/ Wort zum Tag

Matthäus 6,24

Die Nachricht hat mich verblüfft, die ich vor einiger Zeit im Radio gehört habe. Ein Busfahrer, der jeden Tag mit seinem Bus auf den Straßen unterwegs ist, hat doch tatsächlich eine Blindenrente bezogen. Und ein Lahmer, der wegen seiner Gehbehinderung eine Rente erhielt, spielte am Wochenende fröhlich und gekonnt Fußball in einem ganz normalen Fußballverein. Verstorbene Angehörige wurden nicht der Rentenversicherung gemeldet, sondern mit den weiter ausgezahlten Renten wurde das eigene Einkommen aufgebessert.

Verblüfft hat mich das und geschmunzelt habe ich über die Pfiffigkeit und Findigkeit. Da haben offensichtlich Tausende in einem europäischen Land Behörden hinters Licht geführt, um für sich einen bemerkenswerten Geld-Vorteil herauszuschlagen.

Jetzt, mit etwas Abstand zu dem Radiobericht, merke ich: Das ist nicht nur eine Schmunzelgeschichte, die da zum Besten gegeben wurde. Es ist ein Dokument über eine Zeiterscheinung, die immer weiter um sich greift und das Zusammenleben von Menschen und unterschiedlichen sozialen Gruppen immer mehr stört. Das, was da berichtet wurde, geschieht überall. Auch bei uns. Es ist, als ob ein ansteckender Bazillus immer mehr Menschen ergreifen würde. Auch vor Politikern und Leuten in gehobenen Positionen macht der nicht Halt. "Nimm, was du kriegen kannst", scheint der Impuls zu sein, der von ihm ausgeht. Frag’ nicht nach deinen Mitmenschen und deinen Nachbarn. Sieh zu, dass du auf deine Kosten kommst. Das alleine ist wichtig. Und wenn es dir gar gelingt, das Finanzamt oder die Versicherung hinters Licht zu führen, dann darfst du das als persönlichen Sieg über eine anonyme Institution feiern.

Das Schmunzeln ist mir vergangen. Denn ich beobachte, dass diese Zeiterscheinung fatale Folgen hat für unser Zusammenleben. Wo es nötig wäre, dass Menschen solidarisch füreinander eintreten, kämpfen sie gegeneinander um das größte Stück vom Kuchen. Wo Teilen angesagt wäre, wird auf Kosten des andern der eigene Vorteil gesucht. Wo Verzicht ohne große Opfer möglich wäre, wird verbissen der Besitzstand verteidigt. Und das geschieht ja nicht nur durch einzelne Menschen so. Ganze Institutionen sind dem "Immer-mehr-haben-Wollen" verfallen. Die so genannte "Finanzkrise" in den letzten Jahren hat das deutlich gemacht. Es scheint, als ob der Blick für das, was ehrlich, angemessen, verantwortungsvoll ist, verloren gegangen ist. Finanzfachleute, denen man Nüchternheit und Berechenbarkeit nachsagt, haben sich wie Glücksspieler verhalten: Mit immer höheren Einsätzen kann man immer mehr verdienen. Das hat sich inzwischen als schlimmer Irrtum erwiesen.

Was ist da passiert, dass einzelne Menschen genauso wie angesehene Institute diesem Irrtum aufgesessen sind? Unser Wort zum Tag bringt es auf den Punkt: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Jesus stellt damit die entscheidende Frage: Wo ist dein Leben verankert - bei Gott oder beim "Mammon"? "Mammon" bedeutet in der Sprache der Bibel "das Kapital", Vermögen, Besitz, Geld. Jesus fragt seine Zuhörer: Hast du dein Leben Gott anvertraut oder dem Mammon? Du kannst nur einem gehören und gehorchen.

Natürlich brauchen wir Geld für unser alltägliches Leben. Mit seiner Hilfe können wir die Dinge kaufen, die wir für unsere irdische Existenz brauchen. Das wird hier nicht infrage gestellt. Aber passt auf, dass es nicht zur beherrschenden Kraft in eurem Leben wird, dem sich alles andere unterzuordnen hat, sagt Jesus. Für den verantwortungsvollen Umgang mit Geld hat John Wesley vor 250 Jahren seinen Leuten eine knappe Anweisung gegeben. Sie ist auch heute noch beherzigenswert.
1. Erwirb so viel du kannst - ohne dabei deiner Seele oder deinem Körper zu schaden.
2. Spare so viel du kannst - wirf die kostbare Gabe nicht weg durch unnütze Ausgaben.
3. Gib so viel du kannst - tu Gutes nach deinen finanziellen Möglichkeiten.
So kann ich in Verantwortung vor Gott auch heute mit meinem Geld umgehen.
 

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