/ Wort zum Tag

Psalm 40,18

Bibelvers

Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!

Psalm 40,18

Als meine Frau noch studierte, hatte sie in ihrem Zimmer ein Poster aufgehängt. Es zeigte eine karge, wahrscheinlich irische Landschaft und im Vordergrund einen kleinen Esel. Auf das Foto war ein Bibelwort aufgedruckt. Es steht im Psalm 40, Vers 18 und heißt: “Ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich.”

Auch wenn das Poster sich gut in die Atmosphäre des Zimmers einfügte, war das wohl weniger der Grund, warum es dort hing. Es war wohl das aufgedruckte Bibelwort, in dem meine Frau eigenes Empfinden und eigenes Beten ausgedrückt fand.

Studenten gehören in der Regel ja nicht zu denen, deren Geldbeutel prall gefüllt ist. Ein bescheidener Lebensstil ist bei ihnen schon eher gefragt. Und doch war es weniger das “Ich bin arm” des Beters als vielmehr das “der Herr aber sorgt für mich”, was sie bewegte. Dass Gott uns versorgt, haben wir erlebt. Ob durch staatliche Fördermittel oder durch Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Auch in späteren Jahren sind wir - nach den Maßstäben unserer Gesellschaft - nicht reich geworden. Aber versorgt hat Gott uns bis heute. Manches Mal, nachdem wir längst umgezogen und Familie geworden waren, haben wir uns an das Bild mit dem kleinen Esel und an das Bibelwort erinnert, wenn sorgenvolle Gedanken uns bedrückten. Rückschauend konnten wir Gott danken, und für die Zukunft ihn bitten, auch weiterhin für uns zu sorgen. Er hat uns erleichtert und geholfen, zu wissen: Gott kümmert sich um uns. Er denkt an uns. Er hat seine Möglichkeiten.

Dabei beschränkt Armsein sich nicht darauf, wenig Geld zur Verfügung zu haben. “Ich bin arm und elend”, so kann auch jemand vor Gott klagen, der in seelischen Nöten ist. Der sich wirklich elend fühlt. Der vielleicht darunter leidet, dass er sich nicht geliebt weiß. Dem Beziehungen und Freundschaften fehlen. Der unter dem Hass oder der Rücksichtslosigkeit anderer zu leiden hat.

Wie unterschiedlich die Gründe und Situationen auch sein mögen, ich kann vor mir selber zugeben: “Es geht mir elend. Ich fühle mich zerschlagen.” Und ich kann vor Gott aussprechen, wie’s mir geht und wie ich meine Lage empfinde. Ihm bin ich keineswegs gleichgültig. Er sorgt sich um mich. Manchmal durch Menschen, die mir Gutes tun oder Anteil nehmen an meinen Nöten.

Das Empfinden, arm zu sein, kann mich auch überfallen, wenn ich durch Menschen oder Aufgaben herausgefordert werde und an meine Grenzen komme. Wenn ich es nicht mehr schaffe, ihnen gerecht zu werden. Auch da kann ich meine Not im Gebet vor Gott aussprechen. Ich kann ihn bitten, zu helfen. Und mich dazu durchringen, ihm zu vertrauen.

Vielleicht haben Sie es auch schon erlebt, dass Gott andere bereit gemacht hat, das zu tun, was Sie nicht mehr tun konnten. Dass er Menschen geschickt hat, die genau die Fähigkeiten hatten, die Ihnen fehlten. Wer so Gottes Fürsorge erfährt, wird getröstet und gelassener. Und doch nicht untätig. Denn Gottes Fürsorge schließt meinen Einsatz nicht aus. Wer darauf vertraut, dass der Vater im Himmel sorgt, der legt die Hände nicht in den Schoß. Der sorgt, so wie es ihm möglich ist, für seinen Lebensunterhalt. Der arbeitet an seinen Beziehungen. Er trägt zum Frieden bei, ist offen für andere, ihre Fähigkeiten und ihren Dienst.

Wenn Ihnen die Klage des Beters aus dem Herzen gesprochen ist, sie genauso das Empfinden haben: “Ich bin arm und elend”, dann lade ich Sie ein, sich heute mit Ihrem Mangel und Ihrer Not an den Gott zu wenden, der für die sorgen will, die ihm gehören. “Ehe sie rufen, will ich antworten” (Jes 54,24), hat er einmal gesagt. Und ich wünsche Ihnen, dass sie mit ebensolchem Verhalten wie der Psalmbeter sagen können: “Der Herr aber sorgt für mich.”
 

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