogar laecherlichen) Sorgen! Ok, ich kann diesen Leidensweg annehmen als eben meinen ganz eigenen und daher mehr

Von sesa am .

Hallo elisa5
Warum bin ich weltfremd?
Statt wie früher in mich selbst verkrümmt und mit dem Tunnelblick auf meine Sorgen zu leben, kann ich mich heute beim Aufschnaufen aufrichten und die Welt um mich herum viel besser wahrnehmen. Auch die Sorgen anderer. Und die Kraft, die ich von Christus bekomme, reicht sogar noch, um die eine oder andere fremde Sorge mitzutragen (z. B. im Gebet oder ganz praktisch).
Ganz liebe Grüße
sesa

Von Jutta am .

Das ist gut, dass sie diese Liste aufgeführt haben, so ist mir heute aufgefallen, dass es mir besser geht, als ich dachte. Danke dafür.

Von Sabine am .

Ihre Auslegung hat mich wieder sehr berührt, Herr Schmückle. Danke für diese mutmachenden Worte!!

Von Walter Hagen am .

Die Losung aus Mt. 11,28 begleitet mich seit meiner Geburt vor 75 Jahren. Es war die Losung am Tag meiner Geburt. Vielen Dank für die Auslegung, sie hat mich sehr erfreut

Von elisa5 am .

Ja, Ihre Aufstellung der Sorgen kann ich 100 %ig unterschreiben. Wer nicht ? Und ja, es ist schon so, dass ich auch "etwas" von diesem "Erquicken" schon mal gespuert habe - zumindest glaube ich das. Aber es ist so weltfremd und deshalb macht es mich gar nicht gluecklich. Vielleicht trage ich ja doch lieber schwer an all meiner Schuld und meinen selbstgemachten Sorgen, von denen ich mich ohnehin nicht befreien kann als erquickt ( ?) aber weltfremd durch diese Welt zu laufen?! Ich glaube es ist mehr

Von Bianca am .

Danke ! Wie kann ich das nur vergessen..... Genau so ist es :-)


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