/ Wort zum Tag

Klagelieder 3,23

Gedanken zu Losung/Lehrtext des Tages.

Treue ist wieder „in“, wenn man verschiedenen Umfragen und Studien glauben darf. Junge Menschen suchen nicht mehr nur das schnelle Abenteuer, das wechselnde Vergnügen, sondern verlässliche Beziehungen. Ich erinnere mich an eine Talkshow vor einiger Zeit. Ein attraktiver junger Mann war Betreiber einer Seitensprung-Agentur. Also einer Einrichtung, die professionell Untreue organisiert. Auf die Frage des Moderators, wie es mit seiner eigenen Beziehungskiste aussehe, antwortete er: Er lebe seit einigen Jahren in einer treuen Beziehung. Und auf die erstaunte Rückfrage seines Gesprächspartners hin erklärte er: Die ständig wechselnden Beziehungen hätten in buchstäblich körperlich krank gemacht. Er hätte nicht mehr gewusst, wo er innerlich und äußerlich zu Hause sei. Der ständige Wechsel bot keinen Halt, keine Heimat. Keine Beziehung hielt so lange, dass da Zeit und Kraft zum Wachsen und zum Reifen gewesen wäre. Sobald es ungequem wurde, lief man auseinander, blieb aber zutiefst einsam. Das wollte er nicht mehr. Er wollte gerne treu leben. Soweit die Aussage dieses jungen Mannes.

Jeder Mensch braucht Treue. Jeder Mensch braucht Verlässlichkeit. Jeder Mensch braucht einen Ort, wo er auch als Versager auftauchen darf. Wo man Niederlagen verarbeiten kann. Wo man sein darf, ohne sich beweisen zu müssen. Es gibt kein schöneres Wort hierfür als „Treue“. Treue ist bewährte Liebe. Treue ist Liebe mit dem Mut zum Neuanfang. Treue ist das, was die Krisen übersteht und durchsteht. Wer treu ist, hält seine Versprechen, auch wenn die Dinge sich anders entwickeln als gewünscht. Auf einen treuen Menschen kann ich zählen, selbst wenn ich ihn enttäuscht habe. Deshalb ist Treue eines der größten und wichtigsten Geschenke, die sich Menschen machen können.

Unser heutiges Bibelwort bringt aber noch eine tiefere Dimension ins Leben hinein. Der Prophet Jeremia – er lebte ca. 600 v. Chr. -, betet zu Gott: „Herr, deine Treue ist groß!“ Was für eine unglaubliche Aussage! Jeremia kennt Gott als jemanden, der treu ist. Der zu seinem Wort steht. Der zu mir steht, auch wenn ich versage. Auf Gott kann ich mich 100%-ig verlassen. Mein Versagen schreckt ihn nicht ab. Gott kennt mich – und hält trotzdem zu mir. Gott kann ich nichts vorspielen – und dennoch bleibt er mein Gott. Er wendet sich nicht ab. Er verlässt mich nicht. Niemals!

Ich spüre die Zweifel in meinem Herzen aufsteigen: Wirklich? Gibt es das überhaupt? Wann hat dieser Jeremia noch einmal gelebt? 600 v. Chr.? - Ja, damals!  Damals scheint die Welt noch in Ordnung gewesen zu sein! Vielleicht hat Jeremia gerade einen herrlichen Sonnenuntergang bewundert, vielleicht eine beglückende Erfahrung gemacht. Jedenfalls scheint ihm diese Aussage leichter über die Lippen gekommen zu sein als mir. - Doch nein! Jeremia erlebte blutige Kriege, Gefangenschaft, wurde mit den anderen verschleppt. Er lebte in einer absoluten Chaoszeit. Das Buch, in dem seine Aussage überliefert wurde, heißt „Klagelieder“. Jeremia wusste um Leid und um große Not.

„Herr, deine Treue ist groß!“ - Das war keine Schönwetteraussage und auch kein Stammtischbekenntnis. Dieser Satz wurde in der Not geboren! Er steht am Ende einer langen Klage, in der Jeremia schonungslos mit Gott abrechnet. Er hält ihm das unsägliche Elend und den ganzen Mist seines Lebens unter die Nase. Und trotzdem kann er am Ende nicht anders, als vor der Treue Gottes zu kapitulieren. Vielleicht gerade weil er sich unter Tränen durch die Klage hindurchgekämpft hat, kommt er am Ende zu der Überzeugung: „Herr, deine Treue ist groß! Du bist immer noch da! Du ersparst mir nicht die Nacht, aber du gehst mit mir durch die Nacht. Du bewahrst mich nicht vor dem Leiden, aber du tröstet mich im Leiden. Du hältst meine Zweifel und meine Klagen aus!“

„Herr, deine Treue ist groß!“ An diesem Satz will ich mich heute festhalten, in Freud und in Leid. Er ist mein Geländer, an dem ich mich durch die Dunkelheit taste. Am Morgen will ich diesen Satz bekennen, und am Abend möchte ich den Tag damit beschließen. Die Treue Gottes steht am Anfang und am Ende.


Kommentare

Von Rosemarie Bayer am .

Wie gut zu wissen, dass Gott treu ist auch wenn ich untreu bin.
Ich habe mich auch schon wie der untreue Sohn davongemacht gehabt. Umso dankbarer bin ich zu wissen ich durfte umkehren.
Gott schütze unser Leben und bewahre uns in seiner Nähe.
Wie aufbauend um solch einen großen Gott zu wissen. Wie gut zu wissen, dass wir durch Jesus die Brücke zu IHM haben.

Von Renate am .

Danke! Ja, diese Aussage Jeremias über Gottes Treue kommt aus einer tiefen Notlage heraus. Genau da können wir aber ebenfalls Gottes Nähe und SEINEN Beistand erleben und erfahren und sind dann aufgerufen, ebenfalls SEINE Treue zu verkünden.


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