/ Wort zum Tag

Philipper 2,4

Bibelvers

Jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was demn andern dient.

Philipper 2,4

Eine Erzählung aus dem alten China berichtet von einem jungen Paar, das sein Hochzeitsfest feiern wollte. Dazu luden sie – wie es sich gehörte – alle Dorfbewohner ein. Weil sie nun aber nur wenig hatten, baten sie vorab ihre Gäste, dass jeder eine Flasche Wein mitbringen möge. Am Eingang ihres kleinen Häuschens würde ein großes Fass stehen, in das jeder ankommende Gast seinen Wein gießen könnte. So würden sich alle freuen können.

Als der große Tag gekommen war, kamen die Gäste in großer Zahl. Und als das Fest eröffnet wurde, wurde jedem Gast ein volles Glas des Weins angeboten, der aus dem Fass vor der Tür geschöpft worden war. Doch schon bald musste jeder feststellen, dass in dem besagten Fass sich nur Wasser befand. Jeder begann sich zu schämen, als ihm klar wurde, dass er genauso wie alle anderen gedacht hatte: „Die eine Flasche Wasser, die ich ins Fass gieße, die wird keiner schmecken!“ Nun aber war offensichtlich, dass jeder auf Kosten der anderen hatte feiern wollen.

Ein überspitztes Beispiel? Vielleicht. Aber wie leicht ist eine Gemeinschaft davon geprägt, dass einer auf Kosten des anderen genießen möchte. Wie oft verdirbt purer Egoismus das eigene Leben, das eigene wie das des Anderen. Wie leicht meldet sich in unserem Innern die Stimme, die nur allzu gerne taxieren will, was denn für mich dabei herausspringt, wenn ich mich in besonderer Weise investiere? Es scheint tatsächlich so was in uns zu geben, das alles, was erlebt, erfahren, gehört wird, daran messen möchte, ob es uns selbst zum Vorteil ist. Und damit wird jede Form von gelebter Gemeinschaft in Frage gestellt.

Wenn es im neutestamentlichen Motto für den heutigen Tag mit einem Wort des Apostels Paulus aus dem Brief an seine Gemeinde in Philippi heißt: „Jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient“, dann weist der Apostel damit auf den Orientierungspunkt hin, von dem jede christliche Gemeinschaft lebt, auf Jesus Christus nämlich. Der lebte nach anderen Prinzipien. Er war in erster Linie für die anderen da, nicht für sich. „Er wurde arm um unsertwillen, auf das wir durch seine Armut reich würden“, so schreibt Paulus einmal an seine Gemeinde in Korinth. Er verschenkte sich, damit andere glücklich werden könnten. Viele denken im Stillen für sich: „Sollen doch erst mal die anderen anfangen, sich zu verändern, die Gemeinschaft positiv zu prägen, dann, ja dann werde ich auch mitziehen.“ Aber das ist natürlich der Tod im Topf. So geschieht nie etwas. Veränderung beginnt immer bei mir selbst. Viele meinen, es müssten immer gleich ganz viele sein, die mitmachen, damit sich etwas ändert. Aber das ist ein Trugschluss. Das bekannte Beispiel aus der Chaosforschung, die berechnet hat, dass der Flügelschlag eines einzigen Schmetterlings im Amazonasgebiet in den Südstaaten der USA einen tropischen Wirbelsturm auszulösen vermag, lehrt uns etwas anderes. Wenn ein einziger in der christlichen Gemeinde anfängt, sich so zu verhalten, wie es Christus selbst getan hat und wie es ihm entspricht, dann wird das Auswirkungen haben – mehr, als wir vermuten oder auch nur ahnen. Eben weil Christen sich von Jesus Christus getragen wissen, können und dürfen, ja sollen sie anders miteinander umgehen als „man“ das sonst so tut. So war echte, tiefgehende Liebe seit jeher das besondere Merkmal der Jesusleute, wie man die Christen auch zu nennen pflegte.

Dabei ist Liebe nie pauschal. Wir sollen mit unserer Liebe dem anderen genau dort begegnen, wo er liebebedürftig ist. So sollten wir einem Menschen mit über zwei Zentnern Lebendgewicht natürlich keinen Schinken schenken. Und einen Menschen, der hungert, werden wir nicht mit Parfüm trösten wollen. Vom anderen her denken: Wo hat er meine Liebe nötig? An welcher Stelle versagt er, weil keiner ihm hilft? Vielleicht hat er gar kein Paket nötig, sondern schlicht uns selbst. Dann müssen wir uns eben selber einwickeln. „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.“ Dabei geht es nicht so sehr um spektakuläre Aktionen, sondern um das Herz und damit um die kleinen Schritte, die das Miteinander verändern.
Wer versucht uns nur immer einzureden, dass wir dabei zu kurz kommen? Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir erste Schritte tun, da kann sich unser Miteinander verändern.

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