/ Wort zum Tag

Jesaja 40,28

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Jesaja 40,28

Gestern war er noch zutiefst überzeugt, dass es stimmt und 100prozentig zutrifft, wenn es von Gott im Psalm 139 heißt: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Und jetzt ist sein Herz voller Zweifel und Fragen. Sein Vertrauen in Gottes Liebe und Fürsorge hängt nur noch an einem dünnen Faden. Was ist passiert?

Von einem zum anderen Tag ist er jetzt auch auf dem rechten Auge durch einen Zentralvenenverschluss nahezu erblindet. Vor vierzig Jahren hatte er als junger Mann bereits im linken Auge sein Augenlicht verloren, ebenfalls durch einen Zentralvenenverschluss. Was ihm nunmehr noch an Sehkraft geblieben ist, ist minimal. Er kann sein eigenes Gesicht im Spiegel nicht mehr erkennen und wenn er eine Straße überqueren möchte, ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Lesen und Schreiben ist eine quälende Angelegenheit. Mit einer speziellen Lupe hangelt er sich mühsam von Wort zu Wort.

Immer und immer wieder hat er in seinen Gebeten Gott um Verbesserung der verbliebenen Sehkraft und um Heilung angefleht. Doch statt besser wurde es nur noch schlimmer. Ein Schleier, wie ein dichter, grauer Nebel lässt alle Konturen verschwimmen. Warum und wozu noch beten? Gott erhört ja doch nicht! Seine Hoffnung in Gottes Verheißungen ist auf dem Nullpunkt, gestorben mit all seinen Enttäuschungen in Gottes Hilfe und seinem Schweigen. Wer kann seine Glaubensanfechtungen nicht nachempfinden und verstehen, wenn er wie einst das Volk Israel  resigniert und spricht: Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an Gott vorüber?

Was hilft einer zutiefst angefochtenen Seele?

Meine persönliche Erfahrung: Allein Gottes Wort holt heraus aus den grausamen Tiefen und Abgründen von Resignation und Hoffnungslosigkeit. Auch der Prophet Jesaja spricht es aus, Gottes Hand nicht loszulassen - auch dann nicht, wenn viele Fragen unseres Herzens unbeantwortet bleiben und uns an Gottes Allmacht und Hilfe verzweifeln lassen: Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Gottes Wort jedenfalls zeigt den Ausweg aus jeder Sackgasse des Glaubens auf, in die uns der Zweifel unseres Herzens führt. Bereits im nächsten Vers bezeugt Jesaja Gottes Erbarmen und zeigt die Lösung auf, inmitten aller Not des Lebens nicht zu verzagen, sondern daran festzuhalten, dass Gott treu, zuverlässig und voller Erbarmen ist.

Ich erinnere an den nahezu erblindeten Mann, von dem ich am Anfang erzählte, der - wie auch einst Israel - mit Gott haderte und Gottes Verheißungen infrage stellte, weil er Gottes Wege mit seinem Leben nicht mehr verstehen konnte. Aber inmitten seiner Glaubenskrise ließ er sich durch Gottes Wort in seinem Denken und Hoffen ermutigen. Durch sein Wort hat Gott ihm neuen Glaubensmut und die Gewissheit geschenkt, dass er der Allmächtige ist, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. In all unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe. Denn die da harren auf den HERRN, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler ... Das hat er sehr deutlich erfahren. Gott hat ihm inzwischen wieder vermehrte Sehkraft geschenkt – und nach Einschätzung seiner Augenärztin besteht berechtigte Hoffnung auf weitere Besserung. Dankbar, mit großer Zuversicht sieht er nun wieder - trotz mancher offenen Fragen - vertrauensvoll der Zukunft entgegen. Ganz neu hat er erkannt, was Glaube ist. Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, wie es im Hebräerbrief heißt. Übrigens: Der Mann, von dem ich Ihnen  erzählt habe, ist der Autor dieses Beitrags. Seine Sehkraft reicht im Moment nicht aus, um die aufgeschriebenen Zeilen selbst vorzulesen. Ich erwähne das, weil er allen, die mit Gott wegen ihrer Leiden hadern, Mut machen möchte, ihr Vertrauen in Gottes Erbarmen und seine Hilfe nicht wegzuwerfen.

[Sprecher: Kai-Uwe Woytschak]


Kommentare

Von Renate am .

Danke für dieses eindrückliche Glaubenszeugnis. Der HERR segne Sie und tröste und stärke Sie auch weiterhin! Ja, SEINE Wege sind unausforschlich, aber ER ist in den Schwachen mächtig und kann unsere Schwächen brauchen, um andere zu ermutigen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. ER ist treu, und so wollen wir allezeit unser Vertrauen auf IHN setzen.

Von Lilly am .

Ebenfalls meinen tiefsten Respekt und vielen Dank für diese Zeilen. Ich mache derzeit in meinem Leben auch die Erfahrung, dass es sich lohnt, auch in Finsternis an Gott festzuhalten. Er hat sich mir gegenüber als sehr geduldig erwiesen. Wenn man ihn darum bittet und sich für seinen Weg öffnet, schreitet er voller Tatkraft und Barmherzigkeit ein. Als ich wirklich bereit dafür war, kam die Hilfe innerhalb von eineinhalb Wochen. Ich bin voll tiefer Dankbarkeit.

Von Heike K. am .

Danke für dieses Zeugnis - es ist deshalb so eindrücklich, weil es nicht in einer abstrakten Geschichte / Erzählungsweise endet. Zeugnisse machen Hoffnung, weil sie persönlich erlebt sind. Mehr davon. So etwas macht nachhallend Hoffnung und Mut!

Von Bianka am .

DANKE!

Von Werner Spielmann am .

Danke, danke für dieses Zeugnis.

Von silke am .

Meinen tiefsten Respekt. mich hat die Geschichte von Beginn an gefesselt und betroffen gemacht. Dann schwang aber auch so ein Denken mit, na ja, es ist immer leicht andere zu ermutigen, ihnen zu sagen, sie sollen nicht hadern, auch wenn grad kein Licht in Sicht ist. .... wenn man selbst im Trockenen sitzt und einem nichts mangelt. Aus der eigenen Betroffenheit heraus soviel Mut, Zuversicht, Glauben und Vertrauen in Gottes Allmacht und Güte zu teilen, hat mein Herz erreicht, nicht "nur" meinen mehr


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