/ Wort zum Tag

1. Mose 24, 7

Bibelvers

Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden.

1. Mose 24, 7

Wie durch ein Wunder überlebte ein 10-jähriger Junge einen schweren Unfall. Einer der Rettungshelfer sagte zu ihm: „Da hast du aber einen Schutzengel gehabt!“ Der Junge erwiderte: „Nein, es waren zwei. Sie haben mich an jeder Seite festgehalten.“

Was soll man von Schutzengeln halten? Da gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Kindern gesteht man gern zu, dass sie einen Schutzengel haben. Unbestritten aber ist, dass in unserer Gesellschaft ein enormes Sicherheitsbedürfnis besteht. Kürzlich las ich, dass jeder zweite Autofahrer trotz aktueller Sicherheitstechnik noch ein Maskottchen in seinem Wagen hat. Zwei Drittel der unter 29-jährigen sollen sich religiöse Gegenstände wie Kreuze, Rosenkränze oder Engel ins Auto hängen. „Es kommt eben darauf an, woran man glaubt.“ So der Verfasser des Artikels mit der Überschrift „Vollkasko für Abergläubige“.

Das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit entspringt dem Lebensgefühl unserer Zeit. Wir leben sehr auf das Diesseits bezogen. Wir möchten mindestens 90 Jahre leid- und schmerzfrei leben. In Wirklichkeit sieht das aber anders aus. Wir sind verletzliche Menschen, und auch die Vergänglichkeit macht sich in unserem Leben ungeniert breit. Was sollen wir also davon halten, wenn es im Bibelwort für den heutigen Tag heißt: „Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden“? Sind wir dann vor allen Gefahren abgesichert? Und wenn uns doch etwas zustößt, hat dann unser Schutzengel mal nicht aufgepasst?

Jemand hat den Schutz, den Gott uns gewährt, in drei Möglichkeiten eingeteilt.
Erstens: Gott hilft uns vor der Gefahr.
Noch bevor wir in eine Gefahr oder Not kommen, bewahrt uns Gott. Der Kirchenvater Augustin soll einmal in eine andere Stadt gereist sein, um eine Gruppe von Gläubigen zu besuchen. Auf dem Weg dorthin legten ihm Feinde einen Hinterhalt. Doch der Führer von Augustins Reisegruppe hat sich verlaufen und man kam auf einem ganz anderen Weg ans Ziel. Später stellte sich heraus, dass man dadurch dem Hinterhalt entgangen war. Gott schützt manchmal schon, bevor wir die Not und Gefahr überhaupt kennen. Das ist sicherlich der Schutz, den wir am liebsten hätten.

Doch zweitens: Gott schützt auch in der Gefahr.
Über den Propheten Elia wird in der Bibel berichtet, dass trotz einer landesweiten Hungersnot bei seiner Gastgeberin die Nahrungsmittel nicht versiegten. Es war täglich ausreichend Speise vorhanden. Gott hat die Not nicht abgewendet, sondern in der Not geholfen.

Und drittens hilft Gott auch durch die Not.
Das ist für uns wohl am schwierigsten zu begreifen. Ein biblisches Beispiel für solche Hilfe und Führung Gottes ist Josef. Ihn hatten seine Brüder beinahe umgebracht. Als Sklave wurde er nach Ägypten verkauft. Nach einer kurzen Karriere wurde er unschuldig ins Gefängnis gebracht. Dort hat er sein junges Leben über einige Jahre scheinbar sinnlos fristen müssen. Alle hatten ihn vergessen, sogar die, die ihm zu Dank verpflichtet waren. Das müssen anhaltende Schmerzen und bohrende Fragen für ihn gewesen sein. Doch dann kam der Punkt, wo er sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Inzwischen war ihm klar geworden, warum er diesen schwierigen Lebensweg gehen musste. Er sagte: „Gott gedachte es gut mit mir zu machen ... und ein großes Volk am Leben zu erhalten.“

Tatsächlich, Gott bewahrt vor der Gefahr. Er bewahrt in der Gefahr und er bewahrt auch durch die Gefahr. Nun sollten wir nicht in den Fehler verfallen und alle Hilfe Gottes in diese drei Schubladen einsortieren, so als ob wir am Ende eines Tages sagen könnten: Gott hat mir heute zweimal vor der Gefahr geholfen, einmal in der Gefahr und dreimal durch die Gefahr. Nein, es soll uns vielmehr den Blick weiten. Wir dürfen Gott nicht darauf festlegen, wie er helfen soll. Seine Hilfe ist so vielgestaltig und Gott hat so viele Möglichkeiten uns zu helfen, dass wir keine Etiketten verteilen dürfen. Darum finde ich es gut, wenn wir unser Vertrauen auf Gottes Hilfe schlicht und einfach mit dem heutigen Bibelwort ausdrücken können: „Der HERR wird seinen Engel vor dir her senden.“ Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Ende dieses Tages dann auch sagen können: „Ja, der Herr hat seinen Engel vor mir her gesandt.“
 

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