/ Wort zum Tag

Lukas 1,46-47

Bibelvers

Maria betete: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.

Lukas 1,46-47

Eine junge Frau ist unterwegs. Mit ihr ist passiert, was noch mit keiner jungen Frau vor ihr passiert ist und was auch mit keiner jungen Frau nachher jemals passieren wird. Sie ist schwanger. Sie trägt den Sohn Gottes. Ein Geheimnis, das sie kaum verstehen kann. Maria, die junge Frau, braucht Abstand. Sie braucht Zeit zum Denken. Zeit zum Beten. Zeit, um all das verstehen zu können. Diese Zeit will sie bei ihrer Verwandten verbringen, bei Elisabeth, die ist auch schwanger. Genauso unerwartet schwanger. Aber im Gegensatz zu Maria hatte sie sich viele Jahre lang zuvor ein Kind gewünscht. Nun hatten weder sie noch Zacharias, ihr Mann, damit gerechnet, noch einmal Eltern zu werden. Beide waren nicht mehr die Jüngsten. Doch ein Engel hatte das Wunder aller Wunder angekündigt. Und Elisabeth war schwanger geworden.

Sie würden viel zu erzählen haben, die beiden Frauen. Die junge Maria und die älter gewordene Elisabeth. Viel zu erzählen haben von ihren Träumen und Sehnsüchten, von ihren Enttäuschungen und Ängsten. Ja, vor allem auch von ihren Ängsten. Denn das, was mit ihnen passiert war, machte sie zu zwei besonderen Frauen, zu zwei ausgesonderten Frauen. Die Beziehungen würden sich ändern. Die Beziehungen zu den Verwandten. Die Beziehungen zu den Freundinnen. Wie gut, dass sie wenigstens einander haben würden.

Während Maria unterwegs ist durch das Bergland Judäas, formt sich in ihr ein Gebet, ein Lied. Lukas hat es in seinem Evangelium überliefert. Wir kennen es als das berühmte Magnifikat. Nach den ersten Worten aus ihrem Lied, auch ihrem Gebet. Auf Lateinisch nämlich beginnt es so: „Magnificat anima mea dominum.“ Auf Deutsch: „Meine Seele preist den Herrn.“ Dieses Lied ist immer wieder übersetzt, immer wieder vertont worden. Es ist ja auch zu schön, zu bewegend, zu kostbar. Auf die ersten beiden Sätze aus diesem Magnifikat wollen wir uns heute besonders konzentrieren: „Meine Seele erhebt den Herrn,  und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Meine Seele – Wer ist das? Das ist Maria. Es ist ihr Innerstes. Es ist das Zentrum ihres Denkens, ihres Fühlens, der Kern ihrer Persönlichkeit. Klar, sie hätte auch sagen können: „Ich erhebe den Herrn.“ Aber dieser Ausdruck „Meine Seele“ sagt dann doch noch mehr. Genauso der zweite Teil dieses Satzes: „Mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes.“ Wieder hätte sie sagen können: „Ich freue mich.“ Aber so wird auf geheimnisvolle Weise deutlich, dass hier die ganze Maria singt. Dass die ganze Maria betet. Ihre Seele. Ihr Geist. Und sicherlich auch ihr Körper, der sie zu Elisabeth, ihrer Verwandten trägt. Ich sehe sie beten, wie Juden bis heute beten. Mit dem ganzen Körper. Mit Händen und Füßen. Mit dem Oberkörper. Mit dem Kopf. Alles ist beteiligt. Alles preist Gott. Alles rühmt seine Größe, seine Liebe. Alles freut sich über das Wunder, das er getan hat.

Ich möchte von Maria lernen. Ich möchte beten lernen, singen lernen. Ich möchte es lernen, alle Gedanken und Gefühle in das hineinfließen zu lassen, was ich Gott sage. Wer nur mit dem Mund betet, betet oberflächlich. Wer Gott nur in Gedanken rühmt, rühmt ihn nicht genug. Ich will mit meiner ganzen Seele beten. Ich will mit meinem Geist singen, mit allen Gedanken und Gefühlen und vielleicht auch mit Händen und Füßen. Gott hat ja nicht nur Maria, sich selbst ganz und gar geschenkt. Er schenkt sich uns auch. Darum will ich auch nichts zurück halten, wenn ich ihm begegne.

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