/ Wort zum Tag

Psalm 25,1-2

Bibelvers

Nach dir, HERR, verlanget mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden.

Psalm 25,1-2

Menschen, die Durst haben, verlangen nach Wasser. Wer hundemüde ist, verlangt nach einem Bett und sehnt sich nach Schlaf. Wem die Arbeit zu schaffen macht und zu viel wird, der verlangt nach Urlaub. Wer nicht mehr alles unter einen Hut kriegt, verlangt nach Entlastung und dass die Dinge weniger werden, für die er oder sie Verantwortung trägt oder zu haben meint. Und wer schon langen keine Currywurst mit Pommes mehr gegessen hat, könnte Verlangen danach bekommen. Verlangen nach Zärtlichkeit, nach Trost, nach Anerkennung, nach aufbauenden Worten – je nach Zustand und persönlicher Situation kann das Verlangen sehr unterschiedlich ausfallen. Verlangen, Sehnsucht, Wünsche - das gehört zu meinem Leben.

David, der König Israels im Alten Testament, hat Verlangen nach Gott, und dieses Verlangen lässt mich als Leser und Hörer dieses Psalmverses erstmal stutzig werden. Verlangen nach Gott? Hab ich richtig gelesen? Nicht nach Urlaub oder einem schönen Wochenende? Nicht nach noch mehr Geld oder mehr Wohlstand? Was erwartet er von Gott? Wie kann Gott sein Verlangen stillen? Wie geht das?

Im Psalm 25 redet David von der Angst seines Herzens. Was hilft gegen die Angst? Ein starker Begleiter! Ein bewährter und verlässlicher Begleiter, einer der über dem steht, was Angst macht. David verlangt nach der Nähe Gottes, weil er glaubt und fest damit rechnet: Mein Herr und mein Gott, der bekommt meine Angst in den Griff und der nimmt mir meine Angst und darum sehne ich mich nach seiner Nähe. Danach, dass er mir begegnen möge durch ein Wort, oder im Gebet, oder in der Stille vor ihm. Das mir plötzlich ganz klar wird: Du bist nicht alleine der Angst ausgeliefert! Gott, der gute Hirte, der Schöpfer, er ist bei dir. David hofft darauf, dass Gott ihm begegnet, auf eine Art und Weise die ihm die Angst nimmt, oder die Angst kleiner werden lässt, so dass er nicht gelähmt von der Angst gar nichts mehr anpacken kann. Wo Gott dazukommt und mir beisteht verliert die Angst ihre lähmende Wirkung.

David redet in Psalm 25 von seinen Feinden. Sein Leben war tatsächlich mehr als einmal bedroht. Durch feindliche Nachbarstaaten Israels, aber auch von innen, sogar Todfeinde in seiner eigenen Familie. Jemand bedroht unser Leben - kaum vorstellbar und sicherlich weit weg von unserem Alltag. Und doch: Sich bedroht fühlen. Vielleicht umringt von feindlicher Konkurrenz? Dem neidischen Kollegen oder der feindseligen Kollegin? Bedroht vom Erfolgsdruck. Umringt und eingeengt von Erwartungen: "Du solltest aber auch mal ...", "Und hier müsstest du auch noch …", "Aber das geht ja wohl gar nicht ...", "Noch so ein Fehler, und ...", "Ich möchte mich endlich mal auf dich verlassen können ..." Offensichtliche und manchmal auch weniger offensichtliche Bedrohungen. Feindseligkeiten, Angriffe. Wer Gott als Beschützer kennengelernt hat, den verlangt es auch dann wieder nach seinem Schutz. Nach dir, Herr, dem Beschützer, der schützenden Burg verlangt mich. Hinter dem Schutzschild deiner Liebe möchte ich mich verstecken. Oder aber: An deiner starken Hand will ich der Bedrohung begegnen. Mir die Bedrohung genau ansehen und dann angemessen reagieren.

Letztes Jahr waren wir mit einer Familienfreizeit in Füssen und durchwanderten die Pöllatschlucht. Wir wollten sie durchwandern. Denn eine Mitarbeiterin verursachte einen Stau. Sie wollte nicht auf den durchsichtigen Gitterrosten einige Meter über der Pöllatschlucht den Aufstieg zur Marienbrücke wagen. Sie hatte Angst und sie spürte heftig diese Bedrohung – die für viele andere völlig unverständlich war. Manchmal ist die Angst eines anderen kaum nach vollziehbar und doch ist sie stark und wirklich. Meine Frau bot ihr an, sie zu führen und sie sollte einfach dabei die Augen zu machen. So gelang es – allerdings sehr langsam, aber immerhin. In diesem Sommer, so schrieb sie mir, schaffte sie es alleine! Gott, nimm mich bitte bei der Hand. Ich brauche deine Nähe, deinen Schutz. Verlangen nach Gott – ich kann David gut verstehen und spreche gerne und immer wieder sein Gebet von damals nach. Nach dir, Herr, verlangt mich.
 

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