/ Wort zum Tag

Psalm 103,14

Bibelvers

Er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.

Psalm 103,14

Es ist, als wäre es erst gestern gewesen: „Siebzehn Jahr, blondes Jahr“, sang er hingebungsvoll. Und dann „mit 66 Jahren“ – wie die Zeit vergeht! – konnte der „Herzensbrecher“ auf ein überaus erfolgreiches, aber auch bewegtes Leben zurückblicken. Inzwischen hat Udo Jürgens bereits die 75 überschritten und macht sich schon mal Gedanken über das Ende seines Daseins. Originalton Udo Jürgens: „In meinem Alter muss man auch dazu stehen, dass du Nächte hast, in denen beim Nicht-Einschlafen-Können die grauen Vögel um deinen Kopf kreisen. Und du fragst dich dann: Wie viel Zeit bleibt dir noch?“ Fast wöchentlich lese er Todesanzeigen von solchen, die jünger gewesen sind als er selbst. „Patsch! Patsch! Die Einschläge kommen näher“, stellt Udo Jürgens fest.
Ja, es erwischt sie alle, die Prominenten wie die Namenlosen. Alles auf unserer Erde ist begrenzt, endlich, vergänglich.

Auch in unserem Leben, mag es heute noch so faszinierend von Besitz, Dynamik, Anerkennung und Sicherheit gekennzeichnet sein, ist das menschliche Ende bereits vorprogrammiert. Es ist so - irgendwo wächst bereits der Baum, aus dem unser Sarg einmal geschnitzt werden wird, irgendwo befindet sich das Stückchen Land, in dem einmal unsere sterbliche Hülle versenkt werden wird. Und es täte uns gut, rechtzeitig daran zu denken, nein nicht, um in eine wie auch immer geartete Todessehnsucht zu fliehen, sondern um das Heute, die uns geschenkte Zeit zu nutzen, in der geordnet werden kann, was einer Ordnung bedarf, und in der geklärt werden kann, was bisher unklar geblieben ist.

Der Beter des 103. Psalms spricht es im biblischen Motto für den heutigen Tag mit unübertrefflicher Nüchternheit aus: „Gott weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind.“ Wie schnell ist all das von der Vergangenheit eingeholt, was wir so gerne mit dem Stempel ‚Ewigkeit‘ versehen würden. Viel schneller ist alles wie vom Winde verweht, was in unseren Augen fast absoluten Bestandsschutz zu genießen scheint. Und natürlich die Frage: „Gibt es denn nichts Bleibendes für mein Leben, das nicht dem scheinbar ewigen Kreislauf der Natur von ‚Werden und Vergehen‘ unterworfen ist“? Vielleicht öffnet sich uns der Blick, wenn wir uns das alte Bild des christlichen Philosophen und Denkers Sören Kierkegaard vor Augen halten, der darauf hinwies, dass alle Menschen – ohne Ausnahme – sich in einem großen Krankenhaus befinden; denn alle leiden sie ja an der Krankheit zum Tode. Nur gibt es dort zwei Gruppen, zwei Stationen gleichsam, die sich grundlegend und wesentlich voreinander unterscheiden. Die einen, so Kierkegaard, leben ohne Hoffnung. Sie sehen nur sich und meinen, sich irgendwie mit billigem Trost über die Runden retten zu können, vergebens. Die anderen aber haben eine Hoffnung; denn sie wissen um den, der als einziger die Krankheit zum Tode besiegt hat, um Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes.

Einer von ihnen war der Dichter Manfred Hausmann, der schrieb: „Jetzt bin ich alt. Und der Gedanke an den Tod, das Bedenken des Endes, spielt nun eine große Rolle in meinem Leben. Das und das werde ich wahrscheinlich und dieses und jenes bestimmt nicht mehr erleben. Und ich wäre doch so gerne noch dabei. Schade! … Ich bin nicht lebenssatt. Durchaus nicht. Aber ich bin, wenn ich an die letzte Stunde denke, getrost. Was mir auch zustößt, einer weiß, warum es gerade so und nicht anders geschieht. Und wenn ich die Hand des liebsten Menschen loslassen und „Es“ allein abmachen muss, werde ich nicht verlassen sein. Ich weiß mich geborgen, soweit menschliche Anfälligkeit sich geborgen wissen kann, auch wenn einzelne Ängste geblieben sind.“ Manfred Hausmann wusste um die Hand Jesu, die ihn hielt und auf die er sich stützen konnte, wie gut. Wenn wir daran denken, dass wir Staub sind, dann kann diese Hand Jesu uns zum Licht führen, zu dem Licht, das aller Vergänglichkeit standhält.

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