/ Wort zum Tag

Psalm 71,20-21

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Bibelvers

Du holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.

Psalm 71,20-21

Der müsste noch geboren werden, der keine Angst vor dem Älterwerden oder Sterben hätte. Ich habe viele Jahre in einem Altenheim gearbeitet. Ein christlich geführtes Haus. Die Bewohner waren zum größten Teil gläubige Menschen. Kaum ein Monat verging, in dem nicht einer verstarb. Etwas anderes wäre in einem Heim für Gebrechliche auch kaum zu erwarten.

Die älteste Dame, deren Sterben ich begleitete, war 101 Jahre alt. Eine rüstige und liebenswürdige Person. Ich mochte sie gern leiden. Sie nahm ihr Leben von der humorvollen Seite. Bis keiner mehr da war, den sie von früher her kannte: Ihre Kinder verstorben, ihre Enkelkinder verstreut in alle Welt, ihre Freunde ebenfalls schon im Himmel. Eines Tages verlor sie ihren Lebenswillen. Sie beschloss zu gehen, legte sich ins Bett und schlief wunschgemäß nach zwei Wochen lebenssatt und friedlich ein. Wenn ich das so sagen darf: Ein schönes Sterben.

Aber leider ergeht es nicht jedem Menschen so. Manche kämpfen bis zum letzten Atemzug ums Bleiben, auch tapfere Christen, die zuvor vom willigen Heimgehen gesprochen hatten. Zum Glück für mich bekam ich aber öfter mit, wie sich Gottvertrauen in den letzten Stunden auszahlt. Der Glaube, dass Gott durchs Alter trägt und im Sterben tröstet, ist eine große Hilfe.
Das Wort für heute steht in Psalm 71, die Verse 20-21: „Du lässt mich erfahren viele und große Angst und machst mich wieder lebendig und holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde.“ Hier betet einer zu Gott, der weiß, dass sein Leben wohl bald zu Ende geht. Seine letzte Ruhestätte wartet schon auf ihn. In den Tiefen der Erde. Dort, wo es dunkel ist und kein Mensch hinsehen kann. Aber dort wird er nicht bleiben. Gott wird ihn wieder heraufbringen ins Licht und wieder lebendig machen. Getröstet und groß wird er sein. Das Gegenteil vom Hier und Jetzt. Jetzt geht es ihm schlecht. Ganz klein kommt er sich vor. Ein Rädchen nur, das sich bald nicht mehr dreht. Doch er weiß, kein Mensch, der daran glaubt, kann tiefer fallen als in Gottes Hand.

Schön gesagt, werden Sie vielleicht denken. Rein theoretisch. Und wenn die Stunde Null kommt? Werde ich dann auch so zuversichtlich sterben können, wie etwa die alte Dame von 101 Jahren? – Ich weiß es nicht! Ich wünsche es aber mir und glaube fest, dass sich Gottvertrauen lohnt.
Die letzte Wegstrecke kommt mir manchmal vor wie der Weg zurück zum Ursprung, zum Anfang der Welt, die Gott aus Finsternis und Wasser schuf. Wohin gehen wir? Ins Paradies? Zu Gott, dem Ewigen, der für seine Menschenkinder Wohnungen im Himmel bereit hält? – Wir fahren hinab ins Reich des Todes, ja, aber von dort werden wir auferstehen und den sehen, an den wir geglaubt haben. Das ist die die frohe Botschaft, die aus der Tiefe von Verzweiflung und Angst ins ewige Leben bei Gott herausruft.
Ich habe Menschen kennen gelernt, die sich partout nicht trösten lassen wollten. Kein Psalm, kein Gebet nahm ihnen den Schrecken. Sie klammerten sich an das Leben, das sie kannten. Der Schritt in unbekanntes Land war ihnen unheimlich. Deshalb hatten sie Angst vor dem Sterben und dem Danach. Kein Mensch kann einem anderen diese Angst nehmen. Aber derjenige ist gut beraten, der sich trösten lässt. Denn Jesus Christus ist auferstanden und hat den Tod besiegt. Der Glaube an ihn ist Hilfe im Leben
 


Kommentare

Von Jürgen Bartram am .

Ich denke, das sind wirklich gute und tröstende Worte.

Von Rosemarie B. am .

Nicht jeder darf alterssatt sterben.
Was ist, wenn z. B. eine junge Mutter aus dem Leben geholt wird? Natürlich bin ich überzeugt, dass wenn sie ihr Leben Jesus übergeben hat, sie dann auch ins Vaterhaus geht. Auf der einen Seite ein Trost und dennoch anderseits sehr viel Schmerzen. Nur ohne dieses Wissen, sie ist bei Jesus, gibt es nur die Schmerzen.
Ich durfte auch einmal eine Frau hohen Alters, welche im Sterben lag, besuchen. Bei meinem letzten Besuch bei ihr ließ sie mich wissen: "Ich mehr


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