/ Wort zum Tag

2. Korinther 6,4.10

Bibelvers

In allem erweisen wir uns als Diener Gottes; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.

2. Korinther 6,4.10

Es gibt Reiche, die mit ihrem Vermögen Armen helfen. Das tut gut. Es gibt Reiche, die sich auf Kosten Armer bereichern. Solches Verhalten ist allgemein gefährlich. Es bezeugt inneren Verfall. Es erzeugt Armut und Wut.
Dass aber Arme viele reich machen können, das erscheint absurd. Doch genau dieses behauptet der Apostel Paulus. Wie soll das angehen?
 
Schlüssel zum Verständnis ist für mich: Er nennt sich „Diener Gottes“. Dienen? Nein danke! So denken heute viele Menschen. Jemandem dienen - das ist entwürdigend. Dienlich ist, was mir selber dient. Darum hat „Verdienen“ Hochkonjunktur. Die entsprechende Devise lautet daher oft: „Lass deine Devisen und all dein sonstiges Geld für dich arbeiten. Dann musst du es nicht selber tun.“ Als freie Bürger hatten in der Antike auch die alten Griechen ein beschränktes Dienstverständnis. Arbeit war ihrer unwürdig. Darum sollten Unwürdige für sie arbeiten - Sklaven. Der Apostel Paulus jedoch sieht sich gewürdigt, „Sklave Jesu Christi“ zu sein. Das war nicht immer so. Lange Zeit wollte er seinem Volk dienen, indem er Jesus bekämpfte. Dazu erkämpfte er sich von seinen Dienstherren einen Auftrag. Bei der Dienstausübung aber begegnete ihm Jesus. Er befreite den religiösen Fanatiker von seinem Hass auf Christus und die Christen.

Von diesem Zeitpunkt an ist Jesus nun sein Dienstherr. Das Dienstverhältnis ist von Liebe geprägt. Freiwillig will Paulus zu Jesus gehören. Er will auf ihn hören. Er will tun, was Jesus will. Die Verbindung zu Jesus und die Bindung an ihn befreit Paulus von menschlichen Zwängen. Er ist unabhängig von gesellschaftlichen Trends oder verführerischen Lehren. Paulus ist frei gegenüber dem, was man so denkt, was man so sagt, was man so macht. Auf dem Boden solcher Freiheit bekennt Luther später - ich zitiere: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

In dieser Gesinnung dient Paulus auch den Christen in Korinth. Aber er kommt dort nicht gut an. Im Gegensatz zu vielen vermeintlichen Dienern hat Paulus nichts Faszinierendes vorzuweisen. Er macht weder mit verblüffenden Erfolgen noch mit überzeugender Statistik auf sich aufmerksam. Er präsentiert keine übersinnlichen Erfahrungen, die Staunen oder begeisterte Bravorufe entfachen würden. Und eine ästhetische Anziehungskraft übt Paulus mit seiner mickrigen Gestalt wohl ebenfalls nicht aus. Selbst als Rhetoriker ist er in Korinth keine Konkurrenz. Was soll’s? Paulus hat nichts. Er ist nichts. Er kann nichts. Er ist ein bedauernswerter Habenichts. So meinen manche Christen in Korinth. Sie befürchten, dass nichtchristliche Mitbürger, sollten sie Paulus begegnen, sich möglicherweise entrüstet an den Kopf fassen, den Kopf schütteln und sagen: „Der Mann, der dort so eifrig von Jesus redet, der hat es ja im Kopf. Sind etwa alle Christen so?“ Aber Paulus läst sich von Demütigungen solcher Art nicht entmutigen. Er hat Christus im Herzen. Seine Dienstaufgabe hat er vor Augen. Gute Gedanken hat er in seinem klugen Kopf. Und das Wort vom Kreuz hat Paulus in seinem Mund. Mit dieser kostbaren Botschaft kann er als armer Bote viele Reiche und Arme in dieser Welt reich machen. Im Namen Jesu bietet er deshalb Frieden mit Gott an. Im Auftrag Jesu bittet Paulus seine Zuhörer, den Frieden Gottes anzunehmen. Wer solches tut, ist reich beschenkt. Er kann beschenken, selbst wenn er sonst nicht viel besitzt.

 

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