/ Wort zum Tag

Jakobus 1,20

Bibelvers

Des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist.

Jakobus 1,20

Klar – Jakobus hat recht, oder? So denken wir schnell und nicken bei diesem Satz. Vielleicht fällt Ihnen auch spontan jemand ein, wenn Sie an Zorn denken, jemand, dem man es ansieht, wenn er – oder sie - zornig wird. Da fängt der Ärger tief innen an zu beben, die Stimme wird hell und laut, der Kopf errötet, die Fäuste geballt, Zornesstrahlen funkeln aus den Augen, der Mund schreit. Vielleicht kennen Sie jemanden, der so zornig werden kann. Und da nicken wir jetzt also dem Jakobus fröhlich zu: Ja, du hast recht: des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist.

Aber machen wir es uns nicht zu leicht. Es gibt ja Momente, da kann einen die Wut packen, Ärger über sich und andere: Es kann bei Kleinigkeiten anfangen: eine Delle im Auto oder ein ungeschicktes Wort oder ein verpasster Bahnanschluss. Kleinen Ärger gibt es fast jeden Tag. Und großen Ärger manchmal auch. Wenn eine Beziehung nicht mehr harmoniert oder wenn der Beruf immer stressiger wird oder wenn es in der christlichen Gemeinde zu Spaltungen kommt. Dann stauen sich Worte und Gedanken auf, meist viel Falsches dabei und Beleidigendes – und was nun? Wut steigt auf, Zorn – sollen wir ihn einfach runterschlucken? Geht das? Müssen Aggressionen nicht raus? Sonst fressen wir sie in uns rein, und dann wird vielleicht alles noch schlimmer.

Also, Jakobus, wie ist das mit dem Zorn. Ja – der Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Aber wie sollen wir ihn verhindern? Und wie mit ihm umgehen, wenn er hochkochen will? Der Jakobusbrief hat eine überraschende Antwort parat. Es geht in dem Abschnitt, aus dem das Bibelwort für heute stammt, gar nicht um wütende Augen, um laute Stimmen oder einen roten Kopf. Es geht um die Ohren. Jakobus schreibt über das Hören. Christen – so lässt sich der Abschnitt zusammenfassen – Christen steht es gut, zuerst einmal, dass sie hören, bevor sie reden. Dass sie zuhören, bevor sie urteilen. Dass sie hinhören, bevor sich Wut anstaut. Das Ohr ist zuerst einmal das leitende Organ, das äußere, aber noch viel mehr das innere Ohr, Offenheit der Seele für das Wort. Für Gottes Wort vor allem. Daran erinnert der Jakobusbrief hier. Gott hat als Vater des Lichts die Welt erschaffen. Gott hat sein Wort der Wahrheit verkünden lassen. In Jesus Christus hat es Hand und Fuß bekommen. Seit Ostern wird das Evangelium weitergesagt. Es hat die Kraft, Menschen zu verändern und zum Glauben zu rufen. Es gibt menschliche Worte, die bleibende Kraft entfalten – ein richterliches Urteil zum Beispiel oder eine beflügelnde Liebeserklärung oder aber ein beleidigendes Wort. Worte haben Wirkung.
Und jetzt, so ermutigt der Jakobusbrief, jetzt lasst erst recht Gottes Wort wirken, auch in schwierigen Momenten. Die Voraussetzung dafür: seid bereit zum Hören. Seid darin fit – schnell im Hören, langsam zum Reden und – langsam zum Zorn.

Das also ist das biblische Rezept gegen Zorn: nicht Wut rausschreien, nicht den Ärger in sich reinfressen. Sondern das andere Organ trainieren: das Hören. Auf Gottes Wort hören. Es kann den Horizont weit machen. Gerade in spannungs-geladenen Situationen ist die Weite des Wortes Gottes wichtig – die Weite der Vergebung, der Horizont der Güte, die Liebeserklärung Gottes, die neu beflügelt. Und Jakobus weiß: wer so sein Hören trainiert, der kann auch Mitmenschen besser zuhören. Verstehen, was sie ärgert. Hinhören, was sie meinen. Und aufhören, schnell zu richten. Lieber im Hören immer wieder fragen: Was ist jetzt vor dir, Gott, recht?
Also, Jakobus, dein Rat: regt sich in dir Zorn, sei mit Hören vorn. 
 

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