/ Wort zum Tag

Psalm 38,19

Bibelvers

Ich bekenne meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde.

Psalm 38,19

Sagen Sie mal einem anderen ins Gesicht: „Du bist ein Sünder.“ Dann können Sie aber was zu hören bekommen. Es sei denn, der andere weiß, dass er ein Sünder ist. Umso erstaunlicher ist, was ich im 38. Psalm gelesen habe. Da wird eine Haltung beschrieben, die heute nur noch ganz selten anzutreffen ist. Da sagt einer zu Gott: „Ich bekenne meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde“ (Ps 38,19).

Diese Aussage ist in dreierlei Hinsicht überraschend. Das Erste, was mich überrascht: Da erkennt ein Mann seine Schuld. Er kann mit dem Begriff Schuld etwas anfangen. Nicht nur das, er hat begriffen, für diese bin ich selbst verantwortlich. Darum verdrängt er seine Schuld nicht und er macht auch keine anderen Menschen dafür verantwortlich oder irgendwelche widrigen Umstände.

Einem Menschen, der seine Schuld eingestehen kann, gebührt Hochachtung. Das reife Schuldbewusstsein und Schuldgeständnis ist etwas anderes als jene falschen Schuldgefühle, die den Menschen niederdrücken.

Im Gegenteil: Das Bekenntnis, falsch gehandelt zu haben, macht die Klarheit eines aufrechten Menschen aus. Er tritt aus der erbärmlichen Rolle des lamentierenden Opfers heraus und beschämt sofort alle Selbstgerechten, die mit Wonne Schuldige aufspüren und anprangern.

Dieser Mann nimmt tatsächlich die Schuld als seine eigene an. Nur so ist doch zu verstehen, dass er sich Sorgen wegen seiner Sünde macht. Ja, wahrscheinlich leidet er sogar darunter. Auf jeden Fall geht er nicht einfach zur Tagesordnung über. Das ist das Zweite, was mich erstaunt.

Und dann schließlich das Dritte: Er bekennt seine Schuld Gott. Er hat verstanden: Meine Schuld trennt mich von Gott. Und sie trennt mich möglicherweise auch von meinen Mitmenschen. Sie lässt mich einsam werden. Sie umgibt mich wie eine Wand. Es muss jemand kommen, der diese Wand durchbricht, der mich wieder zusammenbringt mit Gott und mich wieder zusammenbringt mit den anderen Menschen. Darum bittet er Gott, ihm zu helfen, ihm die Schuld zu vergeben. Damit ist der Mann an der richtigen Adresse. Denn Vergebung kann sich kein Mensch selbst zusprechen. Die muss mir zugesprochen werden. Für den Mann damals ist klar, dass seine Schuld nur von Gott vergeben werden kann. Darum wendet er sich an ihn allein. Und: Dieser Bitte verschließt sich Gott nicht. Das hat Jesus, sein Sohn, deutlich gemacht, als er am Kreuz von Golgatha für unsere Schuld gestorben ist.

Darum konnte der Apostel Johannes von Jesus schreiben: „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, der gerecht ist“ (1. Joh 2,1). Diese Worte machen mir Mut. Diese Worte „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher …“ zeigen mir: Ich bin nicht allein mit meiner Schuld. Da ist einer, der bei Gott im Himmel für mich eintritt, nämlich Jesus Christus. Der sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Deshalb hat der Prophet Jesaja das Kommen Jesu mit den Worten angekündigt: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde Willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53).

Gott ist die richtige Adresse für Schuld. Der Mann damals wusste das. So wurde er mit seiner Schuld fertig.
 

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